Mutterlose Kitzaufzucht und Lämmeraufzucht managen

Die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes mit Milchschafhaltung und Milchziegenhaltung erfordert ein optimales Herdenmanagement und Fütterungsmanagement.

Im Vordergrund bei der Lämmerzucht stehen hohe Fruchtbarkeits-, Aufzucht- und Milchleistungen und eine stabile Tiergesundheit bei angepasstem Einsatz hochwertiger Futtermittel.

Mutterlose Aufzucht mit Milchaustauscher

Möglichst viel verkaufsfähige Milch zu produzieren ist das vorrangige Ziel für den einzelnen Betrieb, jedoch stellt sich auch jedes Jahr die Frage, wie die anfallenden Lämmer wirtschaftlich und effizient aufgezogen werden können. Die mutterlose Aufzucht mit Milchaustauscher ist meist die Methode der Wahl. Einen kurzen Überblick, was Sie dabei beachten sollten, finden Sie hier.

Optimale Versorgung während der Trächtigkeit hat einen wesentlichen Einfluss auf die Ablammergebnisse

Die bedarfsgerechte Fütterung von Muttertieren in den einzelnen Leistungsphasen nimmt eine zentrale Rolle in der Produktion ein. Sowohl eine Unterversorgung als auch Überversorgung gilt es zu vermeiden, und die Körperkondition der Tiere sollte daher ständig beobachtet werden. Körperreserven, die während der Laktation abgebaut wurden, müssen bis zum Zeitpunkt der Belegung aufgebaut werden. Die Tiere sollten sich bereits wieder in einer positiven Energiebilanz befinden.

Eine Verfettung der Muttertiere oder eine Unterversorgung mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen wirken sich in den ersten Trächtigkeitswochen negativ auf das Plazentawachstum aus und mindern die embryonale Überlebensrate. Sinkt die Anzahl aufgezogener Lämmer je Muttertier von 2 auf 1,5, halbiert sich in etwa der erreichbare Deckungsbeitrag.

Im letzten Trächtigkeitsmonat verringert sich die Futteraufnahme von voluminösem Grundfutter durch den hohen Platzbedarf der Föten. Die ausreichende Energieversorgung und Nährstoffversorgung in dieser Zeit ist wichtig für die optimale Entwicklung der Lämmer und des Euters. Die zusätzliche Gabe von 0,2 - 0,4 kg Kraftfutter pro Tier und Tag ist daher empfehlenswert. Mangelhafte Ernährung in der Hochträchtigkeit kann zu starkem Körpersubstanzabbau und damit verbundener Trächtigkeitstoxikose führen, die Milchleistung in der folgenden Laktation ist verringert.

Süß, sauer, warm oder kalt und vor allem wie viel und wie oft?

Nach der Geburt muss innerhalb der ersten 4 Stunden die Kolostrumaufnahme (Biestmilch) sichergestellt werden. Ein Vorrat an tiefgefrorener Biestmilch (300 ml pro Portion) von eutergesunden Tieren aus dem eigenen Bestand sollte für den Notfall vorhanden sein. Eine Gabe von 30 - 40 ml Kolostrum pro Kilogramm Körpergewicht je Gabe ist zu empfehlen.

Ab dem 2. - 3. Lebenstag werden die Lämmer von der Mutter abgesetzt und langsam auf Milchaustauschfutter umgestellt, wobei die enzymatische Verdauung der veränderten Milchzusammensetzung 3 - 4 Tage Zeit benötigt um sich anzupassen. Als Aufzuchtmethode kommen, je nach Möglichkeiten (BIO- Richtlinien beachten!) und Bezugsquellen am Betrieb, Milchaustauscher oder Kuhmilch (bei Ziegen) in Frage. Bei Milchaustauschfutter sind hohe Anteile an Magermilchpulver und einwandfreie Qualität entscheidende Kriterien. Lactose und Monosaccharide sollten die einzigen Kohlehydratquellen sein. Die Milch kann warm (35 - 39° C) oder kalt getränkt werden, wobei bei der Zubereitung einer Kalttränke eine Ansäuerung erfolgen muss.

Bei der Verwendung von Milchaustauscher (MAT) sollte die angegebene Konzentration der Tränke eingehalten werden. Die Einsatzempfehlung variiert von 130 - 200 g Milchaustauschpulver je Liter Wasser, wobei die Anrührtemperatur von 45 - 55°C zum vollständigen Lösen des MAT, auch bei anschließender Kalttränke, erforderlich ist. Im Durchschnitt wird für ein Kilogramm Zunahme an Lebendgewicht bei Ziegenkitzen eine MAT-Menge von ca. 1,3 kg bzw. 11 kg Tränke benötigt (beim Einsatz von 130 g MAT je Liter Wasser).

Tränkemenge und Tränkehäufigkeit variieren je nach Betrieb. Für die Verabreichung der Tränke bieten sich verschiedene technische Einrichtungen an. Bei geringer Tierzahl sind Tränkeeimer mit Saugern ideal. Bei größeren Beständen haben sich in der Praxis, aus arbeitswirtschaftlichen Gründen, Rinnentränken sowie Halb- und Vollautomaten durchgesetzt.

Bei rationierter Fütterung wird die Milchmenge nur langsam gesteigert, empfohlen sind 3 - 4 Mahlzeiten in der 1. Lebenswoche (ca. 0,8 l) und 2 - 3 Mahlzeiten ab dem 7. Lebenstag und eine Steigerung der verabreichten Milchmenge auf ca. 3 Liter.
Tränkeautomaten entsprechen den physiologischen Bedingungen am besten, da sie viele kleine Mahlzeiten ermöglichen und dadurch Blähungen verringern. © Urban
Der natürliche Saugreflex wird befriedigt und der Schlundrinnenreflex ausgelöst, dadurch wird das schluckweise „Fressen“ der Milch und somit die Gefahr von Durchfällen durch sogenanntes Pansentrinken verhindert. Jedoch muss darauf geachtet werden, dass die Tränke nie leer wird. Ansonsten ist die Gefahr des Überfressens bei Neuangebot sehr hoch und Verdauungsstörungen wären die Folge.
Die zusätzliche Ausstattung mit einer tierindividuellen Erkennung mittels Transponder ist zwar mit Investitionskosten verbunden, ermöglicht aber, den Lämmern eine definierte Milchmenge pro Tag in entsprechenden Maximalportionen zuzuteilen. © Urban
Dadurch kann der Milchverbrauch optimiert und jedes Tier einzeln, entsprechend seinem Bedarf versorgt werden.

Eine konstante Milchtemperatur, hygienisches Arbeiten und regelmäßiges Reinigen sind genauso wichtig für eine erfolgreiche Aufzucht, wie das Futter, für das Sie sich entscheiden .

Ab der 2. Lebenswoche können pelletiertes Kraftfutter mit einem Rohproteingehalt von 17 - 18 % und schmackhaftes Heu zur freien Aufnahme angeboten werden. Eine reduzierte MAT-Konzentration gegen Ende der Milchphase und die kontinuierlich abnehmende Milchmenge in der letzten Tränkewoche stimulieren zusätzlich die Festfutteraufnahme. Beim Absetzen sollten die Tiere bereits 200 - 300 g Kraftfutter pro Tag aufnehmen um einen Wachstumseinbruch zu verhindern.

Aufzuchtschema bei Frühentwöhnung mit 7 Wochen

© Garant
Autor:
DI Natascha Stolka, Garant Tiernahrung