Attraktive Einlagerungspreise

Die Preise für Düngemittel sind derzeit (Stand 18. August 2016) niedrig wie schon lange nicht mehr. Die Lagerhaus-Experten empfehlen daher, zumindest einen Teil des Bedarfs für das Frühjahr schon jetzt zu kaufen.

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© RWA
Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse – vor allem Getreide und Mais – sind seit der Ernte 2015 eingebrochen. Trotzdem waren die Düngemittelpreise im abgelaufenen Wirtschaftsjahr unverändert hoch. Da sich auch die Energiepreise auf einem sehr niedrigen Niveau bewegten, sorgte das für Unverständnis bei den Landwirten – nicht nur in Österreich. Weltweite Einsparungen, vor allem beim Einsatz von Phosphat und Kali, waren die Folge. Dieser Nachfragerückgang führte zu Druck auf die Preise. Besonders Harnstoff, Diammoniumphosphat und 60er Kali waren davon betroffen. Für das Düngerjahr 2016/17 wurden nun alle Preise den Rahmenbedingungen angepasst und bescheren uns ein Niveau, wie wir es schon lange nicht mehr gesehen haben.

Die Marktlage bei Stickstoffdüngern

Der Einlagerungspreis für Kalkammonsalpeter (KAS/NAC) im Juli 2016 lag um ca. 75 € / t bzw. um ein Drittel unter dem Preis zum selben Zeitpunkt des letzten Jahres. Wenn man die Haupteinflussfaktoren auf den KAS-Preis etwas näher betrachtet, ist der Grund dafür schnell erklärt:
  • Energie ist mit einem Anteil von fast 80 % der Kostentreiber in der Produktion. Die Erdöl und Erdgasnotierungen erreichten Anfang 2016 ein historisches 10-Jahres-Tief. Trotz Erholung in den letzten Monaten sind sie immer noch deutlich tiefer als die Jahre zuvor.
  • Harnstoff ist das Stickstoffleitprodukt (fast 60 % des weltweit eingesetzten Stickstoffs werden in Form von Harnstoff ausgebracht) und ist als „Konkurrenzprodukt“ zu KAS zu sehen. Seit 2014 gehen die Harnstoffpreise, mit kurzfristigen Ausnahmen, zurück (siehe Abb.). Von über 400 US-Dollar im Jänner 2014 auf deutlich unter 200 US-Dollar fob Ägypten/Schwarzes Meer. Weltweit geringere Nachfrage, neue Produktionskapazitäten und fallende Energiepreise sind dafür verantwortlich. Diese Preise liegen sogar unter den Notierungen nach der Wirtschaftskrise 2008. Der seit Mitte 2014 immer stärker gewordene US-Dollar hat für den Euroraum jedoch einen Teil des Preisrückganges kompensiert.
  • Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse (Weizen, Mais, Raps) sind seit Sommer 2015 mit kurzfristigen Gegenbewegungen gefallen. Ein deutlicher Anstieg ist aus aktueller Sicht unwahrscheinlich. Experten der FAO und der OECD rechnen in den nächsten Jahren mit stabilen Preisen für Agrar-Rohstoffe.
  • Die KAS-Lagerstände der Industrie waren Juni/ Juli sehr hoch. Der Grund: Ein schleppender KAS-Absatz im Frühjahr bedingt durch deutlich günstigere Harnstoffpreise. Teilweise musste mangels Lagermöglichkeit die Produktion gedrosselt bzw. sogar gestoppt werden. Die Bereitschaft der Industrie zu Saisonbeginn war sehr groß, mit einem „attraktiven“ KAS-Preis endlich wieder nennenswerte Mengen zu bewegen.
Somit sind die niedrigen Energiekosten, historisch niedrige Harnstoffpreise, niedrige Erzeugnispreise und hohe KAS-Lagerstände der Industrie zu Einlagerungsbeginn für die sehr günstigen Kalkammonsalpeterpreise verantwortlich. Die weitere Preisentwicklung ist sehr stark vom Verlauf der internationalen Harnstoffpreise und vom Dollar-Wechselkurs abhängig. Beim Harnstoff ist die Luft nach unten bereits sehr dünn, das Potenzial nach oben bedeutend größer. Sollte die USA tatsächlich die Leitzinsen gegen Jahresende erhöhen, müsste das den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken. Darüber hinaus sollte die bei diesem Preisniveau große Nachfrage der Landwirtschaft nach KAS in den nächsten Monaten zu Preiserhöhungen führen.
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© Argus FMB Nitrogen

Phosphor-Preise: Stabil nach Sinkflug

Die Preise für Phosphatdünger gehen ebenfalls seit mehr als 2 Jahren leicht, aber stetig zurück. Die Preise für Diammoniumphosphat (DAP) sind in diesem Zeitraum um ca. 180 Dollar gefallen. Der Grund: Mangelnde Nachfrage in den großen Verbrauchermärkten Asien und Südamerika. Der im selben Zeitraum immer stärker gewordene US-Dollar hat jedoch für Europa einen Teil dieser Preisreduktion kompensiert. In den letzten Wochen haben die Preise an Stabilität gewonnen. Starke regionale Nachfrage am russischen Markt, ein begrenztes Angebot aus China und wieder einsetzende Kaufbereitschaft in Brasilien, Indien und Pakistan sind dafür verantwortlich.

Kali: Preisrückgang im Frühjahr

Nach einer deutlichen Preisreduktion im Herbst 2013 gab es bei den Kali-Preisen in Europa seit diesem Zeitpunkt nur geringfügige Schwankungen. Ende letzten Jahres kamen jedoch die Notierungen mangels entsprechender Nachfrage und dadurch bedingten verstärkten Wettbewerb gehörig unter Druck. Im Frühjahr 2016 wurden auch für Europa bei allen Kaliprodukten die Preise dem internationalen Niveau angepasst. Die in der neuen Düngersaison deutlich unter dem Niveau der letzten Jahre liegenden Preise für Einzelnährstoffdünger führen naturgemäß auch zu stark reduzierten Preisen bei den Mehrnährstoffdüngern.

DI Andreas Hochgerner, RWA, Leiter Abteilung Düngemittel empfiehlt:

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© RWA
Die heurige Düngersaison hat mit Preisen begonnen, die wir schon sehr lange nicht mehr gehabt haben. Die große Nachfrage der Landwirtschaft erlaubt es der Düngemittelindustrie, besonders bei Kalkammonsalpeter, aber auch bei den Mehrnährstoffdüngemitteln in den ersten Monaten Preissteigerungen am Markt durchzusetzen. Aus diesem Grund kann durchaus empfohlen werden, soweit nicht bereits geschehen, zumindest einen Teil des Frühjahresbedarfs an Düngemitteln schon jetzt zu kaufen. Bei den aktuellen Phosphat- und Kalipreisen wäre es auch an der Zeit, der in den letzten Jahren vernachlässigten Grunddüngung wieder mehr Augenmerk zu schenken und die Vorräte des Bodens wieder aufzubessern. Nutzen Sie die Dienstleistung der automatischen Bodenprobenziehung Ihres Lagerhauses. Nur durch eine Bodenuntersuchung erlangen Sie Kenntnis über den tatsächlichen Versorgungszustand des Bodens und können mit gezielter Nährstoffzufuhr das Ertragspotenzial besser ausnutzen und gleichzeitig die Pflanzen „resistenter“ gegen Wetterextreme machen.
Autor:
DI Andreas Hochgerner, RWA