12. Donaubörse beleuchtete extrem auseinanderklaffende europäische Märkte

Herkunftsgarantie spielt wichtige Rolle am heimischen Mehlmarkt.

Wien, 5. September 2017 (aiz.info). - Die 12. Internationale Donaubörse in Wien fand am vorigen Freitag neuerlich starkes Interesse von Beteiligten aus Getreide- sowie Futtermittelhandel, Verarbeitung wie auch Logistik aus 15 Ländern. Der erste Freitag im September als Fixtermin schöpft seine Anziehungskraft daraus, dass hier die ersten Ergebnisse der Ernten im mitteleuropäischen Raum auf dem Tisch liegen und die Bildung von Markt und Preisen Stoff für rege Diskussion liefert. "2017 ist überhaupt ein besonderes Jahr", so Josef Dietrich, Präsident der veranstaltenden Wiener Produktenbörse, denn so unterschiedlich wie heuer seien die Erntemengen und Qualitäten in Europa - so lange er sich erinnern könne - noch nicht ausgefallen. Der Osten Europas fuhr rekordverdächtige Erträge ein, in der Mitte - in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Westungarn und Süddeutschland aber auch Italien - stehen kleinen Erntemengen extrem gute Qualitäten und Backeigenschaften gegenüber, in Westeuropa hat Frankreich sowohl starke Erträge als auch Qualitäten eingebracht und ist die Pyrenäenhalbinsel vertrocknet und hat extremer Regen entlang der Nord- sowie Ostseeküste von Deutschland über Polen ins Baltikum die Ernte noch nicht beenden lassen und Qualitätsprobleme wie mit Fallzahl wie auch Hektolitergewicht nach sich gezogen. Angesichts der hohen Qualität des italienischen Weizens der Ernten 2017 und von Preisen um 10 bis 15 Euro/t unter dem inländischen Niveau erwartet Börse-Vizepräsident Peter Gartner zunächst, möglicherweise bis Jahresende, ein eher schleppendes Geschäft mit österreichischem Aufmischweizen auf dem traditionellen Exportmarkt im südlichen Nachbarland.

Der Mühlensektor in Italien kämpfe zudem mit geringen Spannen und mit immer wieder auftretenden Logistikengpässen im Bereich der italienischen Staatsbahnen. Im Juli und August sei das Geschäft noch recht verhalten verlaufen, zumal auch einer von Österreichs Konkurrenten am Markt für hochwertige Aufmischweizen, Kanada, bessere Qualitäten als erwartet einfahre und einige inländische Partien inhomogene Kleberqualitäten aufwiesen. Insgesamt hat Österreich aus der Ernte 2017 weniger Weizen für den Export zur Verfügung, die Importe sollten sich auf gleichem Niveau halten.

Herkunftsgarantie spielt wichtige Rolle am heimischen Mehlmarkt

Laut Dietrich ist Österreich bereits seit einigen Jahren Zuschussland bei Getreide. Eingeführt wird vor allem Getreide für die in der jüngsten Vergangenheit stark ausgebaute industrielle Verarbeitung wie zu Stärke, Zitronensäure oder Ethanol und Eiweißfutter. Ausgeführt dagegen wird hochwertiges Getreide wie Aufmischweizen nach Italien. Ebenso spielt die Versorgung des heimischen Lebensmittelmarktes aus heimischer Produktion eine wichtige Rolle. "Die Herkunftsgarantie ist am inländischen Mehlmarkt sehr wichtig", hält Dietrich fest.

Preisdifferenzen zu Terminmärkten als Herausforderung für Handel und Mühlen

Die Vermarktung der heimischen Ernte 2017 stelle dennoch sowohl den Getreidehandel als auch die Verarbeiter im Mühlensektor vor besondere Herausforderungen, sind sich beide Seiten einig. Denn laut Dietrich komme dazu, dass die Kurse an der Europäischen Warenbörse Euronext in Paris ins Bodenlose gefallen seien und sich die Kassamärkte mit extremen Aufgeldern für physische Ware davon abgekoppelt hätten. Mit beigetragen zur schwächelnden Euronext habe auch der starke Euro und die daraus resultierenden schwachen Getreideexportzahlen der EU, die der Branche weh täten.

Diese Preisdifferenz zur Euronext erschwere die sonst übliche und um die Frachtkostendifferenzen zum jeweiligen Standort erfolgte Ableitung physischer Preise von den Terminmarktnotierungen und somit letztlich auch das Absichern von Preisvorstellungen durch Hedging. Dietrich: "Entweder müssen die Marktpreise runter oder die Börsenkurse rauf. Die Frage ist aber, wann?" Dabei sei aber die Preisabsicherung an der Euronext "eine Notwendigkeit für die Verarbeiter, ohne die kein Geschäft zu machen ist".

Zurzeit sei aber - wie schon im ganzen Jahresverlauf 2017 und noch vor der Ernte - eine sehr zögerliche Abgabebereitschaft bei Lagerhaltern von Weizen zu bemerken. Zeitweise hätten die Verarbeiter heuer überhaupt kein Rohstoffangebot gefunden.

Geringe Maiserträge mit preisstützender Wirkung

Stützende Momente für die heimischen Getreidepreise sieht Dietrich im weiteren Saisonverlauf in der am Beginn stehenden Nassmaisernte. Denn auch die Maiserträge leiden schwer unter der sommerlichen Hitze und Dürre, Regenfälle im August seien für die Ertragsbildung zu spät gekommen. Mit einem knapp versorgten Getreidemarkt, insbesondere für die Verfütterung, würde auch von einer engen Maisversorgung von unten her das allgemeine Preisniveau nach oben gedrückt. Zudem lägen Berichte vor, wonach Mais in Italien mit Aflatoxin zu kämpfen habe. Durch die Decke gehen ließen ein schwacher Ertrag und sinkende Qualitäten in den Spätdruschgebieten die Mahlroggenpreise. Zudem könne auch Deutschland nicht entsprechende Mengen und Qualitäten liefern.