Borkenkäfermassenvermehrung in Österreich erwartet

BFW rät zu höchster Achtsamkeit und zu waldhygienischen Maßnahmen im Anlassfall.

Wien, 25. September 2015 (aiz.info). - Wurde 2014 noch von einer Entspannung der Borkenkäfersituation in Österreichs Wäldern berichtet, hat der extrem warme und trockene Sommer 2015 den Trend umgekehrt: Ein massiver Anstieg der Schäden durch Borkenkäfer ist festzustellen, meldet das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW). Mit der letzten Hitzeperiode im August wurden in weiten Teilen des Landes von Borkenkäfern attackierte Fichten rasch dürr und somit sichtbar. Beachtliche Dürre- und Käferschäden sind in Teilen der Steiermark, im Burgenland, in Niederösterreich, besonders im Waldviertel, sowie in Kärnten und in Oberösterreich zu erwarten oder bereits merkbar. Da viele Stangenhölzer betroffen sind und darüber hinaus viele Fichten nur im Wipfelbereich dürr sind, ist neben dem Buchdrucker (Ips typographus) von einer starken Beteiligung des Kupferstechers (Pityogenes chalcographus) am Schadgeschehen auszugehen.

Die betroffenen Regionen decken sich häufig mit Gebieten, die im Winter 2014 beziehungsweise 2014/15 von Schnee- und Eisbruchschäden betroffen waren, in denen die Fichte am Rande ihres natürlichen Vorkommens ist und die im Sommerhalbjahr 2015 von außerordentlich und anhaltend hohen Temperaturen und Niederschlagdefiziten betroffen waren. Schnee- und Eisbruch sorgten für zahlreiches Brutmaterial für Borkenkäfer, da das Schadholz nicht überall rechtzeitig entfernt worden war. So konnten viele überwinternde Käfer im Frühjahr 2015 erfolgreiche erste Bruten anlegen. Die Trockenheit ließ die Fichte unter Stress geraten und sorgte für eine Herabsetzung der Abwehrkräfte (Harz u.a.), sodass im Sommer attackierende Borkenkäfer diese leichter erfolgreich besiedeln konnten. Die warmen Temperaturen ermöglichten eine rasche Entwicklung der Käferbruten und damit die erfolgreiche Entwicklung mehrerer Generationen als in durchschnittlichen Jahren.

Rasch und konsequent Maßnahmen setzen

Für das kommende Jahr ist in den genannten Regionen laut BFW höchste Alarmbereitschaft gegeben. Waldbesitzern wird nicht nur empfohlen, ihre Bestände regelmäßig auf Befall zu kontrollieren und im Anlassfall die betroffenen Bäume rasch zu fällen sowie aus dem Bestand zu entfernen, sondern dazu besteht auch eine forstgesetzliche Verpflichtung und die Verantwortung gegenüber dem Grundnachbarn. Konsequente waldhygienische Maßnahmen sind das einzig probate Mittel, um ein weiteres Voranschreiten der Borkenkäfermassenvermehrung einzudämmen.

Schwärmen und Entwicklung der Borkenkäfer

Die Flugaktivität und Entwicklung des Buchdruckers lässt sich anhand der Fallenfänge des österreichweiten Borkenkäfermonitorings sowie der Entwicklungsmodellierung PHENIPS der Universität für Bodenkultur Wien (Phenips - Monitorierung und Risikoanalyse) rekonstruieren. Die Eckdaten der Fallenfänge des Kupferstechers stimmen mit den Buchdrucker-Schwärmperioden weitgehend überein.