Bioeier: Österreich startet mit Vermarktung der Legehybridhähne

Kosten für Mäster steigen. Auch höhere Preise für Bioeier im Verkauf.

Wien, 5. Oktober 2016 (aiz.info). - Österreichs Geflügelwirtschaft setzt nach dem vorzeitigen Ausstieg aus der Käfighaltung und dem Umstieg auf Biosojafütterung aus dem Donauraum nun einen weiteren Schritt im Sinne der tiergerechten Betreuung und hat gemeinsam mit den großen Bioeier-Packstellen, den Vermarktern sowie allen Lebensmitteleinzelhändlern vereinbart, männliche Küken aufzuziehen und als hochwertiges Schlachtgeflügel in Österreich zu verarbeiten sowie zu verkaufen. Für die bäuerlichen Erzeuger bedeutet das eine enorme Umstellung, zusätzliche Kosten und damit ein unkalkulierbares Risiko. "Der wirtschaftliche Erfolg hängt davon ab, ob die Verbraucher bereit sein werden, die höheren Eierpreise zu übernehmen", brachte der Obmann der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG), Anton Wieser, das Problem gestern bei einem Gespräch mit Journalisten auf den Punkt.

Aufzucht der Hähne ist kostenintensiv

Die Aufzucht und Fütterung der männlichen Geschwister der Legehennen bis zum schlachtreifen Tier ist im Vergleich zu herkömmlichen Masthühnern sehr kostenintensiv (Plus von 16 bis 18%), informierte Karlheinz Uhl von der Nest-Eier Handelsges.m.b.H. Nfg & Co KG, die die Legehybridhahn-Aufzucht umsetzt. Ein finanzieller Mehraufwand entsteht bereits durch die teureren Junghennen. Ferner werden für die Aufzucht der Hähne eigene Ställe benötigt (da die Tiere kleiner sind als ihre weiblichen Geschwister, können sie nicht gleich untergebracht werden), sie sind schlechtere Futterverwerter, was eine längere Mastzeit (neun bis zehn Wochen und damit doppelt so lange als Hühner) bedingt und erreichen schließlich auch ein niedrigeres Schlachtgewicht (im Durchschnitt 65 dag), was sich in der Vermarktung als Frischfleisch sowie in der Verarbeitungsware auswirkt. "Trotz intensiver Arbeiten befinden wir uns noch in der Übergangsphase, denn es gilt nicht nur zu klären, wo die Tiere aufgezogen werden, sondern wie man es schafft, den Markt nachhaltig zu beliefern. Klar ist aber bereits, dass im Endeffekt das Bioei damit für den Konsumenten teurer wird. Österreich ist damit wieder einmal Vorreiter, ohne Unterstützung des Handels und der Verbraucher wird dieses Projekt aber nicht funktionieren", ist auch er überzeugt.

Richtlinien für Mast soll in Lebensmittelkodex aufgenommen werden

"Wir sind uns bewusst, dass die Tötung der Junghähne nach dem Schlüpfen ein ethisches Problem darstellt, das in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Andererseits muss die wettbewerbsfähige und wirtschaftliche Vermarkung von heimischen Bioeiern auch zukünftig sichergestellt bleiben. Dazu bedarf es einheitlicher Regelungen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer zu gewährleisten. Dafür sollen entsprechende Richtlinien sorgen, für die wir die Aufnahme in den österreichischen Lebensmittelkodex beantragt haben", so Wieser. Diese regeln, dass die Hähne aus österreichischen Eiern geschlüpft sein müssen, dass es sich um männliche Brüter handelt, die Tiere Biofutter erhalten, die Mindestaufzuchtzeit 60 Tage beträgt, das Mindestgewicht 1 kg ausmacht und das Fleisch dem menschlichen Verzehr zugeführt wird.

Forschung zur Früherkennung des Geschlechtes im Brutei

Die Umsetzung des Projektes für alle Haltungsformen ist Wieser zufolge wirtschaftlich betrachtet für den heimischen Markt nicht darstellbar. Daher arbeite man gemeinsam mit deutschen Wissenschaftern intensiv an der Früherkennung des Geschlechtes der Hühner im Brutei. Bereits nächsten Sommer soll ein vollständiges Modulsystem fertiggestellt sein, bis zur Praxisreife werde es aber noch einige Jahre dauern, so der ZAG-Obmann.

Guggenberger: Schluss mit "anonymen" Eiern

Von den rund 6,5 Mio. Legehennen in Österreich sind mehr als 700.000 (11%) als Bio registriert. Lediglich 2% der Tiere sind in ausgestalteten Käfigen untergebracht. Im Vergleich dazu dominiert diese Haltungsform in der EU mit 56% (214 Mio. Legehennen), der Bioanteil beträgt hier lediglich 4,2% (14 Mio.). Aufgrund der verpflichtenden Ei-Kennzeichnung im AMA Gütesiegel-Programm gibt es in Österreich kaum ein anderes tierisches Lebensmittel, das ähnlich gut abgesichert bis zum Erzeugerbetrieb zurückverfolgt werden kann. Problematisch wird es laut Benjamin Guggenberger, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft (EZG) Frischei, bei den "anonymen" Eiern in der Verarbeitung und der Gastronomie. "Täglich werden 1 Mio. Eier aus Käfighaltung für diese beiden Bereiche nach Österreich importiert, denn offensichtlich spielt hier der Preis eine größere Rolle als Qualität und Rückverfolgbarkeit", zeigt Guggenberger auf. "Die österreichische Legehennenhaltung kann künftig nur dann weiter Vorreiter bei tierfreundlicher und nachhaltiger Erzeugung sein, wenn unsere hochwertigeren Eier und Eiprodukte auch gekauft werden. Das gelingt allerdings nur, wenn solche Lebensmittel besser und eindeutig gekennzeichnet werden", fordert Guggenberger mehr Fairness am Markt.