EU-Kommission korrigiert Prognose für Getreideernte nach unten

Nationale Experten rechnen mit noch stärkeren Einbußen bei Weizen.

Brüssel, 24. August 2016 (aiz.info). - Der Prognosedienst der EU-Kommission, MARS, hat Anfang dieser Woche in seinem Bericht die Ertragserwartungen für Getreide und Raps im Vergleich zum Vormonat spürbar nach unten korrigiert. Die Durchschnittserträge für sämtliche Getreidearten werden gegenüber der Juli-Prognose um 2,9% geringer angegeben. Vor allem die schlechte Weichweizenernte in Frankreich kommt hier zum Tragen. MARS geht aber nach wie vor auf EU-Ebene in Summe von einem Durchschnittsergebnis gegenüber dem Fünf-Jahres-Schnitt aus, berichtet die "agrarzeitung" online. Experten in wichtigen Produktionsländern wie Frankreich oder Deutschland rechnen aber mit stärkeren Einbußen.

Der Grund für den Optimismus in Brüssel ist, dass 2016 die regionalen Abweichungen erheblich sind. Rekordverdächtige Getreideernten in Spanien, Rumänien und Ungarn stehen schwachen Ergebnissen in Teilen Nordwest- und Nordosteuropas gegenüber. In dieser Beobachtung sind sich auch alle Analysten einig. Große Unterschiede gibt es jedoch im Urteil, inwieweit sich Mehr- und Mindererträge ausgleichen und wie groß die Einbußen in den Regionen mit ungünstigem Witterungsverlauf tatsächlich sind.

Große Abweichungen bei Weizen

Auffallend zurückhaltend beurteilt die Kommission die Ertragsrückgänge in den beiden wichtigsten Anbauländern für Getreide und Raps, nämlich Frankreich und Deutschland. MARS geht zum Beispiel für französischen Weichweizen von einem Ertragsrückgang im Vergleich zum Fünf-Jahres-Mittel um 11% aus, wogegen die Statistikabteilung des Agrarministeriums in Paris (Agreste) mit -21% rechnet. Für deutschen Weizen erwartet MARS einen Durchschnittsertrag von 7,8 t/ha, während der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) vor wenigen Tagen 7,5 t/ha geschätzt hat. Der Bauernverband (DBV) befürchtet in seiner jüngsten Prognose vom vergangenen Freitag sogar ein Absinken des mittleren Winterweizenertrags auf 7,3 t/ha.

Läge der Prognosedienst der EU-Kommission mit seinen Zahlen richtig, würden nach Berechnungen von "agrarzeitung" in Frankreich rund 5 Mio. t mehr Weichweizen gedroschen als bei den von Agreste vermuteten Erträgen. In Deutschland würde laut MARS um etwa 1 Mio. t mehr Weizen eingebracht als gemäß den DRV-Prognosen. Auch bei anderen Getreidearten wie etwa Raps gibt es spürbare Abweichungen.

Mais: Deutliche Schwankungen erwartet

In seiner Prognose für Körnermais geht MARS im Durchschnitt aller EU-Länder von einem Ertrag aus, der um 4% höher als der fünfjährige Mittelwert liegt. In Deutschland sollen es sogar mehr als 10 t/ha Körnermais werden, was um 8% mehr als der fünfjährige Mittelwert wäre. DRV und DBV schätzen die Hektarerträge derzeit auf knapp 9 t/ha und weisen darauf hin, dass bei entsprechenden Wetterbedingungen noch Steigerungen möglich wären. Generell wird aufgrund der sehr unterschiedlichen Niederschlagsverteilung in der EU heuer mit starken Schwankungen der Maiserträge in den einzelnen Mitgliedstaaten gerechnet.