Anhaltend zäher Export lähmt Weizenmärkte in der EU

Folgekäufe der Industrie bringen heimischen Trockenmaismarkt in Schwung.

Wien, 10. November 2017 (aiz.info). - Neuerlich enttäuschte Exporthoffnungen der EU bei Ausschreibungen Ägyptens und Äthiopiens wie auch in Summe 25% hinter der Vorjahreslinie hinten nachhinkende Ausfuhrdaten von 7,009 Mio. t in den ersten 19 Wochen des Wirtschaftsjahres (+334.903 t Weizenausfuhr in der jüngsten Berichtswoche bis 7. November) sowie aggressive Preisangebote aus Russland ab 195,30 USD/t fob (167,93 Euro) lähmen weiterhin die Weizenmärkte in der EU. Der Dezember-Mahlweizenkontrakt an der Pariser Euronext hielt sich Freitagmittag gerade noch bei 160 Euro/t. Auch der heimische Kassamarkt für Brotweizen wird weiterhin als sehr ruhig geschildert. Die Notierungen für Premium- und Qualitätsweizen an der Wiener Produktenbörse zeigten am Mittwoch dieser Woche mit 184 bis 188 Euro/t für Premiumware und 176 bis 180 Euro/t für den Qualitätsweizen kaum Bewegung zur Letztnotierung vor 14 Tagen. Weiter befestigen auf 195 bis 197 Euro/t konnte sich dagegen inländischer Mahlroggen, die Importpreise CPT Niederösterreich befestigten sich - dennoch aber mit Respektabstand - ebenfalls auf 182 Euro/t.

Mit etwas Unverständnis und als mehr als 10 Euro/t unter marktüblichem Niveau nahmen Branchenteilnehmer die Notierung für inländischen Durum von 211 Euro/t auf - zumal Hartweizeneinfuhren aus der EU CPT Niederösterreich mit 215 Euro/t bewertet wurden. Als zurzeit am aktivsten gilt der Maismarkt. Demnach soll Agrana den Erzeugerpreis für Nassmais (alle Angaben frei Werk, netto und auf Basis 30% Feuchtigkeit) für die auslaufende Kampagne in der kommenden Kalenderwoche 46 nochmals und zwar mit 110 Euro/t auf das gleiche Niveau der unveränderten Gebote von Jungbunzlauer anheben. Frei Rübenplatz zahlt Agrana 105 Euro/t. Auch Händler sollen zuletzt ihre Preisgebote an Erzeuger regional verschieden (je nach Transportkosten zu den Werken) auf 98 bis 105 Euro/t verbessert haben. Da die Verarbeiter nun auch schon Folgekäufe an Trockenmais tätigten, habe dies den heimischen Markt nun letztlich doch in Schwung gebracht. Die Wiener Börse notierte am Mittwoch Futtermais neuer Ernte mit 155 Euro/t.

Russland billigster Bieter in Ägypten - auch Äthiopien kauf am Schwarzen Meer

Für Anbieter aus der EU platzten in den letzten Tagen zwei Hoffnungen auf frische Weizenexportgeschäfte. Russland war mit Angeboten ab umgerechnet 167,93 Euro/t fob billigster Anbieter in Ägypten, wozu noch Transportkosten von etwa 13,50 USD (11,61 Euro) für die Verschiffung kommen sollen. Damit bleibt den Russen auf fob-Basis ein Preisvorteil gegenüber westeuropäischen Anbietern, die höhere Transportkosten nach Ägypten zu kalkulieren hätten. Der aggressive Billigpreis wird auch mit wachsendem Vertrauen russischer Exporteure in die ägyptischen Zollbehörden erklärt, nachdem diese einheitliche Richtlinien für die Abfertigung und Phytosanitärkontrollen von Weizeneinfuhren angekündigt hatten.

Ein Weizentender Äthiopiens über 400.000 t soll ebenfalls von Lieferanten am Schwarzen Meer bedient werden.

Den Europäern blieben nun die Hoffnungen auf eine weitere Ausschreibung Äthiopiens über 200.000 t Weizen sowie neue eröffnete Tender Algeriens und Tunesiens.

Indien verdoppelte dieser Tage seine Importsteuer auf Weizen auf 20%, um seinen eigenen Landwirten Produktionsanreize zu setzen. Dies könnte wiederum ausgedehnte Lieferungen aus der Ukraine betreffen. Am Subkontinent steigt die Nachfrage signifikant, zudem ließ eine schlechte Weizenernte in der vorigen Saison 2016/17 den Importbedarf von zuvor 470.000 t auf 5,75 Mio. t emporschnellen. 2017/18 beziffert das US-Landwirtschaftsministerium bei einem Anstieg der Eigenproduktion auf den Rekord von 98 Mio. t den Importbedarf Indiens mit 3,5 Mio. t Weizen. Die Lager sind mit 23,9 Mio. t ebenfalls gut gefüllt.

USDA hebt globale Maisernte an - Lageraufbau in USA

In seinem November-Bericht WASDE zu den weltweiten Versorgungsbilanzen hebt das US-Landwirtschaftsministerium USDA die weltweite Maisernte um 5 Mio. t an, woraus sich letztlich in der Bilanz der Lagerabbau um mehr als 3 Mio. t auf knapp 23 Mio. t reduziert. Ein Produktionsplus sieht der Report vor allem in den USA, wo er die Ernte gegenüber Oktober um fast 8 Mio. t und die Endlager auf 63 Mio. t anhebt. Dies wäre ein seit den späten 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht erreichter Höchststand. Die Maisernte der EU revidiert das USDA mit 59,59 Mio. t im Monatsabstand um 200.000 t nach oben, auch das reicht aber nicht, den Verbrauch von 74 Mio. t zu decken, sodass die Union 16 Mio. t Mais vom Weltmarkt einführen muss.

In der globalen Weizenbilanz nimmt der WASDE-Report die Endlagererwartung sogar leicht zurück. Die Ernte der EU hebt er eine Spur auf 151,5 Mio. t an, Verbrauch und Export werden unverändert bei 128,25 beziehungsweise 28,5 Mio. t belassen, woraus sich eine leicht erhöhte Endlagerprognose von 11,7 Mio. t errechnet. Mit einem Anteil der Lager am Verbrauch von gut 9% bleibt die Weizenbilanz der EU im Gegensatz zu weltweit mehr als 36% eng. Russlands Rekordweizenernte wird nunmehr auf 83 Mio. t angehoben und die Ausfuhr auf 33 Mio. t, womit die Nummer eins in Ranking der Exporteure zementiert wird.

Bei den Ölsaaten steigen die Schätzungen für Produktion, Angebot und Verbrauch sowie letztlich Endbestände ebenfalls etwas. Vor allem die Sojabohnenproduktion Brasiliens wird im Report auf 108 Mio. t angehoben - ebenso wie die Importe Chinas um 2 Mio. t auf 97 Mio. t. Diese Menge entspricht fast zwei Dritteln des weltweiten Handelsvolumens von 152 Mio. t mit Bohnen oder rund 28% der globalen Erzeugung von 349 Mio. t.

Die internationalen Terminmärkte reagierten auf den Report bei Mais und Sojabohnen vorerst bearish und beim Weizen halbwegs neutral - zumal auch der Weizenexport aus den USA zuletzt gut gelaufen sein soll.