Erholung der Weizen-Terminmärkte nur von kurzer Dauer

Festerer Euro, Gewinnmitnahmen und Fokus auf gute Versorgung drücken wieder.

Wien, 10. Oktober 2014 (aiz.info). - Die Erholung der internationalen Weizenterminmärkte von einem Vierjahrestief in den vergangenen vierzehn Tagen währte nur kurz. Am heimischen Kassamarkt dagegen läuft Business as usual. Die inländischen Mühlen seien etwa bis Weihnachten mit Brotgetreide gedeckt und das Geschäft wurde - typisch für diesen Saisonabschnitt - etwas ruhiger. Produzenten oder Lagerhalter hätten, abgesehen von solchen mit Lagerraumdruck, zurzeit auch kaum Eile, Brotgetreide auf den Markt zu werfen, heißt es. Damit hat sich an den Vorzeichen für die Preisgestaltung und an den satten Prämien für höhere Qualitäten nichts Fundamentales geändert. Premiumweizen hielt somit am Mittwoch an der Wiener Produktenbörse sein Preisband von EUR 200,- bis 209,- pro t ebenso wie Durum mit EUR 320,- bis 322,-. Qualitätsweizen legte deutlich, um EUR 10,-, in der unteren Notierung auf EUR 192,- pro t zu, gab aber in der oberen ebenso um EUR 5,- auf EUR 194,- pro t nach, womit im Schnitt aber noch ein leichtes Plus von EUR 2,50 übrigblieb. Die Mahlweizennotierung wurde mangels frischer Abschlüsse ausgesetzt.

Unter starkem Druck eines Angebotsüberhanges bei Futtergetreide geriet diesmal die Futtergerstennotierung mit einem Minus von EUR 13,- auf durchschnittlich EUR 119,- pro t unter die Räder. Futtermais der Ernte 2014 hält zur prompten Lieferung weiterhin bei EUR 115,- pro t.

Die beiden großen Nassmaisverarbeiter Agrana und Jungbunzlauer beließen die Erzeugerpreise frei Werk für Vertragsware auch diese Woche noch unverändert bei netto EUR 86,70 pro t auf Basis von 30% Feuchtigkeit. Vertragsfreie Ware werde nicht übernommen und die Logistik sei mit der Anlieferung von inländischem Kontraktmais schon bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit belastet. Dabei entspreche, so Pflanzenbauexperten, die derzeitige Nassmaisanlieferung eigentlich erst den Frühliefermengen, deren Drusch sich aber wegen der feucht-kühlen Witterung vom September in den Oktober verzögert habe, während die Haupternte sogar noch ausstehe. Damit sei für vertragsfreien Nassmais in den kommenden Wochen mit Preisen von EUR 70,- pro t oder sogar weniger zu rechnen.

Ausschläge provozieren Gegenausschläge: Vorzeichen auf Terminmärkten drehten sich wieder

Die Vorzeichen nach der vorübergehenden Erholung an den Weizen-Terminmärkten drehten sich bald wieder, indem sich diese - sowohl lokal als auch etwa Devisen- und Rohstoffmärkte - untereinander wie kommunizierende Gefäße verhalten. Und Ausschlägen in die eine folgen Gegenausschläge in die andere Richtung. Die Befestigung der Weizennotierungen in Europa hatte ihre Ursache in einem schwachen Euro und sehr wettbewerbsfähigen Preisen, wodurch Frankreich, Deutschland und Polen von den Schwarzmeerländern die Preisführerschaft auf den nordafrikanischen Märkten übernehmen konnten. Dies trieb aber in der Folge die Weizennotierungen an der Pariser Euronext am Dienstag dieser Woche kurzfristig auf bis zu EUR 163,- pro t. Auch der Weizen an der CBoT erholte sich deutlich, obwohl die US-Weizenanbieter zuletzt jedoch preislich nicht konkurrenzfähig waren und ihre Exportgeschäfte schwächeln. Dazu kamen börsentechnische Ursachen, indem institutionelle Anleger im sogenannten Short-Covering offene Positionen von Wetten auf sinkende Preise bereinigten.

Seit Wochenmitte erfing sich der Euro aber wieder auf ein dreiwöchiges Hoch gegenüber dem US-Dollar, wodurch in Verbindung mit den gestiegenen Preisen die Europäer ihre Preisführerschaft verloren. So rückten die unveränderten fundamentalen Marktdaten einer überreichlichen globalen Weizenversorgung wiederum in den Fokus. Zudem nahmen Anleger die jüngsten Kursgewinne durch Auflösung ihrer Positionen mit. Damit gaben die Weizennotierungen einen guten Teil ihrer Gewinne wieder ab. Der November-Weizenkontrakt an der Euronext in Paris sackte daher am Donnerstag auf einen Schlusskurs von EUR 157,25 pro t ab und in den Freitagshandel ging es mit neuerlich roten Vorzeichen weiter. Da viele Verarbeiter aber schon bis Jahresende mit Rohstoff gedeckt sind und der November-Kontrakt am 10.11. ausläuft, gewinnt der folgende Jänner-Weizenfutures an der Euronext auch für Kassamarktgeschäfte zur Lieferung im neuen Jahr immer mehr an Relevanz. Und der Jänner-Kontrakt konnte sich am Freitagvormittag zumindest noch knapp über der psychologisch wichtigen 160-Euro-Marke behaupten. Gleichzeitig begannen in Russland die Weizenpreise wieder zu sinken, weil man zuletzt wegen zu hoher Preise verlorene Exportmärkte mit allen Mitteln rückerobern will.

