Donau Soja Ost-West Eiweißforum setzt weitere Signale für EU-Eiweißstrategie

Passende politische Rahmenbedingungen fördern Sojaanbau in Donauregionen.

Wien/Berlin, 11. Mai 2015 (aiz.info). - Im Rahmen der Konferenz "Gentechnikfreies Europa - Zukunftsaussichten und Chancen" (5. bis 8. Mai) in Berlin fand auch das Donau Soja Ost-West Eiweißforum statt, mit dem der Aufbau einer europäischen und gentechnikfreien Eiweißstrategie durch konkrete Zusammenarbeit von Ost und West vorangetrieben werden soll. Diesmal stand Deutschland im Fokus, das mit einem Jahresbedarf von 5,9 Mio. t Soja der größte EU-Verbraucher ist und mehr als 1 Mio. t importiert. Da die europäische Sojaproduktion steigt - heuer werden schon 2,8 Mio. t in der Donauregion produziert, was 60% der EU-Erzeugung entspricht -, kann diese für Deutschland eine echte Alternative zu Importen aus Übersee werden. Das Donau Soja-Programm zertifiziert europäisches Soja mit den Kernkriterien "regional", "gentechnikfrei" und "nachhaltig".

"Bereits über 3 Mio. ha Soja werden 2015 in der Donauregion (inkl. Ukraine) angebaut - das entspricht bereits mehr als 7,7 Mio. t. In zehn Jahren könnte Europa diese Menge ohne weiteres mehr als verdoppeln. Zusammen mit anderen europäischen Eiweißquellen, dem reduzierten Konsum von tierischem Eiweiß und mehr Importen an zertifiziertem Soja, wie ProTerra, könnte Europa bis 2025 den Umstieg in eine nachhaltige Eiweißversorgung schaffen", ist Matthias Krön, Vorstandsvorsitzender des Vereins Donau Soja, überzeugt.

Heuer ist die Sojafläche gegenüber 2014 um 180.000 ha (mit Ukraine 540.000 ha) gestiegen, allein dieser Zuwachs könnte den österreichischen Bedarf von etwa 600.000 t decken. Prognosen zufolge werden dieses Jahr in der Donau Region, der Ukraine und Frankreich zusammen 7,7 Mio. t dieser Eiweißpflanze erzeugt. Dieser Anstieg wird sich fortsetzen, sofern die kontinuierliche Nachfrage von Verarbeitern und dem Lebensmitteleinzelhandel nicht abnimmt. Große Hoffnungen setzt man dabei in die nördliche Donau Region: Mitte April startete Donau Soja seine Bemühungen in Polen und der Ukraine. "Seit Ende des Vorjahres arbeiten wir mit dem Verein zusammen, um die Ukraine als wichtigen und vielleicht bald größten Lieferanten für Donau Soja zu etablieren. 1,8 Mio. ha in 2014 sind mehr als in der gesamten restlichen Donau Region - und unser Potenzial ist bei Weitem nicht ausgeschöpft. 3 bis 4 Mio. ha sind eine realistische Prognose für die nächsten Jahre", teilt Inna Meteleva von der Svarog West Group mit.

Aber auch andere Länder der Donau Regionen haben sich zu bedeutenden Sojaproduzenten entwickelt. Wesentliche Gründe dafür sind die politischen Rahmenbedingungen. Donal Murphy Bokern, Mitglied der European Innovation Partnership (Eiweißpflanzen-Fokusgruppe der EU-Kommission) berichtet: "Mit der neuen gemeinsamen Agrarpolitik ergeben sich in vielen Mitgliedstaaten Möglichkeiten einer Förderung für den Sojaanbau. Unter anderem entschlossen sich Slowenien, Polen, Ungarn und Rumänien für gekoppelte Prämien von 200 bis 400 Euro pro Hektar. Auch die Zulassung von Soja zur Anrechnung in den ökologischen Vorrangflächen und die Verpflichtung zur Fruchtfolge wird Landwirte zum Anbau motivieren." Erste Resultate findet man 2015 vor allem in Rumänien, Bulgarien sowie Ungarn, aber auch in dem Nicht-EU-Land Serbien - gemeinsam werden sie allein 2015 auf zusätzlichen 120.000 ha Soja anbauen.

Die bereits produzierten 7,7 Mio. t Soja aus Europa werden noch signifikanter, wenn sich die Nachfrage weiter reduziert - ein Trend, der die letzten Jahre bereits zu sehen war. Änderung von Konsumgewohnheiten und der vermehrte Einsatz anderer Proteinquellen könnten den Soja-Bedarf bis 2025 von aktuell zirka 32 auf 27 Mio. t senken - dann könnte es Europa schaffen, sich vorwiegend nachhaltig zu versorgen. "10 Mio. t Soja könnte ProTerra aus Brasilien und auch aus Indien in den kommenden Jahren zertifizieren. Gemeinsam mit den 7,7 Mio. t Soja aus Europa könnten wir den Bedarf in Europa schon zu über 50% decken", ist Jochen Koester, ProTerra-Vorstandsmitglied, optimistisch.

