Getreidemärkte unter Druck von Börsenabsturz und reichlichem Angebot

IGC sieht bis auf Mais globalen Bestandsaufbau - Preiswettbewerb um heimischen Nassmais.

Wien, 28. August 2015 (aiz.info). - Verlangsamtes Wirtschaftswachstum in China mit fast panikartig zu Wochenbeginn gefallenen Aktien- und Rohstoffmärkten, niedriger Ölpreis sowie trotz Hitze und Dürre eine Rekordweizenernte in Frankreich von mehr als 40 Mio. t bei gleichzeitig langsamem Start der Exporte aus der EU wegen der Billigkonkurrenz Russlands: Dieser Mix an negativen Umständen setzte zuletzt die internationalen Getreidenotierungen unter Druck und stellt zurzeit - auch hierzulande - alle bullishen Momente in den Schatten. An der Euronext in Paris notierte am Freitag gegen Mittag der September-Weizenkontrakt etwa bei nur mehr 162,50 Euro/t und der Dezember bei 172,50 Euro. Am österreichischen Kassamarkt zeigt man sich verwundert über den Einbruch der internationalen Rohstoffnotierungen, denn es fehlten für eine derartige Panik schlichtweg die fundamentalen Grundlagen. Künftige Preistrends lägen aber im Nebel, auch deshalb, weil man sich noch schwertue, den Maismarkt einzuschätzen.

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London hob am Donnerstag in seinem August-Bericht die Prognose für die weltweite Getreide-Gesamtproduktion (Weizen und Futtergetreide einschließlich Mais) 2015/16 gegenüber dem Vormonat deutlich um 18 Mio. t auf 1.988 Mio. t an. Das sind nur mehr 1% weniger als der Vorjahresrekord. Die Revision nach oben begründet sich mit höheren Ernteerwartungen für Weizen und Gerste in der EU und den UdSSR-Nachfolgestaaten sowie für Mais und Sorghum in den USA. Den Verbrauch schätzt der Report mit 1.985 Mio. t ebenfalls höher als im Juni mit neuen Höchstmarken für menschliche Ernährung, Verfütterung und industrielle Verwertung. Der leichte Konsumzuwachs gegenüber 2014/15 von 0,4% gehe diesmal im Gegensatz zu vergangenen Jahren hauptsächlich auf das Konto menschlicher Ernährung. In Summe mit einer angehobenen Schätzung der Anfangsbestände steht ein Allzeit-Rekordangebot zur Verfügung und setzt der Rat nun einen Bestandsaufbau von 2 Mio. t oder rund 1% in seine Versorgungsbilanz ein, wohingegen er bisher von einem Lagerabbau ausgegangen war. Die 447 Mio. t Getreideendlager stellen einen 29-Jahre-Höchststand dar.

Indes starten die beiden österreichischen Verarbeitungsunternehmen, Jungbunzlauer (Zitronensäure) im Weinviertel und Agrana (Stärke und Ethanol) in Ober- und Niederösterreich ihre Nassmaiskampagnen.

Preiswettbewerb in Österreich um Nassmais

Jungbunzlauer gab dafür Frühlieferpreise während der ersten beiden Kampagnenwochen (KW 36 und 37) für Vertragsware netto und frei Werk Pernhofen von 106,40 Euro/t auf Basis von 30% Feuchtigkeit bekannt. Freie Ware soll etwa 9,50 Euro/t billiger abgerechnet werden. Agrana, die keine Lieferverträge abgeschlossen hat, bieten den Landwirten ebenfalls frei Werk und bei 30% Feuchtigkeit 122 Euro/t netto. Weiters ist zu hören, dass in Bayern Landwirtepreise für Körnermais von 185 bis 190 Euro/t frei Übernehmer geboten würden, aus dem oberösterreichischen Zentralraum - ebenso wie Bayern eine Veredelungsregion und Mais-Zuschussgebiet - verlauten 170 bis 175 Euro/t Produzentenpreis. Experten nehmen an, dass heuer die Marktleistung beim Mais deutlich zurückgehen werde, weil wegen der dürrebedingten Ertragsausfälle größere Mengen gleich siliert würden und nicht als Trockenware auf den Markt kämen. Dies entfacht offenbar einen gewissen Preiswettbewerb unter den Verarbeitern, um an Mais zu gelangen.

Heimische Weizenpreise im Vergleich zu internationalen gut behauptet

Händler berichten vom physischen Markt, dass sie mit den bisher gehandelten Mengen zumindest nicht unzufrieden seien und nach den Ferien auch wieder Nachfrage aus Italien zu erwachen beginne. Sowohl beim Futter- als auch beim Brotgetreide stehe dem Angebot Nachfrage gegenüber. Beim Brotweizen zeigten sich die Preise guter Qualitäten - die setzt die Branche aktuell schon ab 12,5 Prozent Protein an - vergleichsweise stabil. Denn, wenn auch die Notierungen an der Wiener Produktenbörse für Premium- (205,50 Euro/t), Qualitäts- (189,50 Euro/t) und Mahlweizen (160,50 Euro/t) am Mittwoch dieser Woche eine Spur nachgegeben hätten, könnten die Aufmischqualitäten ihre ohnehin schon bisher hohen Prämienaufschläge zu den Mahlweizenkursen an der Euronext in Paris eher noch weiter vergrößern.

