EU-Schweinemarkt: Jahresschlussverkauf zu tiefen Preisen

Private Lagerhaltung von Schweinefleisch startet ab Jänner.

Wien, 18. Dezember 2015 (aiz.info). - Am europäischen Schweinemarkt wird kurz vor den Weihnachtsfeiertagen - vom Schlachthof bis ins Supermarktregal - auf Volllast gearbeitet. Vor diesem Hintergrund berichtet Deutschland von geräumten Märkten im Norden, während Schlachtbetriebe im Süden der BRD noch immer aus dem Vollen schöpfen können. Die deutsche Notierung bleibt jedenfalls unverändert. Mit Schweinefleisch zu Ramschpreisen sorgen spanische Anbieter anhaltend für Unverständnis in der Branche. Die von der EU unterstützte Private Lagerhaltung von Schweinefleisch (PLH) soll ab Jänner für Entspannung sorgen.

In Österreich gelang diese Woche trotz flottem Weihnachtsgeschäft keine Räumung des Marktes. Ideale Temperaturen in den Mastställen sowie überdurchschnittliche Futterqualität aus der letzten Ernte bescheren Rekordwerte bei der Mastleistung und schieben damit mehr und vor allem schwerere Schweine Richtung Schlachthaken als erwartet. In Anlehnung an die stabilen Verhältnisse am EU-Binnenmarkt bestand auch an der österreichischen Schweinebörse Einvernehmen über einen unveränderten Mastschweine-Notierungspreis, er liegt somit weiterhin bei 1,23 Euro je kg Schlachtgewicht (Berechnungsbasis: 1,13 Euro je kg).

"Feiertagsbedingt fehlt in den nächsten zwei Wochen zirka ein Drittel der Schlachtkapazität. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das aktuelle Preisniveau den Jahreswechsel erleben wird", stellt Johann Schlederer von der Schweinebörse zu den kurzfristigen Marktaussichten fest.

Private Lagerhaltung soll Markt entlasten

Ab 4. Jänner 2016 können Anträge auf Beihilfen für die Private Lagerhaltung von Schweinefleisch (PLH) gestellt werden. Die bereits im September von EU-Agrarkommissar Phil Hogan angekündigte und am 1. Dezember beschlossene Maßnahme soll den seit dem Vorjahr in einer schwierigen Lage befindlichen EU-Schweinemarkt stabilisieren. In den letzten Monaten hat sich der Preisdruck nochmals erhöht.

Im Amtsblatt der Europäischen Union wurde jetzt die Durchführungsverordnung zur PLH veröffentlicht. Demnach liegen die Fördergelder, je nach Teilstück und Lagerdauer (90, 120 oder 150 Tage), zwischen 250 und 364 Euro je t. Das bedeutet eine Erhöhung um rund 20% gegenüber der letzten PLH, die im März und April 2015 lief. Außerdem werden Zuschüsse auch für die Einlagerung von Schweinespeck (mit oder ohne Schwarte) gewährt. In dieser Kategorie beträgt die Lagerbeihilfe 168 bis 182 Euro je t. Schweinespeck ist traditionell auf dem russischen Markt gefragt und daher stark von der von Moskau verhängten Einfuhrsperre betroffen.

Eine weitere Neuerung ermöglicht laut AMA die vorzeitige Auslagerung frühestens nach 60 Tagen, wenn die Ware in Drittländer exportiert wird. In diesem Fall werden die Förderbeträge um bestimmte Tagessätze gekürzt, die in der Verordnung veröffentlicht wurden.

Die Mindestmengen für Anträge betragen 10 t bei knochenloser Ware beziehungsweise 15 t bei Schweinefleisch mit Knochen. Außerdem muss eine Sicherheit von 20% des Beihilfenbetrages geleistet werden.