Europäischer Weizenmarkt zeigt sich hin- und hergerissen

Österreichs Maisernte: Höhepunkt überschritten - Nassmaispreis zieht etwas an.

Wien, 3. November 2017 (aiz.info). - Der europäische Weizenmarkt und die Kurse an der Pariser Euronext zeigten sich in der abgelaufenen Woche hin- und hergerissen: nämlich zwischen Euroschwäche (Freitagmittag: 1 Euro = 1,165 USD) und Weltmarktnachfrage mit kurzzeitig aufkeimenden Exporthoffnungen auf der einen sowie Exportkater und übervollem Weltmarkt auf der anderen Seite. Dazu kamen negative Vorgaben von der führenden Weltmarktbörse CBoT in Chicago. Somit brach am Mittwoch der Schlusskurs des Dezember-Weizenkontrakts unter die 160-Euro-Marke und den tiefsten Stand seit Anfang September auf 159,50 Euro ein. Am Donnerstag machte er die Verluste mehr als wett und kletterte auf 163 Euro/t. Sowohl in Chicago als auch Paris setzte, ohne dass sich fundamental was geändert hätte, die den Terminmärkten innewohnende "Autokorrektur" ein, indem Marktteilnehmer bei einem Kurstief mit Schnäppchenkäufen starten oder ein Übermaß an Short-Positionen abzubauen beginnen (Short-Covering). Der österreichische Kassamarkt sei laut Marktteilnehmern jüngst in normalen, saisontypischen Bahnen und unaufgeregt dahingelaufen. Es herrsche zwar nicht der Run auf heimischen Brotweizen, aber Abschlüsse würden stetig getätigt und der Vermarktungsfortschritt in der laufenden Saison sei insgesamt als zufriedenstellend wie auch normal zu bezeichnen. Diese Woche entfiel wegen Allerheiligen die Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse.

Laut Landwirtschaftskammer hätten die Körnermaisernte und die draus folgenden Anlieferungen in vielen Regionen Österreichs bereits ihren Höhepunkt überschritten und liefen allmählich in ihre finale Phase aus. Aus Landwirtekreisen wird kolportiert, Agrana Stärke GmbH heben den Erzeugerpreis für Nassmais (alle Nassmaispreise netto, frei Werk und auf Basis 30% Feuchtigkeit) in der kommenden Kalenderwoche 45 neuerlich auf rund 107 Euro/t (102 Euro/t frei Rübenplatz) an. Jungbunzlauer soll weiterhin zu rund 110 Euro/t übernehmen. Wiewohl in Niederösterreich noch immer in Schläuchen gelagerter Nassmais bei Übernehmern herumliegt, hätten Händler zuletzt zu etwas höheren Preisen zwischen 96 und 102 Euro/t aufgekauft.

Saudi-Arabien-Weizentender zeigt Zerrissenheit auf EU-Märkten

Die Zerrissenheit des Europäischen Marktes zeigt sich am jüngsten Weizentender Saudi-Arabiens, bei dem das Königreich bei acht Anbietern insgesamt 484.000 t in A-Weizenqualität mit mindestens 12,50% Protein zur Lieferung im Dezember und Jänner zugeschlagen hat. Deutschland rechnete sich als Anbieter solcher Qualität gute Chancen aus. Letztlich erhielt nur die BayWa einen Teilzuschlag über 60.000 t zu einem cif-Preis von umgerechnet rund 196,50 Euro/t - allerdings in den am Persischen Golf gelegenen Zielhafen Dammam, während die cif-Preise für günstiger am Roten Meer gelegene Destinationen bei umgerechnet etwa 191 Euro/t begannen. Allerdings tauchten am Markt bald Spekulationen auf, dass selbst BayWa ihren Zuschlag nicht aus deutscher Herkunft bedienen werde, sondern über ihre Tochter in Polen. Denn vergleichbare Weizenqualitäten würden aus Polen und vor allem dem Baltikum noch immer günstiger angeboten als aus der Bundesrepublik weshalb die Branche diese Herkünfte als Lieferanten vermutet. Nächster Hoffnungsschimmer für den deutschen Handel bleibt eine bis Ende November offene Ausschreibung für 400.000 t Weichweizenimport Äthiopiens, wo ähnliche Qualitäten zum Zug kommen könnten.

Dies führte zum letztlich erfolglosen Versuch, in Paris über niedrigere Weizenkurse die Konkurrenzfähigkeit Westeuropas zu heben.

Enttäuschend fiel auch der Weichweizenexport der EU in der Berichtswoche bis 31. Oktober mit lediglich 17.725 t aus. Damit hält die Union nach 18 Wochen des Wirtschaftsjahres bei 6,606 Mio. t Weichweizenausfuhren und liegt 25% hinter der Vorjahreslinie zurück. Die jüngsten Wochendaten für den Weizenexport der USA wurden dagegen zwischen 250.000 und 450.000 t erwartet.

