EU-Schweinemarkt: Weiter Preisdruck - WHO-Studie verunsichert die Abnehmer

Mastschweine-Notierung sinkt in Österreich um 4 Cent.

Wien, 30. Oktober 2015 (aiz.info). - Klar über der Bedarfsdeckung liegt zurzeit das Schweineangebot am gesamten europäischen Binnenmarkt. Seit Wochen ziehen die zwei größten Schweineproduzenten - Deutschland und Spanien - Rekordzahlen an Tieren über die Schlachtbänder, was den Sättigungsgrad am Fleischmarkt weiter erhöht. Preisrückgänge von bis zu 4 Cent wie in Deutschland sind die Folge. In Frankreich und Italien ist die offizielle Preisbildung anhaltend lahm gelegt, weil die Vertreter von Anbieter- und Abnehmerseite nicht mehr verhandlungsbereit sind. Intransparente Verhältnisse und noch schlechtere Preise resultieren daraus.

In Österreich fehlte durch den Nationalfeiertag ein Fünftel der üblichen Wochen-Schlachtkapazität. Die Schlachtbetriebe zeigten kein Interesse, diesen Ausfall im Laufe der Woche zu kompensieren und der fleischkritische WHO-Bericht (aiz.info berichtete) leistete hier seinen verzichtbaren Beitrag. Vor dem Hintergrund anhaltender Überhänge musste auch hierzulande eine Preisrücknahme von 4 Cent vollzogen werden. Die Mastschweine-Notierung der Schweinebörse sinkt somit auf 1,36 Euro (Berechnungsbasis: 1,26 Euro je kg).

WHO rudert zurück

"Derzeit überwiegen die Anzeichen auf ein Anhalten der angespannten Verhältnisse am Schweinemarkt. Wichtig wäre, dass die Präsenz der WHO-Studie schnell wieder aus den Medien verschwindet, denn die Fleischindustrie braucht im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft Optimismus und nicht Verunsicherung", stellt Johann Schlederer von der Schweinebörse zur Marktlage fest.

Apropos: Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Anfang der Woche getroffenen Aussagen relativiert, sie fordert jetzt keinen völligen Verzicht auf Wurst, berichtet die DPA. Nach Protesten und Aufrufen zur Klarstellung erklärte die WHO am Donnerstag in Genf, die jüngste Bewertung ihrer Behörde verlange nicht von den Menschen, "Lebensmittel wie Wurst, Schinken und anderes verarbeitetes Fleisch gar nicht mehr zu essen". Die Agentur mache lediglich darauf aufmerksam, dass ein geringerer Verzehr das Darmkrebsrisiko vermindern könne.