Bayer CropScience mit 1,7% Umsatzsteigerung in schwierigem Marktumfeld 2015

Dekkers: Europa muss innovativer werden.

Leverkusen, 25. Februar 2016 (aiz.info). - Der Bayer-Konzern hat im Geschäftsjahr 2015 seinen Wachstumskurs fortgesetzt und seinen Umsatz um 2,7% (währungs- und portfoliobereinigt) auf insgesamt 46,3 Mrd. Euro gesteigert. Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) erhöhte sich um 18% auf über 10 Mrd. Euro. In der Division CropScience stieg der Umsatz im vergangenen Jahr trotz eines schwächeren Marktumfeldes um 1,7% auf 10,4 Mrd. Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 2,4% auf 2,4 Mrd. Euro, erklärte heute Vorstandsvorsitzender Marijn Dekkers bei seiner letzten Bilanz-Pressekonferenz in Leverkusen, da er mit 1. Mai 2016 als Chairman zu Unilever wechselt. Als sein Nachfolger wird Werner Baumann nachrücken, der derzeit für Strategie und Portfoliomanagement im Bayer-Konzern zuständig ist.

"In der Division CropScience sind wir stärker gewachsen als unsere wichtigsten Wettbewerber im Durchschnitt", betonte Dekkers. Ein Wachstum wurde in allen der dazugehörigen Bereiche - Crop Protection, Seeds und Environmental Science (Produkte und Dienstleistungen zur Kontrolle von Schädlingen in Heim und Garten) - verzeichnet. Regional entwickelte sich das Geschäft unterschiedlich: Während der Umsatz in Europa währungs- und portfoliobereinigt um 8,2% stieg, ging er in Nordamerika um 1,6% zurück. In der Region Lateinamerika/Afrika/Nahost konnte das Niveau des Vorjahres in etwa gehalten werden (minus 0,5%) - trotz eines schwachen Marktumfeldes, vor allem in Brasilien. In Asien/Pazifik lag der Umsatz mit einem Plus von 1,3% leicht über dem Vorjahr.

Im Pflanzenschutz (Crop Protection) standen Umsatzsteigerungen mit Fungiziden (bereinigt plus 9,5%) und Herbiziden (plus 5,4%) einem deutlichen Rückgang bei Insektiziden (minus 14,0%) gegenüber. Dieser sei im Wesentlichen auf einen geringeren Schädlingsbefall in Brasilien zurückzuführen, führte Dekkers aus. SeedGrowth (Saatgutbehandlungsmittel) verzeichnete einen Rückgang um 10,6%. Im Saatgutgeschäft (Seeds) nahm der Umsatz um 8,8% zu. Besonders gut habe sich hier das Geschäft mit Sojabohnen und Rapssaatgut entwickelt. Der Umsatz von Environmental Science erhöhte sich um 4,1%.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen von CropScience verbesserte sich um 2,4% auf 2,416 (Vorjahr 2,360) Mrd. Euro. Neben positiven Ergebniseffekten aus einer zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung mit gesteigerten Absatzmengen und leicht verbesserten Verkaufspreisen verzeichnete der Teilkonzern einen positiven Währungseffekt von rund 220 Mio. Euro. Dem standen gestiegene Herstellungskosten sowie höhere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung gegenüber, so der scheidende Vorstandsvorsitzende.

Innovation: Digitalisierung in der Landwirtschaft

Als eine seiner Innovationen möchte sich Bayer künftig verstärkt der Digitalisierung in der Landwirtschaft annehmen. "Die Entwicklung wollen wir aktiv mitgestalten und unser Angebot an digitalen Dienstleistungen für unsere Kunden weiter ausbauen", kündigte Dekkers an.

Innovativ ist das Unternehmen auch in der Genom-Editierung unterwegs, wo es erst kürzlich ein Joint Venture mit dem Unternehmen CRISPR eingegangen ist. Mit der Technologie CRISPR-Cas9 kann die DNA zielgerichtet gespalten werden. Die Methode soll auch im CropScience-Bereich zur Anwendung kommen, um das Erbgut von Pflanzen gezielt zu verändern und damit ertragreicher und widerstandsfähiger zu machen. "Das Ergebnis ist von konventioneller Züchtung praktisch nicht zu unterscheiden - aber es geht deutlich präziser und damit auch schneller", erklärte der Vorstandsvorsitzende.

Dekkers: Nicht nach Bauchgefühl handeln

Dekkers nützte auch die Gelegenheit für einige kritische Anmerkungen zum derzeitigen politischen Umfeld für Unternehmen. "Ich bin fest davon überzeugt, dass Europa innovativer werden muss", unterstrich er. Handlungsbedarf sieht er im sozio-kulturellen Umfeld, in dem über konkrete Technologien auf wissenschaftlicher Basis diskutiert werden sollte und "nicht nach dem Bauchgefühl". Außerdem favorisiert der Bayer-Chef eine Art Innovations-TÜV, der Regulierungen auf ihre Folgen für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft überprüft sowie ein Wagniskapitalgesetz, damit junge Unternehmen leichter Zugang zu Startkapital erhalten.

Verhaltener Ausblick für 2016

Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr in der Division CropScience ist eher verhalten. Der Umsatz wird auf dem Niveau des Vorjahres gesehen. Dies entspricht einer (bereinigten) Steigerung im unteren einstelligen Prozentbereich. Für das EBITDA vor Sondereinflüssen ist ebenso eine Erhöhung im unteren einstelligen Prozentbereich geplant. "Die Agrarbranche ist ein zyklisches Geschäft, das ist völlig normal. Während wir für heuer wieder ein schwaches Jahr erwarten, könnten sich die Zahlen im nächsten erfreulicher präsentieren", erklärte Liam Condon, Vorstandsmitglied von Bayer und verantwortlich für die Division CropScience.

Für den Bayer-Konzern insgesamt (inklusive Covestro) ist 2016 ein Umsatz von über 47 Mrd. Euro geplant. Dies entspricht einem Anstieg im unteren einstelligen Prozentbereich. Beim EBITDA vor Sondereinflüssen wird eine Erhöhung im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet.

Strategisch wurde der Konzern 2015 zu einem reinen Life Science-Unternehmen mit den drei Divisionen Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science ausgerichtet. Der frühere Teilkonzern MaterialScience wurde unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht.