Durchschnittliche Getreideernte 2015 von rund 3,2 Mio. t erwartet

LK-Warndienst unterstützt bei ökologischerer Produktion mit entsprechender Qualität.

Hagenbrunn, 23. Juni 2015 (aiz.info). - Die heimische Getreideernte 2015 wird Vorausschätzungen der Landwirtschaftskammern zufolge heuer durchschnittliche Erträge - bei größeren regionalen Unterschieden - mit deutlich besseren Qualitäten bringen. Insgesamt wird mit 3,2 Mio. t gerechnet - bei optimalem Witterungsverlauf bis zum Drusch. Damit würde man leicht unter dem Vorjahresergebnis liegen (3,36 Mio. t), aber über dem fünfjährigen Schnitt (2,96 Mio. t). Fest steht, dass es heuer weniger Raps (-25%) geben wird, auch die Flächenverschiebungen weg vom Mais - hauptsächlich zugunsten von Getreide (+5%) - sind unübersehbar. Ursachen dafür sind der zunehmende Schädlingsdruck als Folge der Einschränkungen beim Pflanzenschutz. Das führte zu spürbaren Einbußen bei Ertrag und Qualität sowie zu deutlich höheren Produktionskosten. Praxisrelevante Unterstützung erhalten Österreichs Ackerbauern durch den im Frühjahr angelaufenen Pflanzenschutz-Warndienst der Landwirtschaftskammern (www.warndienst.lko.at). "Dieses Instrument hilft dabei, den Pflanzenschutzmitteleinsatz in den einzelnen Kulturen effizienter durchzuführen und so den Nutzen zu optimieren. Prognosen und Befallserhebungen von Schädlingen und Krankheiten mit regionalem Bezug unterstützen unsere Produzenten dabei, ihr oberstes Ziel, die rückstandfreie Qualität, zu erreichen", informierte der Präsident der LK Österreich, Hermann Schultes, bei der heutigen Erntepressefahrt.

"Wie wichtig dieses Werkzeug sowohl für die traditionell nachhaltig wirtschaftenden als auch für die Biobauern ist, zeigt die Tatsache, dass der Klimawandel vermehrt neue Schädlinge und Pflanzenkrankheiten mit sich bringt. Verbessertes Wissen bringt effizienteren Pflanzenschutz mit weniger Streuverlusten mit sich. Diese maßgeschneiderte Vorgangsweise hilft auch mit, die Menge zu reduzieren, Umwelt und Wasser bleiben von unerwünschten Wirkstoffen verschont", so Schultes.

Auf www.warndienst.lko.at werden alle Warndienste Österreichs kompakt dargestellt und mit weiteren wichtigen Informationen wie etwa Schadorganismen, Sortenlisten, Pflanzenschutzmitteln und Pflanzenschutzgeräten verknüpft.

Auer: Risikovorsorge in Zukunft noch weiter ausbauen

Endgültige Erntezahlen wollte auch der Vizepräsident der LK NÖ, Otto Auer, nicht nennen. "Die Ernte gehört uns erst, wenn sie in der Scheune ist", verwies er auf die zahlreichen Unwägbarkeiten, die die Witterung bis zum Drusch mit sich bringen kann und die sich in der Vergangenheit oftmals im letzten Augenblick negativ ausgewirkt haben. Die Prognosen für Niederösterreich sind bislang nicht übel, das Ackerjahr verlief sehr ausgeglichen, allerdings waren Pilzkrankheiten beim Getreide, vor allem Gelbrost, bereits das dritte Jahr in Folge ein wesentliches Kriterium. Gehen die Experten zwar derzeit noch von zufriedenstellenden Erträgen aus, so ist die nächste Zeit für die Landwirtschaft entscheidend: "Die Kornausbildung kann noch vieles relativieren", so Auer. "Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Risiko-Vorsorgemaßnahmen wie Versicherungen, auch in Zukunft weiter ausgebaut werden. Nur so können wir sicherstellen, dass Bäuerinnen und Bauern bestmöglich vor extremen Unwettern abgesichert sind." Hier sollen die Angebote künftig noch attraktiver gestaltet und durch Zuschüsse Anreize zur Eigenvorsorge geboten werden. "Die Abrechnung 2014 hat wieder einmal klar gezeigt: Die heimische Qualität ist gefragt und sichert unsere Position am Weltmarkt. Die Spanne zwischen Qualitätsgetreide und internationaler Massenware macht deutlich, dass wir mit unseren herausragenden Produkten auf dem richtigen Weg sind."

Hautzinger: Warndienst hilft, mit minimalem Aufwand maximale Erträge zu lukrieren

Im Burgenland ist man unterdessen nach zahlreichen trockenen Wochen (-43% weniger Regen im März und -41% im April) froh über die aktuellen Niederschläge. "Für die frühreifen Winterkulturen, wie Wintergerste und Winterraps, dürfte es noch rechtzeitig geregnet haben, hier rechnen wir mit guten Durchschnittserträgen. Bei Winterweizen, Sommergerste und Hartweizen hängt vieles noch von den kommenden Wochen ab, wobei die Hitze in der zweiten Juniwoche allen Kulturen stark zugesetzt hat. Regional und besonders auf schwachen Standorten ist mit einer unterdurchschnittlichen Ernte zu rechnen. Aus heutiger Sicht kann man davon ausgehen, dass im Burgenland insgesamt eine leicht unterdurchschnittliche Getreide- und Rapsernte zu erwarten ist", so LK-Präsident Franz Stefan Hautzinger.

