EZB und schwacher Euro nähern Weizenfutures wieder 200-Euro-Marke

Auch heimische Preise fest - IGC sieht schwerere globale Versorgungsbilanzen.

Wien, 23. Jänner 2015 (aiz.info). - Das Billionen-Aufkaufsprogramm europäischer Staatspapiere der EZB und der dadurch noch weiter geschwächte Euro, wodurch Weizenexporte der EU auf den Weltmarkt noch wettbewerbsfähiger werden, näherten den europäischen Mahlweizenfutures an der Euronext in Paris zum Liefertermin März am Freitagmittag wieder der 200-Euro-Marke. Die EU-Kommission vergab in der abgelaufenen Woche Weizenexportlizenzen für 728.000 t, womit sich die Ausfuhren im laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 16,1 Mio. t summieren. Nach der von Russland ab Februar eingehobenen Exportsteuer zur Eindämmung des Weizenabflusses und kolportierten informellen Exporthindernissen einigte sich die ukrainische Regierung mit den Exporteuren auf freiwilliger Basis, im verbleibenden Wirtschaftsjahr bis Ende Juni nur mehr 1,2 Mio. t Weizen außer Landes zu lassen, davon 900.000 t im ersten Quartal und 300.000 t im zweiten.

Das Agreement sieht vor, dass das Schwarzmeerland in der gesamten Saison seine Weizenverkäufe in Drittländer bei 12,8 Mio. t deckelt. Demnach müssen die ukrainischen Exportfirmen schon 11,6 Mio. t an Exportgeschäften in den Büchern haben. Die Weizenernte 2014 erreichte einen Rekord von 24,1 Mio. t, wovon im Land selbst 12 Mio. t verbraucht werden.

Preise zeigen auch in Österreich Festigkeit

Der Getreide-Kassamarkt in Österreich brachte in der abgelaufenen Woche keine großartigen, neuen Vorkommnisse und die Preise untermauerten ihre Stabilitätstendenz auf festem Niveau. Die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien notierte am Mittwoch dieser Woche den Premiumweizen unverändert bei durchschnittlich 219 Euro/t, während Qualitäts- und Mahlweizen leicht auf 206 beziehungsweise 178 Euro/t zulegten und ihren zuletzt aufgegangenen Abstand zur Spitzenware etwas verringerten. Die Preisausschläge werden aber vom Handel nicht als signifikant angesehen, sondern spiegelten lediglich die Festigkeit der besseren Weizenqualitäten in Europa wider, heißt es. Die Branche rechnet auch damit, dass diese Tendenz trotz des weltweit großen Weizenangebots und des Aufbaus der Lagerbestände so lange anhalten werde, solange der schwache Euro die Weizenexporte aus der EU florieren lasse.

Ebenfalls leicht, aber nicht signifikant, im Plus fielen auch die Futtergetreidenotierungen (Futtergerste inländisch: 147 Euro/t ab Station, Futterweizen aus der EU: 175 Euro/t CPT österreichische Empfangsstation) aus. Es würden aber nur kleine Volumina heimischen Futtergetreides gehandelt, da sowohl Gerste als auch Weizen schon weitgehend durchgehandelt seien, nur mehr vereinzelte kleinere Partien auf den Markt kämen und eigentlich die Schmerzgrenze bei den Preisen erreicht sei. Für die Futtermittelproduzenten stelle sich daher die Frage, als Alternative auf ausländisches Futtergetreide oder auf qualitativ allerdings mit Fragezeichen versehenen Mais zurückzugreifen. Die Wiener Maisnotierungen gaben diese Woche übrigens einen Deut nach. Ebenfalls billiger wurde Sojaschrot.

IGC sieht schwerere Versorgungsbilanzen bei Weizen und Futtergetreide sowie Sojabohnen

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London veröffentlichte am Donnerstag den ersten monatlichen Grain Market Report zu den weltweiten Getreidemärkten in diesem Kalenderjahr. Darin revidiert er gegenüber dem November die globalen Ernten von Getreide (Weizen und Futtergetreide) um 12 Mio. t auf den Rekordwert von 2.002 Mio. t hinauf. Davon entfallen 10 Mio. t des Produktionsplus auf Mais - hier vor allem in Argentinien und in der EU, während der US-Maisoutput zurückgenommen wird. Obwohl ebenfalls der weltweite Verbrauch höher angesetzt wird, erhöhen die Londoner Experten auch ihre Endbestandsprognose um 3 Mio. t auf 432 Mio. t, den höchsten Wert seit Mitte der 80er-Jahre. Der Bestandsaufbau zur Vorsaison 2013/14 beträgt damit 30 Mio. t.

Die Weizenernte belässt der Rat bei 717 Mio. t, die Bilanz wird aber wegen einer verringerten Verbrauchsschätzung mit einem Endlager von 196 Mio. t um 3 Mio. t schwerer als im November-Report. Während sich die Aussichten für den Weichweizenexport Russlands wegen der Restriktionen um 4,2 Mio. t auf 18,5 Mio. t verschlechtern, soll die EU nunmehr nochmals 1,5 Mio. t mehr und insgesamt 29,6 Mio. t Weichweizen ausführen können. Damit reduziert sich die Endbestandsprognose für die Union gegenüber November um 800.000 t auf 15 Mio. t. Eine Rekordernte - 312 Mio. t, um 4 Mio. t mehr als im November und um 10% mehr als im Vorjahr - sieht der IGC auch bei Sojabohnen. Trotz wachsenden Importbedarfs Chinas (74 Mio. t nach 73,5 Mio. t im November-Bericht und 70,5 Mio. t in 2013/14) halten die Verbrauchszuwächse mit der Produktion nicht mit und die Endbestände wachsen gegenüber 2013/14 auf den Spitzenwert von 42 Mio. t. Der Preisindex des IGC für Getreide und Ölsaaten sank seit dem November um 6%, wobei vor allem Sojabohnen 8,8% verloren und sich Mais am besten hielt. Den Weizenpreisen halfen zwar die Exportrestriktionen Russlands, letztendlich überwog aber das große weltweite Angebot und drückte den Weizen-Subindex um 5,7%.