Getreidemärkte: EU hält beim Weizenexport an Rekordkurs fest

Börsenmultis im Wettbewerb um europäische Weizenterminmärkte - CME steigt in den Ring.

Wien, 13. Februar 2015 (aiz.info). - Der monatliche Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA zu den weltweiten Getreide-Versorgungsbilanzen (WASDE - World Agricultural Supply and Demand Estimates) vom Dienstagabend dieser Woche brachte keine der vom Markt erhofften eindeutigen Trendvorgaben. Das Ressort setzte gegenüber dem Jänner-Report die globale Weizenbilanz 2014/15 nochmals eine Spur schwerer an, während es die Ratio von stock to use bei Mais, Getreide insgesamt und vor allem bei Ölsaaten etwas leichter prognostiziert. Dabei nahmen die Terminbörsen jenseits und diesseits des Atlantiks beim Weizen vor allem die revidierten Aussichten für die Weizenexporte der USA und der EU als kursrelevant auf. Die Reduzierung der Exportaussichten für US-Weizen um 680.000 t auf 24,49 Mio. t wegen der schwachen Wettbewerbsfähigkeit der US-Preise und in der Folge weiter anwachsende Endbestände in den USA wirkten drückend auf die Weizenkontrakte an der CBoT in Chicago. Dagegen wirkte die Anhebung der Prognose für den Weizenexport der EU um eine weitere Million Tonnen auf 31 Mio. t stützend für den europäischen Mahlweizenfutures an der Euronext in Paris. Die französische Analyse Strategie Grains hob die Aussichten für die Weizenausfuhren aus der Union in dieser Saison gegenüber ihrer letzten Ausgabe sogar um 3,3 Mio. t auf 32,5 Mio. t an.

Europäischer Weizen sei zurzeit am Weltmarkt am wettbewerbsfähigsten - insbesondere gehe viel Futterware aus der schwachen Qualität der Ernte 2014 auch nach Asien. "Mit einem solchen Ausfuhrniveau hat sich die europäische Bilanz saniert", so die Analyse, bleibe aber in Mitteleuropa eher schwer. Auch aus der kommenden Ernte sieht Strategie Grains 2015/16 sehr gute Exportchancen der EU bei mehr als 29 Mio. t. Zusammen mit einem Produktionsrückgang gegenüber 2014 um 8 Mio. t und den niedrigeren Anfangsbeständen hätten die Preise von Weizen in der EU aus der kommenden Ernte 2015 demnach "kein wirkliches Rückgangspotenzial im Vergleich zu den anderen Herkünften". Am Freitagmittag hielt sich der Pariser März-Weizenkontrakt leicht im Plus bei 185 Euro/t, die neue Ernte zur Lieferung im September 2015 lag bei 182,50 Euro/t.

Fokus des Weizenweltmarktes zunehmend auf Europa gerichtet - EU überflügelt USA

Die EU überflügelt im laufenden Wirtschaftsjahr die USA als weltweiter Weizenexporteur Nummer eins und hält weiterhin ihren Rekordkurs. Dass sich der Fokus des Weizenweltmarktes zunehmend auf Europa richtet, zeigt laut Exklusivberichten von Reuters auch, dass nun nach der zur NYSE-Group (New York Stock Exchange) gehörenden Euronext in Paris auch der zweite globale Rohstoffbörsenriese, die CME-Group mit der CBoT in Chicago, mit einem europäischen Weizenterminkontrakt auf den Markt kommen will.

Buhlen internationaler Börsegiganten um europäischen Weizenterminmarkt

Offensichtlich setzt zwischen den beiden Börsegruppen nun ein Wettbewerb um die Gunst der Teilnehmer an den europäischen Weizenmärkten ein. Nach langem Mauern gegen eine vom Markt immer wieder geforderte Festlegung von Fallzahl- und Proteingarantien sowie nach einer Ausweitung der Andienungsstellen für die physische Erfüllung der Kontrakte über die klassischen französischen Weizenexportsilos im Hafen von Rouen hinaus, kündigte die Euronext vorige Woche (aiz.info berichtete) überraschend einen neuen sogenannten "Premiumweizen-Kontrakt" an. Dieser ist mit einer Protein- (11%) und Fallzahlgarantie (220 sec.) sowie einem Mindest-Hektolitergewicht von 76 kg ausgestattet. Weitere Kriterien sind 15% Feuchtigkeit, 4% Bruchkorn und 2% Besatz. Liefermonate sind September, Dezember, März und Mai. Der Handel soll im März mit dem Liefertermin September 2015, also der kommenden Ernte, starten. Die Euronext weitet laut ihrer Aussendung auch den Kreis der Erfüllungsorte aus - neben den beiden Silos von Senalia und Socomac in Rouen sowie einem in Dünkirchen stehen nun künftig auch Lager in Nantes und Bordeaux für die physische Erfüllung des Kontrakts offen. Wie agrarzeitung.de am Donnerstag berichtete, könnten die Pariser nunmehr nach dem Bekanntwerden der Pläne des CME-Einstiegs in den europäischen Weizenterminmarkt im Buhlen um die Gunst der Marktteilnehmer noch weiter nachlegen. Denn die Euronext, so ein Sprecher, schließe eine noch weitergehende Erweiterung der Andienungsorte nicht aus und brachte dabei den Hafen Hamburg als "für einen Qualitätsweizenkontrakt sicher naheliegende Wahl" ins Spiel.