Abwarten und Diskussion vor richtungsweisendem WASDE-Bericht des USDA

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA veröffentlicht heute, Freitag, am späten Nachmittag kurz vor Börsenschluss in Paris seinen monatlichen Bericht (WASDE - World Agricultural Supply and Demand Estimates) zu den globalen Versorgungsbilanzen bei Getreide, Mais und Ölsaaten. Diese Berichte werden von den Terminbörsen als richtungsweisend antizipiert, in deren Vorfeld verhalten sich die Investoren meist zurückhaltend und wenig risikobereit. Erwartet werden von dem Bericht Prognosen für Rekord-Mais- und -Sojabohnenernten in den USA. Auf den Märkten wurde diskutiert, ob die weltweite Rekord-Weizenernte 2014/15 schon ausreichend "eingepreist" sei und wie der Mais sowie der Sojakomplex auf die neuen Produktionszahlen reagieren würden. Mehr Klarheit, wohin die Reise weitergeht, ist daher erst nächste Woche zu erwarten.

Gleichzeitig erfuhren die Mais- und Sojakurse fundamental eine leichte Unterstützung dadurch, dass andauernde Regenfälle in den USA die Ernte verzögern oder sogar beeinträchtigen, sowie dadurch, dass sich Trockenheit in Brasilien negativ auf die Sojaaussaat auswirkt.

Sojabohnenexporte der USA und Weizenausfuhren der EU florieren

Zudem brummt bei Sojabohnen noch aus der alten Ernte der Exportmotor der USA, vor allem die alterntigen Sojabohnenlager leeren sich somit in Verbindung mit der Verspätung der neuen Ernte beträchtlich, womit die Sojakurse zuletzt etwas anzogen, während Raps aber - offensichtlich mit der Abschwächung der Erdölnotierungen in einem konjunkturpessimistischen allgemeinwirtschaftlichen Umfeld - wieder verlor. Das USDA meldete für die abgelaufene Exportwoche bis 02.10. Sojabohnenverkäufe in Höhe von 923.400 t sowie Maisgeschäfte über 784.400 t. Mit 372.400 t Verkäufen auf den Weltmarkt - unter anderem 33.700 t Hard Red Winter an Brasilien und 55.000 t Soft Red Winter an Ägypten - blieben die US-Weizenexportzahlen aber rund um die Hälfte unter den Erwartungen des Marktes sowie um 30% unter dem vierwöchigen Schnitt und unterstrichen so das bearishe Sentiment an der CBoT in Chicago.

Rund lief es im Berichtszeitraum bis Mittwoch dieser Woche auch noch für die Weizenausfuhren der EU. Die Kommission vergab laut eigenen Angaben in dieser Exportwoche Lizenzen für 630.000 t Weichweizen. Damit hält man in der seit 01.07. laufenden Saison bei insgesamt 7,5 Mio. t Weichweizenausfuhren und noch immer knapp an der Rekordmarke von 7,75 Mio. t des Vorjahresvergleichszeitraumes.

Unruhe: Auch zweiter Erfüllungsort des Euronext-Weizenkontrakts stoppt Übernahme

Unruhe an der Euronext und auf den Märkten stiftete dagegen die Verlautbarung vom Donnerstag, dass nun auch der zweite Erfüllungsort für den Pariser Weizenkontrakt, der Socomac-Silo im Hafen von Rouen, wegen Überfüllung die Übernahme von Weizen bis auf Weiteres einstellen muss. Bereits im September gab der Betreiber des zweiten zur physischen Erfüllung des europäischen Weizenfutures in Rouen zugelassenen Silos, der von Senalia, sein "Rien ne va plus" (Nichts geht mehr) bekannt. Somit besteht vier Wochen vor dem Auslaufen des Pariser November-Weizenkontrakts keine Möglich mehr zur physischen Andienung. Socomac, eine Tochter des Getreidehandelshauses Soufflet, begründete den Schritt mit "schwacher Exportnachfrage und erschöpfter Lagerkapazität". Tatsächlich verloren im Wirtschaftsjahr 2014/15 französische Weizenexporteure wegen der schwachen Qualität der diesjährigen Weizenernte in der Grande Nation erhebliche Marktanteile an europäische Konkurrenten wie Deutschland, Großbritannien oder Polen. Laut dem Landwirtschaftsamt FranceAgrimer sollen die Drittlandsexporte von Weichweizen aus Frankreich 2014/15 mit 8 Mio. t um 34,5% hinter die Vorjahreslinie zurückfallen. Die Endlager sollen auf 4,4 Mio. t und einen 10-jährigen Höchststand anschwellen.

