Bioeierproduktion: Österreich setzt weiteren Schritt zu besserer Tierhaltung

Männliche Legehennen-Kücken werden jetzt trotz Mehrkosten aufgezogen.

Wien, 25. Jänner 2016 (aiz.info). - In der österreichischen Biolegehennenhaltung wird jetzt ein weiterer Schritt im Sinne der tiergerechten Betreuung gesetzt. In einer breit angelegten Initiative der großen Bioeierpackstellen und Vermarkter wurde gemeinsam mit fast allen großen Lebensmitteleinzelhändlern vereinbart, dass männliche Kücken ab Jänner 2016 nicht mehr getötet, sondern aufgezogen und später auch als hochwertiges Schlachtgeflügel in Österreich verarbeitet und vermarktet werden. "Wir freuen uns, dass wir nun anspruchsvollen Bioeierkonsumenten dieses besondere Angebot machen zu können. Wir müssen aber abwarten, ob sich die aus diesem Projekt ergebenden Mehrkosten pro Ei auch am Markt umsetzen lassen. Nur dann hat dieses Projekt mittelfristig und langfristig eine Chance am Markt", erklärt Franz Kirchweger, Obmann der Österreichischen Frischeier Erzeugergemeinschaft.

In der Biolegehennenhaltung gelten in Österreich höchste Standards. Die Tiere erhalten nicht nur gentechnikfreies Biofutter, sie haben auch besonders viel Auslauf, um ihr artgerechtes Verhalten noch besser ausleben zu können. Strenge Kontrollen garantieren die Einhaltung der Bestimmungen. Eier aus der Biohaltung sind auch die beliebtesten Bioprodukte Österreichs.

Sehr kostenintensive Aufzucht

Die männlichen Geschwister der Legehennen legen bekanntlich keine Eier. Ihre Aufzucht und Fütterung bis zum schlachtreifen Tier ist im Vergleich zu herkömmlichen Masthühnern sehr kostenintensiv. Mehrkosten entstehen durch die teureren Junghennen und die schlechtere Futterverwertung. Vonseiten der Konsumenten gab es bisher keine oder nur eine sehr geringe Nachfrage nach solchen Junghähnen. Andererseits haben Zoos und Greifvogelstationen großen Bedarf an Futtertieren.

Vertreter der Geflügelwirtschaft arbeiten gemeinsam mit der Wissenschaft in Deutschland bereits intensiv an der Früherkennung des Geschlechtes der Hühner im Brutei. Es dürfte allerdings noch einige Jahre dauern bis eine der verschiedenen untersuchten Methoden auch praxisreif geworden ist.

Bei der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) ist man sich dessen bewusst, dass die Tötung der Junghähne nach dem Schlüpfen ein ethisches Problem darstellt, das in der Öffentlichkeit auch entsprechend diskutiert wird. Andererseits muss die wettbewerbsfähige und wirtschaftliche Vermarkung von Bioeiern aus Österreich auch zukünftig sichergestellt bleiben.

Konsumenten haben das Recht auf ehrliche Kennzeichnung

Auf Grund der verpflichtenden Eikennzeichnung im AMA Gütesiegel Programm gibt es in Österreich kaum ein anderes tierisches Lebensmittel, das ähnlich gut abgesichert bis zum Erzeugerbetrieb zurückverfolgt werden kann. Allerdings wird jedes zweite im Inland produzierte Ei im Bereich der Gastronomie und der Lebensmittelverarbeitung weitgehend anonym verwendet. In diesem Segment ist den Verarbeitern ein niedriger Einkaufspreis besonders wichtig. Obwohl in Österreich die Haltung von Legehennen in der konventionellen Käfighaltung seit 2009 verboten ist, dürfen Eiprodukte aus dieser Haltungsform - ohne besondere Kennzeichnung - verwendet und verarbeitet werden.

"Die österreichische Legehennenhaltung kann nur dann in Zukunft weiter Vorreiter bei tierfreundlicher und nachhaltiger Erzeugung sein, wenn unsere hochwertigeren Eier und Eiprodukte auch gekauft werden. Das gelingt nur, wenn solche Lebensmittel besser und eindeutig gekennzeichnet werden", gibt ZAG-Obmann Robert Wieser zu bedenken. "Unsere Konsumenten haben ein Recht auf ehrliche und transparente Information über die innere Qualität von Lebensmitteln, ganz besonders bei hochwertigen tierischen Lebensmitteln wie Eiern", spricht sich der Obmann für mehr Fairness am Markt aus.