EU: Erzeugermilchpreise beginnen sich zu stabilisieren

Führende europäische Molkereien zahlten im August im Schnitt 30,91 Cent.

Den Haag, 5. Oktober 2015 (aiz.info). - Nachdem der kontinuierliche Rückgang der EU-Erzeugermilchpreise im Juli 2015 vorerst gestoppt werden konnte, kam es im August zu einem geringfügigen Anstieg. Führende europäische Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Schnitt 30,91 Cent netto je kg Rohmilch, das entspricht gegenüber dem Vormonat Juli einem Plus von 0,07 Cent. Das Vorjahresniveau wurde aber immer noch um 7,7 Cent oder 20% unterschritten. Dies geht aus der jüngsten Erhebung des niederländischen Bauernverbandes (LTO) hervor.

Der LTO-Durchschnittswert wird monatlich in Kooperation mit EDF (European Dairy Farmers) auf Basis der Auszahlungsleistungen von 16 großen Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß sowie einer jährlichen Anlieferung von 500.000 kg errechnet. Zum Vergleich: Der österreichische Erzeugermilchpreis hat sich im August 2015 ebenfalls stabilisiert. Mit durchschnittlich 32,86 Cent netto lag er (auf Basis einer geringeren Anlieferung) um 0,13 Cent über dem Vormonat Juli.

Die leichte Anhebung des LTO-Durchschnittspreises ist vor allem den französischen Molkereien Bongrain (+1,1 Cent) und Sodiaal (+3,1 Cent) zu danken, beide hoben ihre Auszahlung deutlich an. Das Unternehmen Lactalis hat immerhin eine Preiserhöhung für den Herbst angekündigt, im August wird aber noch ein Minus von 0,3 Cent verzeichnet. Einen geringeren Auszahlungspreis meldeten auch das führende deutsche Unternehmen DMK und die dänische Großmolkerei Arla Foods (beide -1 Cent) sowie die niederländischen Verarbeiter DOC Cheese (-0,5 Cent) und Friesland Campina (-1,5 Cent).

Mehrere Molkereien ließen ihre Erzeugerpreise im August unverändert. Der finnische Milchverarbeiter Hämeenlinnan zahlte aufgrund eines Saisonzuschlages um 1,9 Cent mehr als im Juli und lag mit 39,72 Cent je kg an der Spitze. Nur das italienische Unternehmen Granarolo kam mit 38,29 Cent auf einen ähnlich hohen Wert. Den geringsten in der LTO-Statistik enthaltenen Rohmilcherlös mussten wiederum die Lieferanten der holländischen Molkerei DOC Cheese mit 24,19 Cent akzeptieren. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Erzeugerpreis ergab sich damit eine Differenz von 15,5 Cent.

Mehr Milch angeliefert

Die LTO-Experten verweisen in ihrer Analyse darauf, dass in mehreren EU-Mitgliedsländern derzeit mehr Milch als im Vorjahr produziert wird, beispielsweise in Irland, Polen und den Niederlanden. In Österreich wurde im August 2015 das Vorjahresniveau um 2,6% überschritten. Von Jänner bis August 2015 lag die Menge mit 2,1 Mio. t Rohmilch jedoch um 0,7% unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Auch außerhalb Europas sei in manchen Ländern das Milchangebot gestiegen, wird betont. Gleichzeitig halte sich China derzeit als Käufer auf dem Weltmarkt eher zurück. Für positive Stimmung am Milchmarkt sorgten dagegen die jüngsten drei Auktionen an der internationalen Handelsplattform GlobalDairyTrade (GDT). Die Notierungen seien in Summe deutlich angestiegen, nachdem der größte Anbieter - der neuseeländische Marktführer Fonterra - sein Angebot deutlich reduziert habe, so die LTO.