Schon im August drängte die Euronext die Betreiber der Silos an den Erfüllungsorten mangels in den Marktregulativen für den Weizenfutures festgeschriebener Fallzahl- und Proteingarantien, nur noch Weizenpartien mit mindestens 170 sec. Fallzahl und 10,5% Protein zu übernehmen. Diese Fallzahlmindestwerte liegen allerdings deutlich unter den im Exportgeschäft üblicherweise verlangten Qualitätskriterium von mindestens 220 sec. Nunmehr wird gemutmaßt, dass französische Händler massenweise diese Weizenqualitäten am unteren Rande der Backfähigkeit in der Absicht an die beiden Erfüllungssilos des Pariser Weizenkontraktes geliefert hätten, diese dann als Erfüllung gegen die mit den Futures eingegangenen Lieferverpflichtungen anzudienen. Der Hintergedanke dabei: Die mit dem Euronext-Weizenfutures garantierten Preise sind höher als jene, die sie mit der schwachen Weizenqualität am physischen Markt erzielen könnten.

Tatsächlich bestätigte auch die Euronext, jener Weizen, der bereits in den Silos von Socomac und Senalia liegt, werde als Andienung zur physischen Erfüllung des am 10.11. auslaufenden November-Kontrakts akzeptiert werden.

EU-Kommission erwartet Rekordernte und Bestandsaufbau

Die EU-Kommission schätzt die Getreideernte in der EU-28 auf ein Rekordniveau von 317 Mio. t. 2013 waren es 302 Mio. t und 2012 lediglich 276 Mio. t. Das wird zu deutlich höheren Beständen am Ende der Saison 2014/15 von 51 Mio. t nach 32 Mio. t zum Ende von 2013/14 führen. Die Prognose der Kommission für die Getreidebilanz der EU im laufenden Getreidewirtschaftsjahr 2014/15 steht unten zum Download (EK_EU-Bilanz_Okt_14.pdf) bereit.

Demnach steigt der Verbrauch an Getreide im Viehfutter durch die günstigen Preise von 165 Mio. t im Vorjahr auf 170 Mio. t in 2014/15. Die Getreideexporte setzt die Behörde trotz des schwächeren Euros mit nur noch 34 Mio. t niedriger als im Vorjahr an, als die EU 45 Mio. t Getreide ausführte. Der Anteil der Endbestände am Verbrauch steigt damit von 11,8% auf 18,4% an.

Russland exportierte in ersten Quartal 2014/15 rund 11,7 Mio. t Getreide

Voll auf Export setzte in diesem Wirtschaftsjahr bisher auch Russland, obwohl die Ausfuhren wegen der gestiegenen Weizenpreise am russischen Binnenmarkt zuletzt im September ins Stocken geraten waren, weil man preislich nicht mit den billigeren Franzosen hatte mithalten können. Demnach sind laut der Moskauer Agraranalysenagentur ProZerno von Juli bis September rund 11,7 Mio. t Getreide aus Russland exportiert worden. Es handle sich dabei um einen neuen Rekordwert für diesen Zeitraum. Zwar gingen die Ausfuhren im September auf 3,6 bis 3,7 Mio. t gegenüber gut 4,7 Mio. t im Vormonat zurück, die Dynamik sei aber hoch geblieben, so die Experten. Als bedeutendster Abnehmer russischen Getreides hat sich im Berichtszeitraum die Türkei erwiesen.

Der Moskauer Agraranalyst IKAR revidierte indes die Prognose für Weizenernte Russlands von 60 auf 58,5 Mio. t zurück. Er begründet dies mit einer Verringerung der Erntefläche, nachdem im Finale der noch laufenden Kampagne Felder in Regen und Schnee versinken würden.

Auch in der Ukraine liegen die Getreideausfuhren deutlich über dem Vorjahr

Auch die Ausfuhren aus der Ukraine liegen deutlich über dem Vorjahresniveau. In den Monaten Juli bis September dieses Jahres sind rund 8,5 Mio. t Getreide exportiert worden und damit um zwei Drittel mehr als im gleichen Zeitraum 2013. Dafür sorgt eine zweite große Ernte in Folge mit - die Aussagen schwanken aber - voraussichtlich etwa 60,6 Mio. t nur leicht unter dem Vorjahresrekord von fast 63,1 Mio. t, so der ukrainisch-russische landwirtschaftliche Analyse- und Informationsdienst APK-Inform. Auf der anderen Seite stünden aber mehrere negative Faktoren: Neben gesunkenen Getreidepreisen am Weltmarkt und einer deutlichen Verteuerung von Betriebsmitteln gehörten dazu Ernteausfälle infolge von Kriegshandlungen in den östlichen Provinzen Donezk und Lugansk sowie der Verlust von Ernteflächen und Umschlagkapazitäten durch die russische Annexion der Halbinsel Krim.

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