EU: Rückgang der Erzeugermilchpreise setzte sich im Juni fort

Im Schnitt wurden von führenden Molkereien 25,14 Cent bezahlt.

Den Haag, 8. August 2016 (aiz.info). - Die EU-Erzeugermilchpreise waren auch im Juni 2016 rückläufig, allerdings fiel das Minus nicht mehr so deutlich wie in den Vormonaten aus. Führende europäische Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Schnitt 25,14 Cent netto je kg Rohmilch und damit um 0,18 Cent weniger als im Vormonat Mai. Gegenüber dem Vorjahresniveau betrug der Rückgang 5 Cent oder knapp 17%. Dies geht aus der jüngsten Preiserhebung des niederländischen Bauernverbandes (LTO) hervor. Zum Vergleich: Die österreichischen Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Juni für Rohmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß durchschnittlich 29,70 Cent netto, das waren um 0,26 Cent netto weniger als im Vormonat, während sich gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 11,3% ergab.

Seit dem Start des LTO-Milchpreisvergleichs im Jahr 1999 war der Auszahlungspreis im Monat Juni noch nie so niedrig wie heuer. Die meisten in dieser Statistik enthaltenen Molkereien ließen ihre Preise im Berichtsmonat unverändert, nur Arla in Dänemark (-1,3 Cent), DOC Cheese in Holland (-1 Cent) und das führende deutsche Molkereiunternehmen DMK (-1 Cent) reduzierten ihre Auszahlung. Im Juli und August blieben die Erzeugerpreise dieser Molkereien unverändert - gleiches gilt für FrieslandCampina. Müller Milch (BRD) und Danone (Frankreich) waren die einzigen Verarbeiter im LTO-Vergleich, die im Juni mehr auszahlten (beide um 0,5 Cent).

Der LTO-Durchschnittswert wird bekanntlich jeden Monat in Kooperation mit EDF (European Dairy Farmers) auf Basis der Auszahlungsleistungen von 15 großen Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß sowie einer jährlichen Anlieferung von 500.000 kg errechnet. Zum ersten Mal wurde in diesen Preisvergleich das finnische Molkereiunternehmen Valio aufgenommen. Es verarbeitet jährlich rund 1,9 Mio. t Rohmilch, das entspricht 80% der nationalen Produktion.

Milchanlieferungen in der EU nähern sich dem Vorjahresniveau

Die EU-Kommission hat soeben eine Berechnung für den durchschnittlichen Erzeugerpreis im Juni 2016 in der gesamten Union veröffentlicht, diese beläuft sich auf 25,81 Cent/kg (basierend auf Milch mit natürlichem Fett- und Eiweißgehalt). Für den Monat Juli erwartet die Brüsseler Behörde in einer Vorausschätzung ein weiteres Absinken auf 25,54 Cent.

Nach Angaben der Kommission lagen die Milchanlieferungen in der Europäischen Union im Mai 2016 noch um 0,8% über dem Vorjahreswert. Von Jänner bis Mai dieses Jahres wurde in der EU in Summe um 4,5% mehr Rohmilch angeliefert als im selben Zeitraum 2015. (Anmerkung: In Österreich lag die Menge in den ersten fünf Monaten 2016 noch um gut 7% über dem Vorjahresniveau. Im Mai 2016 wurden 297.045 t angeliefert, das waren um rund 9.700 t mehr als vor einem Jahr. Rechnet man davon jene Rohmilch weg, die von heimischen Landwirten an Molkereien im Ausland geliefert wurde, so lag die Anlieferung ziemlich exakt auf der Vorjahreslinie.)

Die durchschnittlichen Preise für Molkereiprodukte konnten in der EU im Juli 2016 zulegen. Anstiege wurden laut Kommission insbesondere bei Molkenpulver, Käse (Edamer, Gouda, Cheddar), Butter und Milchpulver verzeichnet. Auf dem Weltmarkt erhöhten sich die Notierungen für EU-Milcherzeugnisse (berechnet in US-Dollar) ebenfalls, während in Ozeanien (speziell bei Butter) und in den USA (bei Magermilchpulver) rückläufige Notierungen gemeldet wurden.

Deutliche Exportsteigerung

Die EU-Exporte an Standard-Molkereiprodukten konnten in den ersten fünf Monaten dieses Jahres (ausgedrückt in Milchäquivalent) um 6,8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum angehoben werden. Die deutlichsten Steigerungen wurden bei Butteröl (+45%), Butter (+36%), Käse (+15%) und Vollmilchpulver (+3%) registriert. Gleichzeitig kam es bei Magermilchpulver zu einem Minus von 12%. Speziell Käse fand auf den Hauptexportmärkten der EU (vor allem USA, Japan, Saudi-Arabien und Südkorea) vermehrten Absatz.

China tritt seit Monaten wieder verstärkt als Käufer auf dem Weltmarkt für Milchprodukte auf. Von Jänner bis Mai nahmen sich die Einfuhren dieses Landes vor allem bei Butter (+34%), Käse (+24%), Molkenpulver (+21%), Vollmilchpulver (+20%) und Magermilchpulver (+9%) zu. Japan und die USA waren im Mai 2016 die größten Importeure von Käse und verzeichneten dabei deutlich steigende Volumen. Drittgrößter Importeur war im Mai Russland mit einem Anstieg der Einfuhren um 26% gegenüber dem Vorjahr. Käse kaufen die Russen bevorzugt in Weißrussland. Saudi-Arabien, Ägypten und die USA waren in den ersten fünf Monaten dieses Jahres die bedeutendsten Abnehmer von Butter aus der EU, während Algerien der Hauptmarkt für Magermilchpulver aus der Union war.