Eine "grüne Woche" für Weizenterminmärkte dank Währungen und Short-Covering

Kleines Mahlweizenangebot "ziemlich aufgeräumt"- Premium- und Qualitätsweizen stabil.

Wien, 28. September 2017 (aiz.info). - Die internationalen Weizenterminmärkte - allen voran die CBoT in Chicago sowie die für Europa maßgebliche Euronext in Paris - erlebten nach einer roten Phase im August und September nunmehr wieder eine "grüne Woche". Der Dezember-Weizenkontrakt erreichte am Donnerstag mit 167 Euro/t fast wieder sein Niveau von Anfang August. Zu verdanken ist dies trotz der global überreichlichen Versorgungslage einer Abschwächung des Euro unter 1,18 US-Dollar und einem Anstieg der russischen Exportpreise im Wochenabstand gemäß der Moskauer SovEcon-Analysten um rund 4,50 USD/t auf 189,50 USD (161,40 Euro) fob Schwarzmeer. Dies ließ die Hoffnungen für die bisher stotternden Weizenausfuhren aus der EU wieder etwas aufhellen. Dies- und jenseits des Atlantiks gesellte sich sogenanntes Short-Covering hinzu - das heißt der Ausstieg institutioneller Anleger aus Verkaufspositionen (Wetten auf sinkende Preise) durch Zukäufe. Am heimischen Kassamarkt scheint das knappe Mahlweizenangebot aus der Ernte 2017 laut Marktteilnehmern "ziemlich aufgeräumt". Am Mittwoch dieser Woche strich die Wiener Produktenbörse deshalb die Mahlweizennotierung mangels frischer Umsätze. Premium- und Qualitätsweizen notierten unverändert zur Vorwoche. Die Nassmaiskampagne habe sich durch die zeitweise Unterbrechung durch Regen "zusammengeschoben", dennoch rechnen Händler mit weiterhin relativ stabilen Preisgeboten der beiden Verarbeiter.

Fundamental stützend wirken international noch die Sorgen um die Weizenernten auf der Südhalbkugel sowie weit verbreitete Zurückhaltung in der Abgabebereitschaft angesichts der im September gedrückten Erlössituation. In Russland überbieten sich dagegen die Ernteschätzungen für 2017 nahezu von Tag zu Tag. Laut Moskauer Agrarressort sollen es mittlerweile mehr als 127 Mio. t Getreide werden - praktisch wieder so viel wie zu alter Sowjetzeit, aber auf kleinerer Fläche - und den Export von 45 Mio. t (davon 30 Mio. t Weizen) erlauben. Auch die Bedingungen für den Herbstanbau zur kommenden Ernte 2018 sollen nun in Russland und der Ukraine entgegen früheren Meldungen gut sein.

Die steigenden Exportpreise Russlands und die etwas verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der EU am Weltmarkt durch die günstigere Euro-Dollarparität machen sich in den jüngsten Exportzahlen der EU-Kommission beziehungsweise der Zollbehörden bemerkbar: Demnach brachte es die Union in der Berichtswoche bis 27. September auf 779.293 t Weichweizenausfuhr. Damit erreicht der Stand des Weizenexports nach 13 Wochen des Wirtschaftsjahres 4,461 Mio. t und liegt nur mehr 34% hinter der Vorjahreslinie zurück. Damit wurde binnen Wochenfrist, wo der Rückstand noch 42% betrug, wieder 9% an Boden wettgemacht.

Besonders signifikant sprangen auch die Gerstenausfuhren an: sie machten in Woche 13 nun 394.013 t aus, was die Saisonbilanz auf 1,033 Mio. t steigert und den Exportrückstand in einer Woche von 49% auf 27% verkürzte.

IGC erhöht weltweite Ernteschätzungen 2017/18 für Weizen und Mais

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London erhöhte am Donnerstag in seinem monatlichen globalen Getreide-Marktbericht die Ernteschätzung für 2017/18 über alle Getreidearten (Weizen und Futtergetreide wie Mais) gegenüber August um 20 Mio. t auf 2,069 Mrd. t, davon die von Weizen um 6 Mio. t auf 748 Mio. t und die von Mais um 12 Mio. t auf 1,029 Mrd. t. Die Ernten bleiben damit immer noch 3% unter dem Rekordergebnis von 2016/17 und es bleibt auch dabei, dass erstmals nach vier Jahren in der laufenden Saison ein Lagerabbau an den gesamten Getreidebeständen stattfinden soll - nunmehr um 28 Mio. t oder 5% statt der im August angenommenen 40 Mio. t. Dabei sollen die Weizenendlager um weitere 6 Mio. t anschwellen, während die Maisreserven um 29 Mio. t abschmelzen sollen. Den weltweiten Getreideverbrauch revidiert der IGC ebenfalls nach oben, nämlich im Monatsabstand um 7 Mio. t auf den neuen Rekord von 2,096 Mrd. t. Die höheren Produktionszahlen gehen vor allem auf das Konto besserer Ernten in den USA, am Schwarzen Meer und in Argentinien.

Die Terminbörsen in den USA wie auch Europa reagierten am späten Donnerstagnachmittag mit leichten Kursverlusten bei Weizen und Mais, ebenso schwächten sich Raps in Paris sowie Sojabohnen in Chicago etwas ab.

Kleines heimisches Mahlweizenangebot "ziemlich aufgeräumt"

Der geringe Anteil von Mahlweizenqualität an der 2017 sehr proteinreichen Weizenernte Österreichs schmälert das Angebot für die Mühlen, die den Großteil ihres Rohstoffbedarfs aus dieser Qualitätsstufe decken. Es wird damit gerechnet, dass dieses Produkt im weiteren Saisonverlauf dann nur mehr sporadisch notiert werden dürfte. Auch für Importgetreide finden sich keine Preise aus jüngsten Abschlüssen in den Notierungen.

