EU-Agrarmärkte bis 2024: Produktionszuwächse ohne Preiseinbußen erwartet

Europäische Kommission setzt auf Exporte.

Brüssel, 9. Dezember 2014 (aiz.info). - Die EU-Kommission rechnet mit guten Absatzmöglichkeiten auf dem Weltmarkt, die einen Zuwachs der Erzeugung ohne Preiseinbußen zulassen, wie aus ihrer mittelfristigen Vorausschau für die EU-Agrarmärkte hervorgeht. Überschüsse werden demnach den Absatz von landwirtschaftlichen Produkten in den kommenden zehn Jahren kaum belasten.

Ausgehend von einer stabilen Getreideproduktion setzt die Brüsseler Behörde die Erzeugung in der EU im Jahr 2024 auf 317 Mio. t an. Der Anteil von Weizen und Mais wird daran weiter zunehmen. Trotz der leicht ansteigenden Erzeugung geht die Kommission von einem Bestandsabbau aus. Sie begründet dies mit weiterhin guten Exportmöglichkeiten und einer steigenden Nachfrage nach Futtermitteln auf dem EU-Binnenmarkt. Der Nachfrageboom nach Getreide für die Bioethanolherstellung ist dagegen nach ihrer Ansicht vorbei. Der Getreidepreis wird im Durchschnitt der kommenden Jahre bei 180 Euro pro t liegen, also nicht mehr so hoch wie 2010 bis 2012.

Auch was den Export von Schweinefleisch angeht, bleibt die EU-Kommission optimistisch. Sie geht von einer Steigerung der Ausfuhren auf 2,5 Mio. t bis 2024 aus, was einem Zuwachs von 20% entspricht. Der wichtigste Absatzmarkt bleibt China, wo die Nachfrage nach Fleisch der immerhin steigenden heimischen Erzeugung vorauseilt. Auch Vietnam und die Philippinen kommen als Käufer für Schweinefleisch aus der EU in Frage. Was Russland angeht, bleibt die EU-Kommission vorsichtig. Selbst wenn im kommenden Jahr das Einfuhrverbot aufgehoben werden sollte, führe der höhere Selbstversorgungsgrad in Russland zu niedrigeren Importen, argumentiert die EU-Kommission.

Milch: Mehrproduktion findet Weg in den Export

In der EU werden im Jahr 2018 etwa 10 bis 13 Mio. t mehr Milch als in diesem Jahr erzeugt. Diese Menge muss nach dem Wegfall der Mengenbeschränkungen in der EU exportiert werden, erklärte Christophe Lafougere vom französischen Beratungsbüro GIRA. Dabei käme es auf eine möglichst hohe Wertschöpfung durch den Verkauf von Marken an. Die Genossenschaften täten sich leider schwer, neben den Massenprodukten auch Marken aufzubauen, kritisierte Lafougere auf einer Konferenz der EU-Kommission "2024 prospects for EU agricultural markets" in Brüssel.

Führend seien hier eindeutig die privaten Molkereien. Auch im Export spielen die Molkereigenossenschaften nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich Friesland Campina und die Arla hätten einen größeren Exportanteil am Umsatz. Die anderen Genossenschaften beschränkten sich überwiegend auf den EU-Binnenmarkt. Wenn die privaten Molkereien ihre Milcherfassung auf Mengen begrenzen, die sie auch gewinnbringend absetzen könnten, käme den Genossenschaften eine wichtige Rolle nach dem Ende der Quoten zu. Diese erfassten wahrscheinlich mehr und mehr Milch. Um beim Auszahlungspreis mithalten zu können, müssten sie sich deshalb verstärkt um den Aufbau von Marken und um den Export kümmern, betonte der Marktexperte.

In der österreichischen Milchwirtschaft dominieren genossenschaftliche Strukturen. Knapp die Hälfte der heimischen Milchproduktion wird im Ausland (überwiegend im EU-Raum) vermarktet.

Zucker mit Preisminus und Produktionsplus

In ihrer Prognose geht die EU-Kommission für die Ölsaatenproduktion von einem langsamen Wachstum auf bis zu 32 Mio. t aus. Während Raps und Sonnenblumen weiterhin dominieren, wird die EU zusätzlich auf 22,4 Mio. t "Proteinimporte", hauptsächlich in Form von Sojamehl, angewiesen sein.

Trotz der erwarteten Preisreduktionen bei Zucker nach Abschaffung der Quoten in der EU im Jahr 2017 werden eine Produktionssteigerung um 2% und verringerte Importe prognostiziert. Auch der Zuckerverbrauch könnte sinken, nachdem ein gesteigerter Einsatz von Isoglukose auf etwas mehr als 10% von den gesamten Süßungsmitteln vorhergesagt wird.

Für die EU-Rindfleischproduktion geht die Europäische Kommission in den Jahren 2014 bis 2015 von einer Erholung auf Basis aufgestockter Milchviehherden nach einem starken Rückgang in den vergangenen beiden Jahren aus. Es wird jedoch erwartet, dass die Fleischproduktion relativ rasch wieder ihren Abwärtstrend auf ein Niveau von 7,6 Mio. t im Jahr 2024 - leicht unter dem Wert von 2014 - fortsetzen wird. Mehr Informationen zu den einzelnen Agrarrohstoffen sind im Originalbericht - der auf aiz.info als Download zur Verfügung steht - abrufbar.

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