Mitteleuropas Märkte fordern Kontrakte für höhere Qualitäten und nähere Erfüllungsorte

Seit Langem monieren europäische Marktteilnehmer vor allem von außerhalb Frankreichs, die mit Termingeschäften ihre physischen Preise absichern wollen, dass die Euronext-Weizenkontrakte mangels Fallzahl- und Proteingarantie keine realistischen Brotweizenpreise abbildeten, sondern - bei schlechten Erntequalitäten wie 2014 - eigentlich nur Futterweizenpreise. Die auf die französischen Exporthäfen konzentrierten Erfüllungsorte würden wegen der langen Transportwege und damit verbundenen hohen Frachtkostendifferenzen zusätzlich ein "zurückrechnen" der Euronext-Kurse auf Kassamarktpreise erschweren, so die Kritik vor allem aus den mitteleuropäischen Produktionsgebieten von Deutschland über Österreich bis Ungarn. Für zentraleuropäische Weizenmärkte, wo - von Qualitäts- und Premiumweizen ganz zu schweigen - Mahlweizenqualitäten etwa in Österreich bei 12,50% Protein, 220 sec. Fallzahl und 78 kg Hektolitergewicht gar erst beginnen, klingt schon die Bezeichnung "Premiumweizen-Kontrakt" für einen Proteinmindestwert von 11% nahezu wie ein Hohn.

Damit blickt die Branche auch dem neuen europäischen CME-Weizenkontrakt mit einiger Skepsis entgegen: Denn laut ersten Vorinformationen von Reuters soll dieser ab April für den ersten Liefertermin September 2015 mit einer Proteingarantie von 10,50% sowie mit mindestens 170 oder 180 sec. Fallzahl, 74 kg Hektolitergewicht und 15% Feuchtigkeit definiert sein. Damit liegt die Spezifikation sogar noch unter der des neuen Euronext-Kontraktes. Wenigstens, so Marktteilnehmer, solle der im elektronischen Handel an der CBoT angebotene Futures zumindest in Euro und nicht in US-Dollar verrechnet werden. Die täglichen Handelszeiten könnten kurz vor denen an der Euronext starten und unmittelbar nach der Pariser Konkurrenz schließen. Als Erfüllungsorte zur Ermittlung der Preisparität stünden vier Silos mit zusammen 400.000 t Fassungsvermögen in Rouen zur Verfügung, heißt es. Im Gegensatz zum ausschließlich auf die Exportsilos abgestellten Euronext-Kontrakt dürfte die CME aber auch weitere Andienungsorte im französischen Binnenland mit entsprechenden Preisabschlägen zulassen wollen.

WASDE-Bericht revidierte globale Weizenproduktion 2014/15 neuerlich hinauf

Das US-Landwirtschaftsministerium setzt im Februar-WASDE-Bericht beim Weizen seine globale Ernteprognose für 2014/15 gegenüber dem Jänner um 1,65 Mio. t auf 725,03 Mio. t hinauf, auch der Verbrauch soll fast ebenso viel zunehmen. Da das Ministerium aber auch aus dem vorigen Wirtschaftsjahr noch größere Überlager als vor Monatsfrist entdeckt hat, revidiert es die Endbestände 2014/15, den Bestandszuwachs und die Ratio von stock to use jedoch leicht nach oben. Marktrelevant wurde von der CBoT in Chicago vor allem aufgenommen, dass mit einer Reduzierung der Exportaussichten für US-Weizen um 680.000 t auf 24,49 Mio. t wegen der schwachen Wettbewerbsfähigkeit der US-Preise die Endbestände in den USA weiter anwachsen sollen. Höhere Ernte- und Verbrauchserwartungen setzt der WASDE-Bericht gegenüber dem Jänner auch bei Mais und Getreide insgesamt an, das Drehen an mehreren kleinen Schräubchen bei den aus den Vorjahren mitgenommenen Anfangsbeständen erlaubt aber, den Anteil der Endbestände am Verbrauch eine Spur zu senken. Etwas deutlicher entspannt sich die Bilanz bei den Ölsaaten, wo das US-Ressort die Produktion leicht zurücknimmt und den Verbrauch weiter hinaufsetzt.