Russlands Getreideexport stößt an Kapazitätsgrenzen

In einem kometenhaften Aufstieg seit Beginn des 21. Jahrhunderts macht sich Russland auf den Weg, weltgrößter Getreideexporteur zu werden. Laut Agenturberichten exportierte man 2001 erstmalig nach Importabhängigkeit 1,3 Mio. t, 2002 existierte Kapazität für die Abwicklung von 5 Mio. t Ausfuhren. Aus der heuer eingefahrenen Ernte von 133 Mio. t reicht die Logistik für eine Ausfuhr von 44,5 Mio. t (Vorjahr: knapp 38 Mio. t Export), wiewohl es notwendig wäre, 55 Mio. t außer Landes zu bringen, um die Lager nicht noch weiter anschwellen zu lassen. Einher mit dem Mengendruck aus Russland ging ein weltweiter Preisdruck in jüngster Vergangenheit. Aber, so sehen Analysten ein Ende der Fahnenstange beim Eroberungszug neuer Märkte, reichten die Exportkapazitäten nicht für mehr als 45 Mio. t. Neu geplante Exporteinrichtungen seien demnach, wenn überhaupt, nicht vor 2020 fertig und bis dahin lasse sich der Abfluss von Mengen nicht steigern.

Nach dem Untergang der Sowjetunion verlor Russland seine Exporthäfen im Baltikum und begann neue Terminals am Schwarzen, dem Asowschen und dem Kaspischen Meer zu erreichten, zuletzt auch in Fernost. Gleichzeitig aber waren neue Kapazitätsverluste hinzunehmen, denn die zuvor benutzten ukrainischen Schwarzmeerhäfen bleiben für Russland seit der Annexion der Krim 2014 und der Krise mit der Ukraine verschlossen.

Maismärkte ähnlich wie die von Weizen - Soja unter starkem politischen Einfluss

Ähnlich wie die Notierungen auf den Weizenmärkten entwickelten sich zuletzt die von Mais auf den internationalen Terminmärkten. Kurseinbrüche zu Wochenmitte lösten ebenfalls Schnäppcheneinkäufe und Shortabdeckungen aus, wobei die Notierungen in den USA auf ein Niveau gefallen sein sollen, das den Export wieder ankurbelt.

Die Sojakurse an der CBoT erreichten am Donnerstag ein Wochenhoch. Man erwartet, dass das US-Landwirtschaftsministerium in seinem, nächste Woche zur Veröffentlichung anstehenden, Monatsreport WASDE zu den globalen Versorgungsbilanzen die Sojabohnenernte der USA nach unten revidieren könnte. Zudem laufe der Export aus den USA gut, und wiewohl der jüngste Höhenflug der Rohölpreise zwar mittlerweile gestoppt sein könnte, hält sich etwa die Nordseesorte Brent nach wie vor über 60 USD/bbl (barrel, 159 l). Damit schloss am Donnerstag an der Euronext auch der neue Frontmonat Februar für den Rapsfuture mit 379,25 Euro/t fest.

Die Bewegungen der Sojanotierungen sowie auch die Euro-Dollar Währungsparität unterliegen zurzeit stark den allgemein- und wirtschaftspolitischen Einflüssen unter anderem der Trump-Regierung in den USA und der EU, wo die liberale Geldpolitik wie auch die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens verunsichern. Unter anderem verhandelt die Trump-Administration nach der Verhängung von Strafzöllen auf Biodiesel mit dem südamerikanischen Großexporteur Argentinien gerade ein neues Mindestpreismodell. Nach dem Hin- und Her der Regierung in Washington, ob jetzt ein Klimawandel stattfindet oder nicht beziehungsweise in der Folge um die Beimischpflicht für Biodiesel, benötigen offensichtlich die USA aktuell wieder Sojaöl aus Argentinien.

Chinas Sojahunger wächst weiter - Regierung in Peking will gegensteuern

Das US-Landwirtschaftsministerium schätzt den Sojahunger Chinas, des weltgrößten Importeurs, auf 95 Mio. t im laufenden 2017/18. Damit würde sich der Zuwachs zwar verlangsamen, aber immer noch 1,5 Mio. t zu 2016/17 ausmachen. Jedenfalls beleibt China unangefochtene Nummer eins der Importeure, es nimmt nämlich 64% aller weltweit getätigten Bohneneinfuhren von knapp 149 Mio. t auf.

Allerdings steuert die Regierung in Peking der Abhängigkeit von Weltmarktimporten aktiv entgegen. Als ersten Schritt kürzte man die hohen Garantiepreise für staatliche Maisankäufe, die nicht zuletzt Unmengen an Maisreserven von mehr als der Hälfte der Bestände weltweit in den Silos angehäuft hatten. Dies hatte zur Folge, dass die Agrarbetriebe im Reich der Mitte zuletzt verstärkt auf den Anbau von Sojabohnen umgestiegen waren. Eine Flächenausweitung um 10% bescherte zuletzt eine um 1,5 Mio. t größere Sojabohnenernte von mehr als 14 Mio. t.

Als nächsten Schritt beginnt Peking ab 2018 die Mindestaufkaufspreise für Weizen zu senken. China ist einer der weltweit größten Weizenerzeuger (2017/18: 130 Mio. t, zum Vergleich EU: 151 Mio. t, Indien: 98 Mio. t, Russland: 82 Mio. t, USA: 47 Mio. t) und hat in den vergangenen Jahren ebenfalls riesige Reserven - mehr als ein Jahresverbrauch bei 116 Mio. t - in Höhe von über 127 Mio. t angehäuft. Dies entspricht 48% der weltweiten Weizenendlager von 263 Mio. t. Nunmehr will die Regierung auch hier die Lager abbauen, die Landwirte zum Umstieg auf Sojaanbau drängen und letztlich auch einer Beschwerde der USA bei der Welthandelsorganisation WTO über unlautere Subventionen von Weizen wie auch Mais Wind aus den Segeln nehmen.