Durumweizen wurde mit einem ungewöhnlich breiten Preisband vom 282 bis 320 Euro/ t notiert, wozu Marktteilnehmer anmerken, dass die obere Notierung wohl die realistischere sei. Mahlroggen befestigte sich leicht auf 150 Euro/t. Ob dies einen nachhaltigen Trend einleite, sei noch ungewiss, pessimistische Ernteschätzungen aus dem Osten Deutschlands könnten dies allerdings untermauern.

Akontozahlungen für Getreide auf Vorjahreshöhe

Laut LK erhalten die Landwirte in der Poolvermarktung heuer Akontozahlungen auf Vorjahreshöhe. Das heißt jeweils netto und pro t für Premiumweizen rund 140 Euro, für Qualitätsweizen 130 Euro, Mahlweizen 115 Euro, Roggen 100 Euro und Durum 220 Euro.

IGC sieht nunmehr bis auf Mais globalen Bestandsaufbau

Laut dem jüngsten IGC-Bericht sollen sich lediglich mehr beim Mais die Endbestände in dieser Saison, und auch nur um 4 Mio. t, auf gut 20% des Verbrauchs verringern, während nun dem Weizenmarkt ein Lageraufbau um 4 Mio. t (Juli: 1 Mio. t Abbau) auf 28,8% vorausgesagt wird.

Nachdem die Londoner Experten auch die Sojabohnenernte der USA nun nach oben revidieren, erwarten sie eine im Monatsabstand um 2 Mio. t größere globale Bohnenproduktion von 318 Mio. t - nahezu auf dem Rekordniveau des Vorjahres. Verringerte Annahmen für die Anfangsbestände und eine großzügigere Verbrauchsschätzung lassen die Endlagerprognose gegenüber dem Juli zwar um 4 Mio. t niedriger ausfallen, führen aber dennoch zu einem leichten Aufbau von 1 Mio. t auf ein neues Allzeithoch. Dabei wird der Verbrauch von Sojabohnen im Jahresabstand neuerlich wachsen, aber nicht mehr so stark wie in vergangenen Jahren. Enttäuschende Ernten in der EU und in Kanada begründen einen Rückgang der globalen Rapsproduktion um 9% gegenüber 2014/15.

Der Gesamtindex des IGC für Getreide und Ölsaaten (GOI) gab infolge der reichlich erwarteten Versorgung und der Sorgen um die Weltwirtschaft zum Juli um 4,8% und im Jahresabstand um 20,2% nach. Am stärksten verlor im abgelaufenen Monat der Subindex von Sojabohnen mit minus 6,7% gefolgt von Weizen mit minus 4,3% und Gerste (minus 4,2%). Mais (minus 1,0%) hielt sich vergleichsweise besser.

Die Weichweizenernte der EU setzt der IGC nun auf 144 Mio. t (Juli-Schätzung: 140,6 Mio. t, 2014/15: 149,1 Mio. t) hinauf und die Endbestände auf 14,2 Mio. t (Juli-Schätzung: 13,5 Mio. t, 2014/15: 13,2 Mio. t). Dies sind gerade einmal 12,1% des Verbrauchs. Die Exporte werden mit 29,1 Mio. t (Juli: 29,6 Mio. t, 2014/15: 34,1 Mio. t) erwartet. Die Maisernte der Union reduziert der Rat dagegen gegenüber dem letzten Bericht um fast 10 Mio. t auf 60,1 Mio. t (2014/15: 75,6 Mio. t) und hebt die Importprognose von 12,7 Mio. t auf 14,5 Mio. t an. Damit sollen die Verfütterung und der gesamte Maisverbrauch der Union (74,1 Mio. t) in der laufenden Saison um 3 Mio. t geringer als in der letzten Prognose zu liegen kommen und die Maisendlager im Jahresabstand um 1,5 Mio. t auf 5,6 Mio. t (Juli: 6,5 Mio. t) oder 7,6% des Verbrauchs abschmelzen.

Weizen aus der EU am Weltmarkt noch nicht konkurrenzfähig

Wenngleich auch die russische Getreideexportwirtschaft arg gebeutelt wird vom Rubelverfall sowie von bürokratischen Hemmnissen rund um die Einhebung von Exportabgaben und die Ausfuhren noch nicht das gewünschte Tempo erreichen konnten, bleibt das Schwarzmeerland als Billiganbieter dennoch die Benchmark am Weizen-Weltmarkt. Weizen aus der EU gilt als noch nicht wettbewerbsfähig.

Laut Kommission wurden in der abgelaufenen Woche lediglich Exportlizenzen für 277.000 t Weichweizen (Gerste: 144.000 t) vergeben. Damit bringt es die EU in der Saison 2015/16 (1. Juli 2015 bis 30. Juni 2016) bisher auf 3,15 Mio. t Weizenausfuhren. Zum Vergleich: Die USA schafften es in der Berichtswoche bis 20. August auf 529.100 t Weizenexport.

Jüngstes Beispiel für die Wettbewerbsverhältnisse ist der Weizentender Ägyptens diese Woche: Die staatliche Getreideaufkaufsagentur GASC schlug ein Angebot für 60.000 t Weizen aus Russland zur Lieferung von 1. bis 10. Oktober zu einem Preis c&f (cost and freight) von 190,07 USD/t (168,44 Euro/t) zu. Auf Basis fob (free on board) soll die russische Offerte 180,47 USD/t (159,93 Euro/t) betragen haben, Anbote aus der EU von Frankreich und Rumänien seien zwischen 187,74 USD (166,38 Euro) und 195 USD (172,81 Euro) jeweils pro t gelegen.

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