Bodenschutz: Hochwertige Agrarflächen in Zukunft erhalten

Agrarspitze in OÖ plädiert für Maßnahmen gegen den Bodenverbrauch

Linz, 6. September 2017 (aiz.info). - Der Druck auf den Boden wird zunehmend höher. Die Fakten legen nahe, dass es ein gemeinsames Umdenken und abgestimmtes Handeln braucht, betonten der oberösterreichische Agrarlandesrat Max Hiegelsberger, der Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, Franz Reisecker, sowie der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Denn täglich verliert Österreich über 20 ha Boden, das entspricht in etwa der Fläche eines durchschnittlichen Bauernhofes. Schreibt man diese Entwicklung fort, wäre das österreichische Ackerland in etwa 200 Jahren völlig verbaut. "Es ist dringend erforderlich dem Verbrauch landwirtschaftlich genutzter Flächen durch geeignete und nachhaltige Maßnahmen zu begegnen", so Hiegelsberger, der landwirtschaftliche Böden als Basis für die, in Zukunft noch vielfältigeren, Nutzungsansprüche unserer Gesellschaft sieht.

"Obwohl die Qualität der Böden, laut Untersuchungsergebnis der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit AGES, ausgezeichnet ist, müssen auch wir als Bäuerinnen und Bauern aufpassen den Boden in der Bewirtschaftung nicht zu überfordern. Ein Thema sind dabei immer schwerer werdende Bearbeitungs- und Erntegeräte, die unsere Böden beanspruchen. Es gibt also viel zu tun, wenn wir diese Ressource auch für Folgegenerationen bewahren wollen", bezieht Reisecker Stellung. Vor allem beim Thema Bodennutzung brauche es dringend eine Richtungsänderung. "Dieses Problem muss in der Raumordnung mehr Gewicht bekommen. Infrastruktur-Projekte müssen dahingehend überprüft werden, ob diese nicht auch mit weniger Bodenverbrauch abgewickelt werden können", fordert Reisecker.

Siedlungserweiterungen bedeuten Verlust besonders ertragreicher Böden

In der Regel verursachen Siedlungserweiterungen den Verlust besonders ertragreicher Böden, da - historisch bedingt - Siedlungen dort angelegt wurden, wo die Böden gut sind. Seit 1980 ist die Gesamtfläche des bewirtschafteten Ackerlandes um 8% gesunken. Der Siedlungsflächenbedarf pro Einwohner hat sich in Österreich seit den 1950er-Jahren dramatisch erhöht. Hatte jeder Einwohner in Österreich 1950 einen Flächenbedarf von 374 m2, so waren es im Jahr 2010 bereit 537 m2. Diese Zunahme entspricht einem Anstieg von über 150%, informierten Reisecker und Hiegelsberger.

Der Thematik Flächenrecycling und Nachnutzung kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. "Täglich fallen rund 3 ha ehemals genutzte Gewerbe- und Industrieflächen brach. Das heißt, dass diese Flächen nicht mehr für Gewerbe oder Industrie genutzt werden. Diese könnten bei konsequenter Nutzung einen Teil des Flächenbedarfs für Siedlungszwecke und Betriebsniederlassungen abdecken", so der LK OÖ-Präsident. Die zahlreichen, brachliegenden Gewerbeflächen könnten dem Umweltbundesamt zufolge, bei konsequenter Wiedernutzung den Flächenneuverbrauch um rund ein Sechstel reduzieren.

Bewusstseinsbildung bei Sachverständigen und Behörden fördern

"Es bedarf einer verstärkten Informations- und Aufklärungsarbeit bei Sachverständigen und Behörden, um bei der Interessensabwägung die Belange des Bodenschutzes stärker zu berücksichtigen. Denn die bestehenden Systeme für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind zum Nachteil des Schutzes unserer hochwertigen Agrarflächen. Regelungen für einen möglichen Ausschluss von Böden mit hohem Funktionserfüllungsgrad von solchen Ausgleichsmaßnahmen müssen unter Berücksichtigung der spezifischen Situationen erstellt werden", so Hiegelsberger.

"Uns muss bewusst sein: Die täglich in Österreich verbauten Wiesen wie auch Äcker stehen den nachfolgenden Generationen für die Produktion von Lebensmitteln und daher als unsere Lebensgrundlage nicht mehr zur Verfügung. Der sorgsame und nachhaltige Umgang mit dem Boden sowie eine vernünftige Bodennutzung sind die wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche landwirtschaftliche Produktion und andere wichtige Funktionen des Bodens wie zum Beispiel die Erhaltung des Wasserhaushalts. Wenn aber oft ökonomische Bedürfnisse vor die ökologischen gestellt werden, kann auch der Bodenschutz zu kurz kommen. Ein übermäßiger Verbrauch von landwirtschaftlich hervorragenden Flächen ist in Österreich an der Tagesordnung. Hier müssen Alternativstrategien entwickelt werden, um die vorhandenen, ungenutzten Areale bestmöglich zu adaptieren, damit die Versiegelung von wertvollen Flächen vermindert wird", so Reisecker.

Bodenschutz im Bildungsbereich integrieren

Auch die Förderung einer Aus- und Weiterbildung hinsichtlich des Bodenschutzes für Gemeindeplaner sowie Entscheidungsträger wird als zielführend angesehen. Aber auch im allgemeinen Bildungsbereich müsse der Bodenschutz und die Vielfältigkeit seiner Funktionen verstärkt berücksichtigt werden. Im oberösterreichischen agrarischen Schulwesen findet diese Thematik laut Hiegelsberger gerade im Lehrplan des kompetenzorientierten Unterrichts, der mit Beginn des Schuljahres umgesetzt wird, großen Anklang.

Kampagne der Hagelversicherung hat bereits mehr als 12.000 Unterstützer

Schließlich wurde auch zu einer breiten Beteiligung an der aktuellen Kampagne der Österreichischen Hagelversicherung "bodenlos-arbeitslos" aufgerufen. "Ergebnisse der Marktforschung zeigen, dass der größte Stolz der Österreicherinnen und Österreicher unser einzigartiger Natur- sowie Lebensraum ist. Daher haben auch bereits mehr als 12.000 Österreicherinnen und Österreicher für den Erhalt unserer Lebensgrundlage online unterschrieben", so Weinberger, Initiator der Kampagne, in einem ersten Resümee.