Während sich die Sojanotierungen - vor allem getragen von der brummenden Exportkonjunktur in den USA - daraufhin in einer gewissen Bandbereite einpendelten, zeigten die Maisnotierungen an der CBoT in den letzten Tagen eher Schwäche.

Buhlen um weltgrößten Weizenabnehmer Ägypten

Derweil setzt in Ägypten, nicht nur aus geopolitischen Interessen, ein Klinkenputzen von Vertretern westlicher Mächte und Russlands um die Gunst des strategisch bedeutenden nordafrikanischen Staates ein. Das Land ist mit jährlichen Einfuhren von rund 10 Mio. t der Welt größter Weizenimporteur. So stellten sich die USA kürzlich mit einem Kredit von 100 Mio. US-Dollar in Kairo ein - in der Hoffnung, Ägypten werde nun mit diesem Geld im restlichen Saisonverlauf nach dem durch die ab Februar erhobenen Exportsteuern quasi verhängten Ausfuhrstopp Russlands US-amerikanischen Weizen kaufen. Ägypten ist ein sehr preisbewusster Weizenkäufer am Weltmarkt und wandte sich daher zuletzt sehr stark russischen Angeboten zu. Zuletzt überholten aber die Europäer den Schwarzmeerraum sogar noch in der Preisführerschaft und es kamen wiederholt Frankreich und Rumänien bei Ausschreibungen im Land am Nil zum Zug, während die Anbote der USA zu teuer und nicht konkurrenzfähig waren.

Gleichzeitig aber wurde Ägypten auch bei einem hochrangigen Besuch der russischen Regierung dieser Tage in Karo vorstellig und ersuchte Moskau um Verhandlungen, zu Saisonende im Juni hin russische Weizenlieferungen an Kairo von der Exportsteuer auszunehmen. Allerdings sollen die Russen diese Hoffnungen nun wieder haben platzen lassen. Denn der Rubelverfall und die missliche wirtschaftliche Lage Russlands ließen den zur Abkühlung der überhitzten russischen Inlandspreise von Weizen verhängten de facto Exportstopp nicht wirken und die Lebensmittelinflation nicht bremsen.

Österreich: Aufmischweizen weit durchgehandelt

Im österreichischen Handel zeigt man sich angesichts des aktuellen Verlaufs des Brotweizenabsatzes gelassen. Über den gesamten Saisonverlauf sei das Geschäft bisher zufriedenstellend gelaufen und die aktuell gemächlich dahinlaufende Nachfrage sei kein Grund zur Besorgnis. Die Mühlen zeigten sich zwar mit höheren Weizenqualitäten gut gedeckt, es seien aber auch nur mehr geringe Bestände, die noch auf Käufer warteten, in den Lagern des Handels.

Vor diesem Hintergrund seien auch die "kleinen" Preiskorrekturen bei den Premium- und Qualitätsweizennotierungen am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse innerhalb der gewohnten Bandbreite kein Aufreger und ließen auf keinerlei neue Preistrends schließen, hieß es. Premiumweizen notierte mit 214 bis 220 Euro/t um 0,50 Euro niedriger, Qualitätsweizen gab um 1,50 Euro auf 202 bis 201 Euro/t nach. Im Gegenteil, die Festigkeit der Mahlweizennotierung, die um einen Euro auf 175 bis 181 Euro/t zulegte, zeige, dass eine Brotweizenqualität mit mindestens 12,5% Protein sich am Markt gut gegen die schwächeren Backweizensortierungen aus der Ernte 2014 anderer Anbieterländer behaupten könne.

Nach vier Monaten kam diese Woche in Wien auch wieder einmal eine Industriemaisnotierung zustande. Diese hob sich mit 130 Euro/t deutlich von ihrem Letztwert Anfang Oktober 2014 und auch einen Tick von der vorwöchigen Futtermaisnotierung ab, sodass diese als "plausibel" interpretiert wird. Ebenso verhält es sich mit den ebenfalls nach längerer Pause neuerlich notierten inländischen Sojabohnen.

Im Wochenabstand etwas verbilligt haben sich Sojaschrotimporte ebenso wie parallel dazu inländische GVO-freie Ware.