Premium- und Qualitätsweizen finden sich dagegen mit unveränderten Preisen am Wiener Kursblatt. Jedoch soll der Mengenfluss seit der Vorwoche etwas ins Stocken geraten sein, die Verarbeiter sollen zurückhaltender geworden sein. Einen bemerkenswerten Kurssprung um 20 Euro/t nach oben machte Futterhafer. Beobachter schreiben dies einer sehr großen Schwankungsbreite der Qualität des inländischen Angebots zu, wobei aber das benachbarte Ausland nur Ware mit noch schwächeren Eigenschaften anzubieten habe.

Die Nassmaiskampagne habe sich durch die zeitweise Unterbrechung durch Regen "zusammengeschoben", dennoch rechnete man in Börsekreisen mit weiterhin relativ stabilen Preisgeboten der beiden Verarbeiter. Landwirte berichten, dass der rasche Erntefortschritt mit Angebotsdruck Händler aber für nicht vertraglich gesicherte freie Nassmaisware tendenziell sinkende Preisgebote von beispielsweise etwa 102 Euro/t netto (30% Feuchtigkeit) bieten lasse. Für den Trockenmaismarkt zeichneten sich dagegen noch keine Preise ab. Rege Lieferungen aus der Ukraine - vor allem nach Italien, das heuer miserable Erträge einbringen soll - dürften aber trotz der auch hierzulande geringeren Mengen den Preisfantasien einen Deckel aufsetzen. Die Erträge streuen aber regional sehr stark von sehr enttäuschend im Weinviertel bis zu überraschend nahe am Vorjahresergebnis im Westbahngebiet. Ähnliches wird auch vom Sojabohnendrusch berichtet .

Die Landwirtschaftskammer erhob für August und September Netto-Erzeugerpreise pro t am Median der eingegangenen Meldungen für Körnermais in Niederösterreich von 156 Euro und in Oberösterreich von 158 Euro. Beim Premiumweizen waren es für Niederösterreich 187 Euro, beim Qualitätsweizen 180 Euro, beim Mahlweizen 165 Euro sowie Durum 233 Euro und Mahlroggen 185 Euro. In Oberösterreich lagen die Erzeugererlöse für Mahlweizen bei 150 Euro/t.

Mühlenindustrie spricht von großen Herausforderungen aus Ernte 2017

In einer Aussendung des Verbandes der Mühlenindustrie im Fachverband der Lebensmittelindustrie hieß es am Donnerstag, die Getreideernte 2017 bringe große Herausforderungen für heimische Mühlenindustrie. Der trockene Sommer habe österreichischen Weizen und Roggen zur Mangelware gemacht. Aktuell müssten Abnehmer von österreichischem Getreide - um überhaupt Ware in ausreichender Menge kaufen zu können - in allen Qualitätssegmenten mit erheblich höheren Kosten als im Vorjahr rechnen. Für die Mühlen geht es offensichtlich darum, den Mehlpreis in den Verhandlungen mit ihren Abnehmern aus der Backwarenindustrie und dem Bäckereigewerbe wegen höherer Rohstoffkosten berechtigterweise in die Höhe zu bringen.

Marktexperten merken dazu auch an, dass die agrarische Urproduktion in Zeiten des Klimawandels ganz besonders hohen Risiken und Schwankungen ausgesetzt sei. Eine Krisenbevorratung mit agrarischen Rohstoffen stelle daher eine sehr ratsame Vorsichtsmaßnahme dar, mit der auch derartige Preisvolatilitäten, wie sie zuletzt auf den Märkten auftraten, abgemildert werden könnten. Denn aus der vorigen Ernte 2016, die nicht nur in Österreich sehr hohe Erträge und eine weltweite Überversorgung brachte, resultierten extrem niedrige Marktpreise für agrarische Rohstoffe, die sich heuer - bei allerdings spürbaren Zuwachsraten - wieder an zuvorgegangene Niveaus annäherten.

Weder durch Produktionszahlen der AMA noch durch die offiziellen Notierungen der Wiener Produktenbörse, bestenfalls also als "Gruß der Kaufleute" jedenfalls nachvollziehbar bleiben Formulierungen des Mühlenverbandes wie: "In Österreich schrumpft die heurige Getreideernte auf ein Rekordtief." oder: "Börsennotierungen für Getreide zeigen 'all-time-high'" - und dies noch dazu als sprachliches Kunststück "im Vergleich zum Vorjahr".

Konkret lag die letzte Wiener Mahlweizennotierung im Mittel des Preisbandes bei 173 Euro/t, also meilenweit unter dem auf der Börsewebsite ausgewiesenen "Allzeit-Hoch" von 291 Euro/t (9. Februar 2011) der seit 2004 gespeicherten Kurse, doch aber um 30,6% über den 132,20 Euro/t vom 21. September 2016. Ähnlich beim Premiumweizen, der aktuell mit 193,50 Euro/t notiert und dessen "Allzeit-Hoch" die Börse am 23. Februar 2011 bei 311 Euro/t angibt. Die Notierung der Aufmischqualität stieg zum Vorjahres-Vergleichswert (21. September 2016) um 8,4%.

Deutlich - um 30% - teurer wurde Mahlroggen im Jahresabstand. Er notierte diesen Mittwoch in Wien mit einem Großhandelsabgabepreis ab Station von 195 Euro/t (+2,50 Euro) - auch hier aber noch weit weg vom "Allzeit-Hoch" (255 Euro/t, 7. März 2012).