Am Schwarzen Meer zeichnen sich hohe Auswinterungsschäden ab

Russland: Ernte 2015 könnte auf 86 Mio. t nach 104 Mio. t in 2014 fallen.

Moskau, 28. November 2014 (aiz.info). - Die Getreideproduzenten in den wichtigen südrussischen Erzeugerprovinzen sind mit dem Zustand der Winterbestände zur Ernte 2015 unzufrieden. In den Regionen Rostow, Krasnodar und Stawropol werden derzeit lediglich 70 bis 75% der Anbauflächen als zufriedenstellend bewertet, berichtet der russisch-ukrainische landwirtschaftliche Analysen- und Informationsdienst APK-Inform unter Berufung auf eigene Umfragen. Der Grund dafür sind tiefe nächtliche Temperaturen von bis zu -10 °C bei fehlender Schneedecke. Nun befürchten die Experten Auswinterungsverluste auf 20 bis 30% des gesamten Areals. In den drei Schwarzmeerprovinzen wurde Wintergetreide auf insgesamt rund 3,47 Mio. ha ausgesät. Wie das Moskauer Landwirtschaftsministerium in dieser Woche bekannt gab, beläuft sich dessen landesweite Anbaufläche auf gut 16,84 Mio. ha.
Ähnlich düster zeichnete am Freitag der Moskauer Analysedienst SOVECON das Bild von der Getreideernte Russlands im kommenden Jahr 2015: Demnach könnte die Erntemenge auf 86 Mio. t fallen, nachdem heuer 104 Mio. t eingefahren wurden. Bisher ging der Analyst von knapp 90 Mio. t aus. Die 86 Mio. t wären ein Minus von 17% im Vergleich zum diesjährigen Getreideertrag. Auch SOVECON macht dafür widrige Wetterbedingungen für die Wintersaaten verantwortlich.
Weiters sprach der Vize-Landwirtschaftsminister Russlands erstmals in der laufenden Saison auch davon, dass zum Schutz des russischen Inlandsmarktes variable Exportzölle auf Getreide eingeführt werden könnten. Einen Exportstopp schloss er aber als "unmöglich" aus. Russland exportierte aus der Ernte 2014 bereits namhafte Mengen Getreide, wobei das Ausfuhrpotenzial schon im Herbst zu mehr als der Hälfte erschöpft gewesen sein soll. Zugleich stieg im Inland die Nachfrage, weil die russische Fleischproduktion als Reaktion auf den Importbann von Lebensmitteln aus dem Westen angekurbelt werden musste und nach der Annexion der Krim sowie einem Flüchtlingsstrom aus der Ostukraine gleichzeitig mehr Menschen mit Brot zu ernähren sind.