Auch im östlichsten Bundesland hat es als Reaktion auf die Beizstrategie Verschiebungen im Anbauverhalten gegeben. Zugunsten von Getreide insgesamt wurde die Anbaufläche für Ölraps um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr zurückgefahren, wodurch sich eine Ertragssteigerung bei Getreide zum langjährigen Durchschnitt ergibt.

"Unsere Bauern wollen hochwertige Rohstoffe produzieren und sind sich ihrer großen ökologischen Verantwortung bewusst. Gemeinsam mit der Forschung sind die gefordert, dahingehend umweltverträgliche Strategien und Lösungen zu entwickeln. Aus Sicht der Interessenvertretung muss die Weiterbildung und Beratung unserer Mitglieder verstärkt werden, damit die Produzenten im Hinblick auf den ökologisch verträglichen Pflanzenschutz auf dem neuesten Wissensstand sind.

Windisch: Wasserknappheit schlägt sich auf Erträge nieder

Das Wiener Ackerbaujahr war bis jetzt durch ein Niederschlagsdefizit von 40 Litern pro Quadratmeter geprägt. "Die Getreidekulturen leben sprichwörtlich von der Hand in den Mund. Im Optimalfall können wir noch maximal eine durchschnittliche Ernte erzielen", informierte Kammerpräsident Franz Windisch, "aber nur wenn wir die Ernte sicher nach Hause bekommen".

Damit wird die Getreideernte in der Bundeshauptstadt etwa 20% geringer ausfallen als im Vorjahr und um zirka 50% niedriger als in den europäischen Gunstlagen. Die nächsten Tage werden darüber entscheiden, wie sich der Ernteertrag bei den später abreifenden Getreidearten, wie dem Sommerhartweizen entwickelt. "Durch die knappen Wassermengen werden heuer die Unterschiede der einzelnen Bodenqualitäten besonders sichtbar", so Windisch. Zumindest bezüglich der Qualität (Proteinwerte) der Getreideernte zeigt sich der Präsident optimistisch: "Wenngleich auch hier eine eventuelle Hitzewelle noch zu Notreife und Schmachtkornbildung führen könnte", schränkte er zusammenfassend ein.

Gauhs: Starke europäische Konkurrenz für heimische Weizenernte

"Österreichs Bauern haben in den vergangenen Jahren mit der Erzeugung von hochqualitativem Weizen eine interessante Nische besetzt und werden dies auch heuer wieder tun", gibt sich Ernst Gauhs, RWA-Bereichsleiter für landwirtschaftliche Erzeugnisse, überzeugt. Dazu brauche es aber profunder Erfahrung, entsprechenden Know-hows und vor allem eines punktgenauen Reagierens auf Krankheiten. Dafür sei der Warndienst der Landwirtschaftskammer ein wichtiges Instrument.

Hinsichtlich der Vermarktung des heimischen Weizens sei die Qualitätsstrategie der Bauern zuletzt aufgegangen. "Prinzipiell bestimmen die Weltmarktpreise auch die heimischen Getreidepreise. Bei der Ernte 2014 konnten unsere Landwirte jedoch Qualitäten erzielen, die besser waren als jene im Rest Europas, sodass sie damit in diesem Qualitätssegment auch Preise lukrieren konnten, die über den Weltmarktpreisen lagen", so Gauhs. Heuer ergibt sich aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen ein anderes Bild: "Unsere Nachbarn in Europa zeigen derzeit gute Weizenbestände. In Deutschland, Frankreich und Ungarn gibt es aber bereits Berichte über Trockenschäden. Damit hängt der Erfolg der heimischen Weizenernte davon ab, ob er sich vom starken Umfeld abheben kann." Weltweit liegt die prognostizierte Getreideerzeugung bei 2.000 Mio. t (leicht unter Vorjahreswert), womit der globale Bedarf knapp gedeckt werden kann. Grund für die verhaltene Erzeugung ist laut Gauhs das vergleichsweise niedrige Preisniveau.

Mit Auswirkungen der Russland-Ukraine-Krise auf die internationalen Getreidepreise rechnet der Experte vorerst nicht. Beide Länder würden gute Ernten einfahren, der "Devisenhunger" sei groß, sodass nach Deckung des Inlandsbedarfs ein großer Anteil der Ernte in den Export gehen werde. Aber 2016 sei nicht auszuschließen, dass bereits bestehende Versorgungsprobleme mit Dünger- und Pflanzenschutzmitteln zu Ertragsminderungen führen und "die Welt schnell in eine Unterversorgungssituation rutschen könnte".

LK Ö-Präsident Schultes sprach in diesem Zusammenhang erneut die Forderung nach einer Vorsorge nicht nur im Hinblick auf die Witterung aus. "Die Weltmarktpreise für Getreide sind aktuell sehr tief. Nun wäre es sinnvoll, entsprechende Lager als Risikovorsorge zur Verfügbarkeit von Getreide anzulegen."