EU-Schweinemarkt: Hitzeverzögerte Schlachtreife ermöglicht Preisplus

Notierung kann in Österreich um 6 Cent zulegen.

Wien, 4. September 2015 (aiz.info). - Die außerordentlich hohen Temperaturen im zu Ende gehenden Sommer hinterlassen am EU-Schweinemarkt nun positive Spuren beim Preisgefüge. In weiten Teilen Europas herrscht derzeit eine Knappheit an schlachtreifen Schweinen, wie sie für diese Jahreszeit eigentlich unüblich ist. Die Erklärung dafür ist die temperaturbedingte Verringerung der Mastleistung, wodurch viele Schweinepartien ein bis zwei Wochen länger im Maststall stehen. Inzwischen ist die Verknappung auch am Fleischmarkt angekommen, wodurch sich etwa in Deutschland die Erzeugervertreter mit ihren Preisvorstellungen (+6 Cent) durchsetzen konnten. Weniger Positives melden die Mittelmeerländer, die wegen der heimreisenden Urlauber nur mit Mühe den Preis halten können beziehungsweise mit leichten Einbußen in die neue Woche gehen.

In Österreich ist seit Wochen das neue Angebot an schlachtreifen Schweinen kaum bedarfsdeckend. Neben den oben beschriebenen, das Angebot verringernden Faktoren verschärft ein durch angenehmere Temperaturen wiederbelebtes Grillgeschäft jetzt die Suche nach schlachtreifen Partien. Vor diesem Hintergrund konnte die Schweinebörse im Einvernehmen mit den Abnehmern die Mastschweine-Notierung um 6 Cent nach oben setzen, sie liegt jetzt bei 1,50 Euro (Berechnungsbasis: 1,40 Euro je kg).

"Die Tatsache, dass namhafte Länder wie Spanien und Frankreich eher schwächeln, ist als Bremse für weitere Preisentwicklungen zu bewerten. Da das Angebot in unseren Breiten aber auch noch in den nächsten Wochen nicht drückend sein dürfte, scheint ein gewisses Fundament für das neue Preisniveau gegeben", fasst Johann Schlederer von der Schweinebörse die kurzfristigen Marktaussichten zusammen.

100 Mio. Euro Verlust nach einem Jahr Russland-Embargo

Was die mittelfristige Perspektive betrifft, so wird laut Schlederer der Druck am EU-Schweinemarkt weiter anhalten, wenn der russische Markt nicht geöffnet wird und keine gleichwertigen Alternativmärkte gefunden werden. In der jüngsten Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Verbandes Österreichischer Schweinebauern beziffert Schlederer die bisherigen Verluste nach einem Jahr Russland-Embargo mit rund 100 Mio. Euro - die Zahl ergibt sich aus einem Wertverlust von mindestens 20 Euro pro Schlachtschwein und einer inländischen Jahresproduktion von 5 Mio. Tieren. Hochgerechnet auf die gesamte EU wären das mehr als 5 Mrd. Euro.

Im Hinblick auf die Sondersitzung des EU-Agrarrats, bei der die Schweinemarktkrise ein wichtiges Thema ist, stellt Schlederer - so wie Experten auch aus anderen EU-Ländern - fest, dass die geförderte Private Lagerhaltung (PLH) derzeit wenig Sinn mache, "weil die Lager ohnehin schon voll sind und keine Aussicht auf Entspannung im nächsten Halbjahr besteht". Das Instrument der Drittlanderstattung dürfte Brüssel wegen eventueller WTO-Klagen auch nicht einsetzen. Daher bleibe als mögliche Maßnahme die Suche nach neuen Exportmärkten und nach alternativer Verwendung von eingelagertem Fett, das für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet ist (etwa für die Erzeugung von Biotreibstoff). Langfristig wäre es notwendig, so der Experte, gemeinsam mit den Branchenvertretern einen umfassenden Reformplan für die Schweinehaltung in Europa zu entwickeln.