COPA-COGECA schätzen EU-Getreideernte 2015 um 8% kleiner als 2014

Wegen Neonic-Verbot um 7% weniger Raps - Sorge wegen Futuresmarkt-Regulierung.

Wien/Brüssel, 16. März 2015 (aiz.info). - Die EU-Landwirte- und Genossenschaftsverbände COPA und COGECA schätzen die kommende Getreideernte 2015 der EU mit knapp 294 Mio. t um 8% kleiner als im Vorjahr (2014: 319 Mio. t) und bei den Ölsaaten - vor allem wegen des Verbots der Saatgutbeize mit Neonicotinoiden - die von Raps mit fast 22 Mio. t um 7% (2014: 23,6 Mio. t) unter dem Vorjahresergebnis (die Prognosen für Getreide und Ölsaaten stehen unten zum Download bereit) ein.

Das Minus in der Getreideproduktion führen die Verbände vor allem darauf zurück, dass die europäischen Landwirte die Anbauflächen zur kommenden Ernte um 3,6% einschränken, weil sie wegen der Greening-Vorschriften in der neuen gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf Nummer sicher gehen wollen, keine Direktzahlungen zu verlieren. Aber auch die Hektarerträge sollen um 4,5% hinter denen des Rekordjahres 2014 zurück blieben. Die Ölsaatenerträge insgesamt dürften nur um 4,4% abnehmen, da die Landwirte in der Union auch heuer wieder vermehrt Sojabohnen (Anbaufläche: plus 13,5%, Produktion: plus 8,6%) anbauen. Besorgt zeigen sich COPA-COGECA in einer begleitenden Aussendung über die neue Regulierung der Futuresmärkte in der EU (MiFID). Diese behandle nämlich Landwirte und Genossenschaften, die aber Wirtschaftsteilnehmer seien, ihre Waren physisch lieferten und an den Futuresmärkten nur deren Preise absicherten, genauso ein wie Finanzakteure. COPA-COGECA verlangen dazu eine präzisere Fassung der Regelung.

Weizenanbau leicht im Rückgang - deutlich weniger Gerstenfläche

Wenngleich die Rekorderntemengen des Jahres 2014 mit der neuen Ernte verfehlt würden, zeichnet sich in der EU eine neuerlich komfortable Getreideversorgung ab. An Weichweizen erwartet die Prognose 138,4 Mio. t nach 148,1 Mio. t. Das ist ein Minus von 6,5%, wobei die Anbaufläche um 2,9% reduziert wird und die Erträge um 3,7% sinken sollen. Im Plus mit 5,8% bei 7,8 Mio. t dagegen soll die Hartweizenernte liegen, vor allem weil die Landwirte wegen der attraktiven Preise aus der letzten Ernte für heuer um 3,85 mehr Ackerfläche mit Durum bestellen. Dramatisch sinken soll sowohl flächenmäßig (minus 11,7%) als auch mengenmäßig (minus 18% auf 46,7 Mio. t) die Gerstenernte, wobei sich hier in der Landwirtschaft der Trend zur Abkehr von Sommergerste - nicht zuletzt wegen Ertragsrisiken, unattraktiver Braugerstenpreise und der Zuwendung zum Sojabohnenanbau - fortsetzen dürfte. Nach dem Rekordwerte aus 2014 von 72,2 Mio. t dürften heuer auch die Maiserträge in der Union um 4,6% auf 68,9 Mio. t fallen. Hier liegt der Grund weniger in der Zurücknahme der Anbaufläche (minus 0,9%) als darin, dass die Hektarerträge den Vorjahreswert um 3,75% verfehlen sollen. Trotz einer Anbauausweitung um 13,2% sehen COPA-COGECA die Roggenernte im Sommer 2015 mit knapp 9 Mio. t um 2,2% geringer als 2014 - auch hier liegt die Ursache in schwächeren Hektarerträgen, nämlich von minus 13,6%.

Österreichs Bauern gegen den Trend: mehr Weizen- und Gerstenanbau

Ein eher azyklisches Anbauverhalten attestieren die Verbände den österreichischen Landwirten: Denn diese sollen entgegen den europäischen Trends mit 300.000 ha um 7% mehr Ackerland mit Weizen und mit 160.000 ha sogar um fast 10% mehr mit Gerste bestellen. Am signifikantesten daran scheint der vermehrte Sommer- (das heißt Brau-) Gerstenanbau mit einem Flächenzuwachs von ebenfalls 10%, Zuwächse soll es hierzulande auch bei der Durum-Aussaat (15.000 ha nach 14.000) und beim Roggen (50.000 ha nach 48.200 ha) geben. Stärker als im EU-Durchschnitt - wohl auch in dieser Kultur wegen der Saatgutbeiz-Problematik und dem Zwang zu lockerer Fruchtfolge und möglicher Weise der Preise - sollen die heimischen Bauern auch ihren Maisanbau heuer einschränken, indem sie die Fläche um 7% auf 210.000 ha verringern.

Dramatische Verluste durch Erdfloh bei Raps - Kritik an EU-Biokraftstoff-Politik

Änderungen im Anbauverhalten der europäischen Produzenten von Ölsaaten - so etwa die Zunahme der Sonnenblumenfläche um 1,7% auf 4,38 Mio. ha - erklären COPA-COGECA auch mit den neuen Fruchtfolgeregeln in der GAP. Als dramatisch bezeichnen die Landwirtevertreter den Einbruch der Rapserzeugung, davon alleine um bis zu 1 Mio. t in Deutschland. So soll Erdfloh-Befall mangels einer weiterhin möglichen Beizung des Saatgutes die Produzenten im vereinigten Königreich 40% der Rapsbestände kosten. Schließlich kritisieren die europäischen Dachverbände von Landwirten und Genossenschaften auch die Begrenzung der Beimischungsziele der EU für konventionelle Biokraftstoffe. Die Union sei im Vorjahr einmal mehr Nettoexporteur von Rapssaat gewesen und somit bestehe kein Konflikt zwischen Teller und Tank. Diese Tatsache stehe auch im Widerspruch dazu, dass die EU mit ihren ILUC-Faktoren für indirekte Landnutzung bei der Biokraftstoffproduktion ihre Bauern für eine umweltfreundliche Bestellung ihres Landes bestrafe.