Kaum Bewegung bei Düngerpreisen

Der Düngemittelmarkt präsentiert sich derzeit (Stand 17. September 2015) ziemlich stabil. Stärkere Ausschläge beim Euro-Dollar-Kurs könnten das aber ändern. Eine Marktanalyse.

DüngemittelDüngemittelDüngemittel[1442472109508598.jpg]
© Agrarfoto
Die hohen Energiepreise wurden viele Jahre für das hohe Preisniveau von Stickstoffdünger (KAS, Harnstoff ) verantwortlich gemacht. Nicht zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass die Energiekosten etwa bei Kalkammonsalpeter fast 80 % der Produktionskosten ausmachen. Diese Argumentation der Industrie scheint jedoch nur bei hohen Rohöl-, Gas- und Kohlepreisen ihre Gültigkeit zu haben. Energie wird aktuell so billig wie schon lange nicht gehandelt. Die Rohölpreise haben sich auf einem Niveau zwischen 50 und 60 US-Dollar eingependelt. Ein Jahr zuvor notierte Rohöl noch deutlich über 100 Dollar.

Europa: KAS auf Vorjahresniveau

Trotz des Einbruchs der Energiepreise waren die Einlagerungspreise für Kalkammonsalpeter (KAS) im Juli 2015 exakt auf Vorjahresniveau. Wohlwissend, dass die europäische Nitratindustrie mit Erdgas als Energiequelle produziert und dieses mit Zeitverzögerung und nicht im selben Verhältnis wie Rohöl gesunken ist, müssten die KAS-Preise dennoch deutlich unter dem derzeitigen Niveau liegen.

Ein Grund ist sicherlich der seit längerer Zeit gegenüber dem US-Dollar schwächelnde Euro. Dies deshalb, da der starke Dollar einen Teil der niedrigen Energiekosten (Energie wird weltweit in Dollar gehandelt) wieder „auffrisst“. Der schwache Euro macht hingegen für europäische Produzenten einen Export in Übersee sehr lukrativ. Daher liefern die großen Produzenten wie Yara und EuroChem große Mengen NPK, aber auch KAS vor allem in die USA und nach Südamerika. Dies wiederum begrenzt das Warenangebot in Europa und hilft der Industrie das Preisniveau höher anzusiedeln.

Österreich: Überangebot drückt den Preis

Die österreichische Landwirtschaft hingegen profitiert seit einigen Jahren von einem Überangebot an KAS in Österreich und in den angrenzenden Ländern Slowakei und Ungarn. Dies führt zu einer starken Wettbewerbssituation mit dem Resultat, dass speziell im Osten und Süden Österreichs die KAS-Preise um zumindest 20 Euro unter dem deutschen Preisniveau liegen, das bis vor einigen Jahren auch bei uns Gültigkeit hatte. Eine unmittelbar bevorstehende Kapazitätserweiterung beim ungarischen Stickstoffproduzenten wird diese Situation mit großer Wahrscheinlichkeit noch verschärfen.

Die Preise des Stickstoff-Leitproduktes Harnstoff bewegen sich seit Wochen teilweise deutlich unter 300 US-Dollar. Eine gravierende Änderung ist in den nächsten Wochen nicht in Sicht. Da die Prognosen des weiter an Stärke gewinnenden US-Dollar derzeit nicht eintreffen, ist das Potenzial für deutliche Preiserhöhungen bei KAS zur Zeit nicht gegeben, da sonst KAS Marktanteile an Harnstoff verlieren würde. Es kann von einem weiterhin festen, leicht steigendem KAS-Preisniveau ausgegangen werden.

Phosphor und Kali: Preise stabil

Die Phosphatpreise (Diammoniumphosphat, Triplesuperphosphat) sind seit längerer Zeit stabil. Auch in den nächsten Monaten ist mit keinen gravierenden Preisausschlägen zu rechnen. Da die Preise für Phosphatdünger generell sehr hoch sind, zeigen Wechselkursschwankungen zwischen Euro und US-Dollar noch größere Wirkung. Ein schwächer werdender Euro würde Phosphate bei uns somit weiter verteuern. Da die Kali-Preise ebenfalls fest sind, kann auch bei Mehrnährstoffdüngern von einem stabilen Preisniveau, mit leichten monatlichen Preiserhöhungen ausgegangen werden.
Patentkali: Bedarf sichern!

Jetzt im Angebot!

Auf dieser Seite finden Sie ausgewählte Produkte aus unserem Sortiment. Viele weitere Artikel erhalten Sie in Ihrem Lagerhaus. Fragen Sie Ihren Lagerhaus-Fachberater!
Autor:
DI Andreas Hochgerner, Leiter Düngemittelabteilung, RWA