Der Umstieg Deutschlands

Giorgio Dalla Bona, Cereal Docks Italien, und Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall berichten von bestehenden Handelsbeziehungen zwischen europäischen Produzenten und Verbrauchern. "Für unsere Schweine kommt schon heute nur noch europäisches Soja in den Trog. Unsere Handelsbeziehung zu serbischen Landwirten ist wichtig und richtig. Mit der Stärkung des europäischen Anbaus und der vermehrten Nachfrage nach nachhaltigen Quellen können wir einen Beitrag für ein gentechnikfreies Europa leisten", sagt Bühler. Auch Dalla Bona berichtet von immer mehr positiven Erfahrungen mit Donau Soja: "Italienisches, also europäisches Soja wird bereits in Deutschland eingesetzt, dadurch steigt die Nachfrage. In Italien finden wir beste Bedingungen für den Sojaanbau vor. Wir müssen diese Voraussetzungen nutzen und können so einen wichtigen Beitrag zu Europas Eiweißversorgung leisten. Der wesentliche Erfolgsfaktor für den weiteren Aufbau der Produktion ist die kontinuierliche und geduldige Nachfrage der Industrie."

Mit dem Umstieg Deutschlands hin zur europäischen Eiweißversorgung beschäftigte sich ein hochkarätig besetzter Round Table. 5,9 Mio. t Sojabohnen werden in Deutschland jährlich benötigt. Die Nachbarländer entlang der Donau produzieren mehr Soja, doch der Aufbau der Verarbeitung, optimierter Logistikströme, Preisbildungsmodelle und die durchgängige Verfügbarkeit aller nötigen Qualitäten ist noch eine Herausforderung. Bereits ein Großteil der Hühner in Deutschland wird gentechnikfrei gefüttert - weitere Programme werden von den Konsumenten gefordert.

"80% aller deutschen Konsumenten lehnen gentechnisch veränderte Produkte ab. Der Handel muss reagieren", betont Alexander Hissting. Vor allem die Förderung der regionalen Landwirtschaft und die Reduzierung der nicht nachhaltigen Sojaimporte sind für die Umweltorganisation WWF wichtig. "Wir können unsere Verantwortlichkeit für unsere einzigartigen Ressourcen, wie Boden, Wasser und die Artenvielfalt, nicht 'outsourcen'. Wenn wir Soja importieren, müssen wir dafür sorgen, dass der Anbau auch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt, und, dass nicht weiter riesige Flächen Savannen und Urwald in Soja-Monokulturen umgewandelt werden", meint Birgit Wilhelm, Referentin für Ressourcenschutz und Landwirtschaft vom WWF Deutschland.

Einigung über europäische Eiweißversorgung

"Bei unserer Konferenz haben wir einmal mehr gesehen, dass ein grundsätzlicher Konsens für den mittelfristigen Aufbau einer gemeinsamen europäischen Eiweißstrategie besteht. Unsere Aufgabe bleibt weiterhin die Zertifizierung von Erstverarbeitern, Lagerstellen, Futtermittelwerken und Produzenten. Aber natürlich steht die Beziehung zu Landwirten im Zentrum", betont Krön.

Schulungen, Informationsveranstaltungen und Feldtage vermitteln Wissen über die Zertifizierung von Donau Soja, aber besonders auch über den Sojaanbau generell. Das im vorigen Jahr veröffentlichte Best Practice-Manual wurde in fünf Sprachen übersetzt und beschreibt die besten landwirtschaftlichen Praktiken für einen effektiven und nachhaltigen Sojaanbau. Eine weitere Initiative, welche seit November 2014 besteht, ist für die Entwicklung des Donau Soja Projekts von hoher Bedeutung. Die internationale Arbeitsgruppe unter der Leitung des Umweltbundesamtes harmonisiert Gentechnik-frei-Standards für die gesamte Donau Soja-Region. "Das Umweltbundesamt setzt sich seit Jahren für die einheitliche Regelung der Produktion, Kennzeichnung und Kontrolle von gentechnikfreien Produkten ein, um mehr Transparenz für Konsumentinnen, Konsumenten und die Wirtschaft zu schaffen. Wir bilden eine fachlich fundierte Basis für solche Regelungen und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Donau Soja-Projekts", erklärt Helmut Gaugitsch, GVO-Experte im Umweltbundesamt.

Damit vernetzt Donau Soja die Landwirtschaft der Donauregion regional sowie international und der beginnende innereuropäische Sojahandel bringt neue Chancen für Landwirte. Die Verarbeitung der Sojabohnen erfolgt vorwiegend regional - im Gegensatz zum Weizen, der unverarbeitet exportiert wird. "Die Ertragspotenzialsteigerungen der Landwirtschaft entlang der Donau und Inanspruchnahme von noch ungenutzten landwirtschaftlichen Brachflächen sind groß und es kann sowohl mehr Weizen als auch mehr Soja produziert werden. Gleichzeitig setzen immer mehr Markenprogramme und Einzelhändler in Deutschland, der Schweiz und Österreich auf nachhaltige und regionale Soja-Fütterung", erklärt Krön. Und damit erschließt das Projekt abseits der Chancen für eine Europäisierung der Eiweißversorgung vielfältiges Potenzial: Es steht für die regionale Stärkung des Donauraumes durch Investitionen in den Anbau von Qualitätssoja und ebenso für den Ausbau der Donau als Versorgungsader Europas. Auch der für die Wertschöpfungskette notwendige Ausbau der Infrastruktur und der Verarbeitung bietet der Region interessante ökonomische Perspektiven.