Erste Schätzung: Landwirtschaftliche Einkommen erstmals seit 2012 wieder gestiegen

Höhere Erntemengen im Ackerbau positiv - Erneute Einbußen bei tierischer Produktion.

Wien, 15. Dezember 2016 (aiz.info). - Nach Verlusten in den vier vorangegangenen Jahren sind die in der österreichischen Landwirtschaft erwirtschafteten Einkommen 2016 wieder gestiegen. Ersten Schätzungen im Rahmen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) der Statistik Austria zufolge erhöhte sich das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft (gemessen als Faktoreinkommen, das heißt als Nettowertschöpfung zu Faktorkosten) im Vorjahresvergleich real um 7,5%, nach einem Rückgang um 7,2% im Vorjahr gegenüber 2014. Zum aktuellen Anstieg trugen vor allem die gestiegenen Erntemengen im Ackerbau bei. Die zur Abfederung der starken Frostschäden im Obst- und Weinbau gewährten Entschädigungen ließen die öffentlichen Gelder steigen. Neben den Produktionseinbußen bei Obst und Wein schwächten unter anderem die weiter gesunkenen Erlöse in der Milchproduktion den Einkommensanstieg ab.

Der Gesamtproduktionswert der heimischen Landwirtschaft wird für heuer auf rund 6,8 Mrd. Euro geschätzt, mit einem Plus von 0,7% gegenüber 2015. Die im Rahmen der Einkommensberechnung berücksichtigten öffentlichen Gelder nahmen um 6,6% auf rund 1,5 Mrd. Euro zu. Die Aufwendungen für Vorleistungen, Abschreibungen und sonstige Produktionsabgaben betrugen gemäß den ersten Schätzungen in Summe 6,2 Mrd. Euro (-0,2%). Für das landwirtschaftliche Faktoreinkommen (welches die Entlohnung der von den familieneigenen und familienfremden Arbeitskräften geleisteten Arbeit sowie der Produktionsfaktoren Boden und Kapital misst) ergibt sich damit ein Anstieg um 8,0% auf zirka 2,1 Mrd. Euro. Je Arbeitskraft war der Einkommenszuwachs wegen des fortschreitenden Strukturwandels etwas stärker ausgeprägt als für den landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich insgesamt. Bei einem geschätzten Rückgang des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes von 1,4% betrug der Anstieg je Arbeitskraft nominell 9,5% beziehungsweise real 7,5%.

Unterschiedliche Ergebnisse im Pflanzenbau, neuerliche Einbußen in der tierischen Produktion

Maßgeblich für den leichten Anstieg des Gesamtproduktionswerts waren wertmäßige Zuwächse in der pflanzlichen Erzeugung, deren Produktionswert um 3,5% auf 2,9 Mrd. Euro stieg. Der Wert der tierischen Erzeugung nahm hingegen - nach einem deutlichen Minus 2015 - nochmals um 1,9% auf rund 3,2 Mrd. Euro ab.

Nach den Hitze- und Trockenschäden des Vorjahres konnten heuer im Acker- und Futterbau wieder deutlich höhere Erntemengen eingebracht werden. Vor allem bei den Herbstkulturen und im Grünland wurden infolge der guten Wasserversorgung überdurchschnittliche Hektarerträge erzielt. Die reichlichen Niederschläge hatten allerdings auch einen erhöhten Krankheitsdruck bis hin zur teilweisen qualitativen Beeinträchtigung des Ernteguts zur Folge. Zu einer deutlichen Produktionssteigerung gegenüber 2015 kam es auch im Gemüsebau, wiewohl die Ernte im mittelfristigen Vergleich nach wie vor leicht unterdurchschnittlich ausfiel. Ein Wintereinbruch beziehuungsweise Frostnächte Ende April/Anfang Mai führten im Obst- und Weinbau zu massiven Ernteausfällen, wobei der Süden Österreichs besonders betroffen war. Weiters verursachten Hagelunwetter gebietsweise starke Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen. Die Erzeugerpreise für pflanzliche Produkte lagen laut vorläufigen Berechnungen um 0,7% unter dem Vorjahresniveau, wobei die Entwicklung bei den einzelnen Produktgruppen recht unterschiedlich ausfiel: Während die Preise für Feldfrüchte und Futterpflanzen nachgaben, zogen die Preise für Obst und Trauben kräftig an.

Nach wie vor schwierig gestaltete sich die Situation in der Milchproduktion, geprägt von niedrigen Preisen, die erst ab Juli wieder langsam anstiegen. Laut vorläufigen Berechnungen sank der Produktionswert von Milch um 4,6% (2015: -10,6%) - bei einer weiteren Ausweitung des Erzeugungsvolumens. Neuerliche Einbußen gab es auch bei Rindern (-1,6%) und Schweinen (-1,1%). Während die Abnahme des Produktionswerts von Rindern ebenfalls aus gesunkenen Preisen resultierte, standen in der Schweinehaltung leicht gestiegene Preise einem Rückgang des Produktionsvolumens gegenüber. Wertmäßige Zuwächse konnten in der Geflügel- und Eiererzeugung verzeichnet werden.

Produktionskosten relativ stabil

Die Aufwendungen für Vorleistungen beliefen sich heuer auf geschätzte 4,2 Mrd. Euro (+0,2%). Die Vorleistungspreise lagen dabei im Mittel um 1,5% unter dem Vorjahresniveau, wobei vor allem die Treibstoff- und Düngemittelpreise deutlich nachgaben. Die Abschreibungen für das Anlagevermögen betrugen etwa 1,9 Mrd. Euro (+0,2%). Die sonstigen Produktionsabgaben sanken nach ersten Schätzungen um 15,3% auf 0,15 Mrd. Euro.

Mehr öffentliche Gelder

Die für die Ermittlung des landwirtschaftlichen Einkommens zu berücksichtigenden öffentlichen Gelder (laut LGR-Terminologie "Gütersubventionen" und "sonstige Subventionen") erhöhten sich heuer in Summe um 6,6%: Mit rund 1,5 Mrd. Euro stellen sie einen wesentlichen Einkommensbestandteil dar. Der Anstieg im laufenden Jahr war vor allem auf die Frostentschädigungen für den Obst- und Weinbau sowie in geringerem Ausmaß auch auf gestiegene Zahlungen im Rahmen des Österreichischen Agrar-Umweltprogramms ÖPUL zurückzuführen.

Ausführlichere Informationen zur Einkommensentwicklung der österreichischen Landwirtschaft 2016 werden im Februar 2017 anlässlich der Publikation der zweiten Vorschätzung der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung veröffentlicht.