EU: Erzeugermilchpreise tendieren endlich wieder nach oben

Im Juli kam es zu leichtem Anstieg um 0,32 Cent.

Den Haag, 5. September 2016 (aiz.info). - Die EU-Erzeugermilchpreise konnten im Juli 2016 - erstmals seit einem Jahr - wieder zulegen. Führende europäische Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Schnitt 25,39 Cent netto/kg Rohmilch und damit um 0,32 Cent mehr als im Vormonat Juni. Gegenüber dem Vorjahresniveau ergab sich aber noch ein Minus von 4,9 Cent oder 16%. Dies geht aus der jüngsten Preiserhebung des niederländischen Bauernverbandes (LTO) hervor. Zum Vergleich: Die österreichischen Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Juni für Rohmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß durchschnittlich 29,84 Cent netto und somit um 0,14 Cent netto mehr als im Vormonat Juni.

Nach Angaben der LTO haben mehrere an diesem Milchpreisvergleich teilnehmende Molkereien ihre Auszahlungspreise im Juli angehoben. Konkret waren dies die britische Dairy Crest (+1,2 Cent), die irischen Verarbeiter Dairygold (+1,5 Cent) und Glanbia (+1 Cent), weiters Müller Milch in Deutschland (+1 Cent) und Danone in Frankreich (+0,4 Cent). Nur ein Unternehmen (Lactalis -0,3 Cent) reduzierte seinen Erzeugerpreis, die restlichen in dieser Statistik enthaltenen Molkereien ließen ihre Preise im Berichtsmonat unverändert.

Auch für die folgenden Monate ortet die LTO Beispiele für positive Preistendenzen: So haben Arla Foods in Dänemark und FrieslandCampina in den Niederlanden ihre Auszahlung im September um 1,2 Cent angehoben. Für beide Unternehmen ist dies der erste Anstieg in diesem Jahr. Auch Dairy Crest zahlt im September um 1,2 Cent mehr an seine Lieferanten aus.

Der französische Molkereiriese Lactalis, der sich im Juli noch mit einem Minus von 0,3 Cent als negativer Ausreißer erwies, sah sich nach Bauerndemonstrationen und Werkblockaden gezwungen, seinen im Vergleich mit den Mitbewerbern unterdurchschnittlichen Milchpreis anzuheben. Lactalis hat jetzt angekündigt, in den verbleibenden Monaten dieses Jahres um 3,5 Cent mehr auszuzahlen.

Tabellen-Schlusslicht DMK hebt Erzeugerpreis an

Der deutsche Marktführer DMK lag im Juli 2016 in der LTO-Statistik mit 20,24 Cent am unteren Ende der Tabelle und ließ diesen Preis auch im August unverändert. Vor einer Woche kündigte das Unternehmen steigende Erzeugerpreise in den kommenden Monaten an und begründete dies vor allem mit der geringeren Milchanlieferung. Nach Angaben der "Agrarzeitung" wurde der DMK-Grundpreis bereits im September um rund 2 Cent angehoben. Einschließlich eines Nachhaltigkeits- und Logistikbonus dürfte der Auszahlungspreis jetzt bei 23 Cent liegen.

Der LTO-Durchschnittswert wird bekanntlich jeden Monat in Kooperation mit EDF (European Dairy Farmers) auf Basis der Auszahlungsleistungen von 15 großen Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß sowie einer jährlichen Anlieferung von 500.000 kg errechnet.

Sinkende Milchanlieferungen in der EU

Die LTO-Experten verweisen in ihrer Analyse darauf, dass im Monat Juni 2015 die EU-Milchanlieferung zum ersten Mal seit der Abschaffung der Milchquote im April 2015 gesunken ist, und zwar um rund 1%. (Anmerkung: In Summe lag die Menge von Jänner bis Juni 2016 noch um 3,3% über dem Vorjahresniveau.) Auch außerhalb der EU, insbesondere in Ozeanien, registriere man Bremsbewegungen, wird betont. So sei in Australien der Rückgang der Anlieferung bereits seit Monaten spürbar. Auch in Neuseeland zeichne sich angesichts der Verringerung der Kuhherden für die aktuelle Saison in Summe ein geringeres Rohmilchangebot ab.

Die Preise für Standardmilchprodukte haben laut LTO zum Teil bereits im Mai 2016 die Talsohle durchschritten und verzeichnen mittlerweile einen spürbaren Aufwärtstrend. Dies betreffe speziell den Fettanteil, was in höheren Notierungen für Butter, Käse und auch für Vollmilchpulver zum Ausdruck komme, wird betont. Die Notierung für Magermilchpulver entwickle sich ebenfalls positiv, allerdings nicht so stark wie andere Grundprodukte. Sie liege aber immerhin deutlich über dem Interventionspreis-Niveau.