Brexit-Folgen für unsere Forstwirtschaft?

Das Nein der Briten zur Europäischen Union wird auf viele Wirtschaftssektoren Auswirkungen haben. Ist der österreichische Holz- und Forstsektor eine Ausnahme? Eine Analyse von RWA-Experte DI Reinhard Pfeffer.

Großbritannien hat am 23. Juni über den Ausstieg aus der Europäischen Union abgestimmt und die Mehrheit der Briten war knapp dafür. Großbritannien ist (noch) der größte Holzimporteur der EU und verbraucht pro Jahr 8,5 Mio. m3 Schnittholz, wovon 90 % Nadelschnittholz sind. Importiert werden 5 Mio m3, davon mehr als die Hälfte aus Schweden. Weitere wichtige Lieferländer sind Lettland, Finnland, Deutschland und Russland.

Kaum heimische Holzexporte auf die Insel

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Auf dieses traditionelle Geschäft in der denkmalgeschützten Bermondsey Street wurde eine dreistöckige, mit Zink verkleidete Brettsperrholz-Konstruktion gesetzt. Im Stadtteil Hackney entsteht das größte mit Brettsperrholz gebaute Hochhaus Europas © KLHUK proHolz Austria
Der Anteil Österreichs an diesen Holzströmen in das britische Königsreich nimmt sich dagegen bescheiden aus: Nur 47.000 m3 Schnittholz wurden 2015 dorthin exportiert. Bei einem Gesamtexport von über 5 Mio. m3 ist das nicht einmal 1 %! Pessimisten meinen, wir sind dort nicht konkurrenzfähig, positivere Kaufleute meinen, dass unsere Sägeindustrie es nicht nötig hat, zu diesen Dumping preisen auf die Insel zu liefern.

Die Wettbewerbsfähigkeit für Lieferungen ist stark von den Wechselkursschwankungen des britischen Pfundes zum Euro abhängig. Im Jahresverlauf  2015 ist das britische Pfund auf über 1,40 Euro gestiegen und hat sich Anfang Juli auf einem niedrigem Niveau von 1,20 Euro eingependelt. Das bedeutet eine Preissteigerung um ca. 15 %. Allerdings verlor das britische Pfund auch gegenüber anderen Währungen (wie der Schwedenkrone) in denselben Größenordnungen. Auch im Export von Brettschichtholz und Brettsperrholz (der Sammelbegriff dafür ist Lamellenholz) spielt Großbritannien nur eine geringe Rolle. Hier liegt der Anteil, der auf die britische Insel geht, ebenfalls unter 1 %. Allerdings wurde in London 2005 der Trend zu Holzbauten entdeckt. So wurde 2014 ein 10-geschoßiges Wohnhaus in einer Holz-Hybridbauweise von einer österreichischen Holzbaufirma errichtet. Auch andere kommunale Holzbauten sind mittlerweile entstanden. Sogar die renommierte englische Zeitung „Guardian” titelte in ihrer Onlineausgabe im Juli: „Kann Brettsperrholz helfen, die Wohnungskrise in London zu lösen?“ Es bleibt zu hoffen, dass diesem Trend durch den Brexit kein Ende gesetzt wird.

Mögliche Szenarien und ihre Auswirkungen

Eine direkte Auswirkung wird durch den wahrscheinlichen EU-Ausstieg Großbritanniens für die österreichische Forst- und Holzwirtschaft kaum zu bemerken sein. Auswirkungen werden allerdings auf indirektem Wege spürbar sein, obwohl sich die Experten dabei nicht ganz im Klaren sind: Lässt die englische Wirtschaftsleistung wirklich um bis zu 15 % nach, wird auch weniger Holz verbraucht. Holzexporteure werden sich andere Abnehmerländer suchen, was auch Konkurrenz für Österreich bedeuten wird. Falls generell die Wirtschaftsleistung in Europa durch den Brexit nachlassen sollte, trifft es zuerst oft die Bau- und damit die Holzwirtschaft Europas. Aber auch einen Vorteil könnte es geben: Durch die Schwäche des Euro zum US-Dollar werden sich die Erlöse für Schnittholzlieferungen in die USA erhöhen, allerdings ist hier ein langfristiger Effekt eher nicht zu erwarten.

Einige österreichische Firmen mit Holzbezug haben Niederlassungen in Großbritannien: So zum Beispiel produziert der Faserhersteller Lenzing an der Ostküste in Grimsby und der Tiroler Holzwerkstoffhersteller Egger betreibt gleich 2 Werke im Norden und Nordosten der Insel. Ob sich hier die Auswirkungen auf die Muttergesellschaften in Österreich durchschlagen, bleibt abzuwarten.

Kaum Effekte auf heimischen Rundholzpreis

Wirkt sich der Brexit auch auf den Rundholzpreis und damit auch auf den Waldbesitzer in Österreich aus? Wahrscheinlich ist ein direkter Einfluss auf den Rundholzpreis in Österreich nicht feststellbar, dieser hängt von vielen Faktoren ab. Förderlich ist ein Sinken der Wirtschaftsleistung in Europa – sei es nun durch den Brexit oder aus anderen Gründen – aber nie.

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Autor:
DI Reinhard Pfeffer, Leiter RWA-Holzabteilung