Brexit wird agrarischen Außenhandel Österreichs nur begrenzt beeinflussen

Exporte nach Großbritannien erreichten 2015 Wert von 200 Mio. Euro.

Wien, 1. Juli 2016 (aiz.info). - Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) wird den österreichischen Agraraußenhandel nur in geringem Ausmaß beeinflussen. Insgesamt wurden im Jahr 2015 Agrarprodukte und Waren der Lebensmittelindustrie im Gesamtwert von fast 200 Mio. Euro von Österreich in das Vereinigte Königreich ausgeführt, das waren 2,6% der gesamten Agrarausfuhren in EU-Mitgliedstaaten. Die Einfuhren wiesen einen Wert von knapp 120 Mio. Euro (Anteil: 1,3%) auf, wie aus aktuellen Zahlen der Agrarmarkt Austria hervorgeht. Für einzelne Unternehmen hat der britische Markt aber eine relativ große Bedeutung.

Der gesamte Agrar- und Lebensmittel-Außenhandel Österreichs belief sich 2015 im Export auf 10 Mrd. Euro und beim Import auf knapp 11 Mrd. Euro. Somit entfielen 2% der ausgeführten Waren sowie 1% der Importe in diesem Bereich auf den Handel zwischen Österreich und dem Vereinigten Königreich.

Getreidehandel mit Briten hat geringe Bedeutung

Österreich lieferte im Jahr 2015 rund 350 t Getreide inklusive Saatgut im Wert von 1,5 Mio. Euro in das Vereinigte Königreich. Das waren 0,03% der gesamten Exportmengen in alle 28 EU-Länder. Zugleich importierte die Alpenrepublik von dort 550 t Getreide und Saatgut mit einem Wert von 340.000 Euro (Importanteil: 0,03%). Daraus ergab sich bei Getreide zwischen Österreich und Großbritannien ein positiver Außenhandelssaldo von gut 1,1 Mio. Euro.

Zudem exportierte Österreich in das britische Königreich 1.600 t Müllerei-Erzeugnisse im Wert von rund 1,6 Mio. Euro. Der Ölsaatenexport umfasste 2.400 t mit einem Wert von 2,1 Mio. Euro. Weiters wurden 9.500 t Zubereitungen aus Getreidemehlen im Wert von 32,5 Mio. Euro Richtung London geliefert.

Schaffleisch von der britischen Insel

Österreich exportierte 2015 Fleisch und genießbare Schlachtnebenerzeugnisse im Wert von 11,9 Mio. Euro in das Vereinigte Königreich. Das waren 1,3% der Fleischexporte in die gesamte EU (922 Mio. Euro). Bei Rindfleisch gingen 2% der innergemeinschaftlichen Ausfuhren nach England, Wales, Schottland und Nordirland, das waren wertmäßig 7,9 Mio. Euro von insgesamt 403 Mio. Euro.

Die Fleischimporte aus allen EU-Ländern wiesen einen Wert von 829 Mio. Euro auf, davon entfielen 6,7 Mio. Euro auf das Vereinigte Königreich. Schaffleisch hatte dabei mit 5 Mio. Euro den größten Anteil. Österreich bezog bei dieser Fleischsorte 39% der innergemeinschaftlichen Einfuhren beziehungsweise 27% der gesamten Importe aus dem austrittswilligen Mitgliedsland.

Würste und andere Fleischzubereitungen lieferte Österreich 2015 im Wert von 343 Mio. Euro an andere EU-Länder, wovon 9,9 Mio. Euro oder 2,9% auf Großbritannien entfielen. Die Importe in dieser Warengruppe schlugen insgesamt mit 219 Mio. Euro zu Buche, davon werden 1,3 Mio. Euro (0,6%) den Briten zugerechnet.

Bei lebenden Tieren erreichten die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich einen Wert von 659.000 Euro, es handelte sich hierbei nur um Rinder. Die Importe (nur Schweine und Hausgeflügel) beliefen sich auf 384.000 Euro, das waren 0,7% beziehungsweise 0,2% des Handelsvolumens mit der gesamten EU.

Obst und Gemüse: Geringer Marktanteil

Im Bereich Obst und Gemüse lieferte die Alpenrepublik im vergangenen Jahr Waren im Wert von 352 Mio. Euro in die EU. Die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich erreichten wertmäßig knapp 7 Mio. Euro, das entsprach einem Marktanteil von 2%. Die Versendungen von Obst- und Gemüsesäften in die EU machten 173 Mio. Euro aus, wovon die Briten Waren im Wert von 4,5 Mio. importierten (Anteil: 2,6%).

Die Einfuhren von britischem Obst und Gemüse nach Österreich erreichten 2015 einen Wert von 1,8 Mio. Euro und bei Frucht- und Gemüsesäften 194.000 Euro. Damit entsprachen diese beiden Positionen einem Anteil von 0,2% beziehungsweise 0,1% an den gesamten Einfuhren dieser Warengruppe aus dem EU-Raum.

Exporte von Milchprodukten machten 14 Mio. Euro aus

Weiters wurden im vergangenen Jahr Milchprodukte im Wert von knapp 14 Mio. Euro nach Großbritannien geliefert. Mengenmäßig bedeutete dies im Vergleich zu den gesamten EU-Exporten dieser Kategorie einen Anteil von 0,3%. Bei den Importen von Molkereiprodukten lag der britische Anteil ebenfalls bei 0,3%. Insgesamt wurden hier Waren im Wert von 3,8 Mio. Euro eingeführt. Sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen war Käse das meistgehandelte Produkt.

Darüber hinaus wurden von Österreich 26.000 t an Zuckerwaren in den gesamten EU-Raum verbracht, davon entfielen 1.300 t (5%) im Wert von 2,8 Mio. Euro (4,4%) auf das Vereinigte Königreich. Die Einfuhren hatten im Gegenzug einen Wert von 3 Mio. Euro (2,9%). Die Ausfuhren von Schokolade nach Großbritannien betrugen 4,4 Mio. Euro (Anteil: 1,3%). Auch Getränke (Mineralwasser, Bier, Wein usw.) mit einem Handelswert von fast 50 Mio. Euro fanden ihren Weg von Österreich auf die britische Insel.