EU-Schweinemarkt: Stabilisierung nach wochenlangem Preisverfall

Österreich: Notierung auf dem Vorwochenniveau fixiert.

Wien, 27. November 2015 (aiz.info). - Im Oktober und November 2015 stand auf dem europäischen Schweinemarkt ein Minus vor den Notierungen. Zögerliches oder vorsichtiges Abnehmerverhalten, Überhänge und steigende Schlachtgewichte waren Begleiterscheinungen dieses Marktszenarios. Nach dem nunmehrigen Erreichen von annährend historischen Tiefpreisen und dem näher rückenden Weihnachtsgeschäft scheint sich die Marktlage nun zu drehen. Deutschland berichtet von ausgewogenen Verhältnissen und setzt mit einer unveränderten Notierung ein klares Zeichen. Während die meisten EU-Länder es der BRD gleich tun, schwächelt insbesondere Spanien wegen der starken Produktionsausweitung. Positive Meldungen kommen aus Frankreich, wo sich die Marktteilnehmer nun doch wieder zu einer gemeinsamen Preisbildung zusammenraufen konnten.

In Österreich ist der Schweinemarkt nach wie vor reichlich versorgt, aber auch hierzulande hat die stabile Notierung positive Impulse beim Bestellwesen ausgelöst. Aufgrund der seit Wochen mitgeschleppten Überhänge können die Abnehmer nun aus dem Vollen schöpfen. Infolgedessen wurde der Börsepreis einvernehmlich auf dem Vorwochenniveau fixiert. Die Mastschweine-Notierung liegt somit weiterhin bei 1,23 Euro (Berechnungsbasis: 1,13 Euro je kg Schlachtgewicht).

"Nunmehr verbreitet sich vorsichtiger Optimismus, der zu einer Absicherung der stabileren Verhältnisse beitragen dürfte. Das Weihnachtsgeschäft und die von der EU-Kommission avisierte Private Lagerhaltung für Schweinefleisch ab Jänner leisten dazu auch einen positiven Beitrag", erklärt Johann Schlederer von der Schweinebörse zu den kurzfristigen Marktaussichten.

EU-Schweinefleischexport wächst - Produktion steigt auch

Neben der Privaten Lagerhaltung soll auch der verstärkte Export von Schweinefleisch aus der EU dabei helfen, das diesjährige Überangebot am Binnenmarkt zu verringern. Wie laut "Agra Europe" aus aktuellen Daten der EU-Kommission hervorgeht, wurden in den ersten drei Quartalen 2015 rund 2,32 Mio. t Schweinefleisch einschließlich lebender Tiere und Nebenerzeugnissen in Drittländer verkauft; das waren 128.600 t oder 5,9% mehr als im Vorjahreszeitraum. Vor allem die Lieferungen nach China und Südkorea konnten deutlich erhöht werden, während Japan und Hongkong weniger Fleisch orderten.

Die insgesamt höheren EU-Exporte werden auch notwendig sein, weil laut aktuellen Prognosen die EU-Schweineproduktion heuer gegenüber 2014 um etwa 7 Mio. Tiere oder 3% zulegen wird, woraus ein Anstieg des Fleischaufkommens um mehr als 600.000 t resultieren würde. Zwar geht die EU-Kommission derzeit davon aus, dass 2015 der innergemeinschaftliche Verbrauch um 475.000 t oder 2,8% zulegen wird; allerdings bezweifeln manche Analysten, dass der dafür unterstellte Konsumanstieg von durchschnittlich 700 g Schweinefleisch auf einen Jahresverbrauch von 32,7 kg pro Kopf tatsächlich in diesem Ausmaß Realität wird. Zumindest in Deutschland, dem größten EU-Markt, hat sich dieser höhere Verbrauch laut Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) in den ersten drei Quartalen 2015 noch nicht bestätigt.