Deutsche Getreideernte fällt heuer um 11% geringer aus

Hitze und Trockenheit setzen auch Mais und Zuckerrübe stark zu.

Berlin, 18. August 2015 (aiz.info). - Die seit Mai in weiten Teilen Deutschlands extrem ausgeprägte Trockenheit hat deutliche Spuren in der Landwirtschaft hinterlassen. Die Bauern dürften eine Getreideernte von nur 46,5 Mio. t eingefahren haben. Damit wird das Rekordergebnis des Vorjahres in Höhe von 52 Mio. t um 11% verfehlt. Auch die Rapsernte fällt heuer mit knapp 5 Mio. t unterdurchschnittlich aus. Dies geht aus dem abschließenden Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor, der heute in Berlin präsentiert wurde.

Große regionale Unterschiede

"Die Getreideernte fällt von Region zu Region sehr unterschiedlich aus", berichtete DBV-Präsident Joachim Rukwied. "Die durchschnittlichen Ernteergebnisse verdecken die dramatischen Probleme der Betriebe in den von der Trockenheit besonders betroffenen Regionen. So wurden in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und den östlichen Bundesländern um 15 bis 30% weniger Weizen geerntet als im Vorjahr", stellte der Präsident fest. Einzelne Betriebe hätten durchaus stärkere Ertragseinbußen zu verzeichnen. "Die Frühjahrstrockenheit hat ihre Spuren vor allem beim Winterweizen, aber auch beim Roggen und der Sommergerste hinterlassen. Die anhaltende August-Trockenheit schadet den noch im Wachstum befindlichen Kulturen wie Mais und Zuckerrüben sowie dem Grünland und dem Feldfutterbau massiv. Hier sind bereits irreparable Schäden entstanden. Große Sorge bereitet vor allem unseren Tierhaltern die Futterversorgung der Kühe und Rinder. Regelrecht verbrannte Weiden und fehlender Grasaufwuchs erfordern Futterzukäufe und zwingen dazu, die Wintervorräte vorzeitig zu verbrauchen", erläuterte Rukwied.

Winterweizen: Erträge deutlich unter dem Vorjahresniveau

Die Anbaufläche von Winterweizen wurde heuer erneut leicht um 2% auf 3,2 Mio. ha ausgedehnt, er ist damit die bestimmende Getreideart auf Deutschlands Feldern. Vor allem in der Mitte des Bundesgebiets hat diese Kultur offensichtlich stark unter der Trockenheit gelitten. So liegen die Erträge mit durchschnittlich 7,6 t pro ha um 12% unter dem Vorjahreswert. Die Erntemenge wird somit rund 24,6 Mio. t betragen und damit um 2,8 Mio. t unter dem Niveau von 2014 liegen. In Schleswig-Holstein stehen noch zwei Drittel des Weizens auf dem Halm und müssen erst gedroschen werden. Die Qualitäten fallen sehr unterschiedlich aus. Die Fallzahlen erreichen angesichts der guten Witterungsbedingungen in der Erntezeit die geforderten Werte. Die Proteingehalte fallen dagegen in einigen Regionen recht niedrig aus und können dort nur mit Preisabschlägen als Futtergetreide vermarktet werden.

Wintergerste: Ertragsminderung durch höhere Anbaufläche zum Teil kompensiert

Bei der Wintergerste überraschten die erzielten Erträge: Mit 7,3 t pro ha liegt die Ertragsleistung im Bundesschnitt knapp 6% unterhalb des Jahres 2014; der Mittelwert der vergangenen Jahre wird aber um 9% übertroffen. Ein Teil der Ertragsminderung wurde über die Ausweitung der Anbaufläche auf 1,26 Mio. ha (+2,4% gegenüber 2014) kompensiert, so dass die deutschen Bauern 2015 rund 9,2 Mio. t Wintergerste ernteten. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang um 3%.

Der Anbau von Sommergerste hat 2015 im Vergleich zu 2014 um mehr als 7% auf 371.000 ha zugenommen. Trotz dieser Ausweitung verfehlte die diesjährige Erntemenge in Höhe von knapp 2 Mio. t das Vorjahresergebnis um fast 5%. Zurückzuführen ist dies auf die deutlich geringeren Hektarerträge. Diese unterschreiten mit 5,3 t das Niveau von 2014 um mehr als 11%.

Die Roggenernte fiel in diesem Jahr mit insgesamt 3,2 Mio. t deutlich niedriger aus als im Vorjahr (-17%). Bei einer nahezu konstanten Anbaufläche von 623.100 ha beruht der Rückgang der Erntemenge um 15% vor allem auf den niedrigeren Hektarerträgen von 5,2 t. Besonders stark eingebrochen sind die Erträge in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, wo Landwirte Ertragsminderungen von mehr als 20% verzeichnen mussten.

Winterraps: Fläche und Erträge geringer

Beim Winterraps sind sowohl die Anbaufläche als auch die Erträge in allen Regionen Deutschlands in Relation zum vergangenen Jahr zurückgegangen. Mit rund 1,3 Mio. ha wurde um knapp 8% weniger Raps angebaut. Hinzu kommen um 13% niedrigere Erträge in Höhe von 3,9 t pro ha. Die diesjährige Rapsernte wird daher mit nur 5 Mio. t das Vorjahresergebnis um 1,25 Mio. t verfehlen. Ursächlich hierfür ist neben der Trockenheit das Verbot insektizider Beizmittel, wie der DBV betont.

Zustand von Mais und Zuckerrüben bereitet Sorgen

Die Trockenheit in den letzten Wochen bereitet vor allem den Landwirten mit Mais- und Zuckerrübenbeständen große Sorgen. "Beide Kulturen befinden sich noch in der Wachstumsphase und benötigen dringend Wasser, um ausreichende Erträge zu bilden. Regional lassen die Maisbestände bereits jetzt erkennen, dass selbst bei kurzfristig einsetzenden Niederschlägen keine Erholung der Kulturen zu erwarten ist. Für die Tierhalter kommt verschärfend hinzu, dass die anhaltende Trockenheit auch den Aufwuchs von Grünland regional stark verminderte und einen üblichen dritten Schnitt nicht ermöglichte", berichtete Rukwied. Um eine ausreichende Futtergrundlage für den Winter zu erhalten, sei davon auszugehen, dass einige Körnermaisbestände bereits vor der Abreife als Silomais zur Fütterung geerntet werden.

Kartoffeln: Hitzebedingt geringere Erträge - höhere Preise

Die Anbaufläche von Kartoffeln ist 2015 in der BRD um 4% auf 234.100 ha geschrumpft. Ein deutlicher Flächenrückgang konnte in Baden-Württemberg (-17,5%) und Nordrhein-Westfalen (-16,5%) verzeichnet werden. Wegen Hitze und Trockenheit wird trotz vielfacher Beregnung eine geringere Erntemenge erwartet als im Vorjahr (2014: 11,6 Mio. t). Die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln lagen in der zu Ende gegangenen Frühkartoffelsaison bei durchschnittlich 23 Euro je 100 kg für festkochende. Sie waren damit deutlich höher als im Vorjahr, wo ein extrem niedriges Niveau verzeichnet wurde. Auch die Ernteaussichten in der EU liegen wetterbedingt deutlich hinter dem sehr hohen Vorjahresergebnis.