Das Grünland verdient mehr Beachtung

Im Grünland steckt viel Arbeit und es erfüllt zentrale Aufgaben für Umwelt, Ernährung und Tourismus.

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Wiederkäuer sind für die Bewirtschaftung des Grünlandes unverzichtbar © HBLFA Raumberg Gumpenstein
Je nach Boden, Klima, Höhenstufe und Bewirtschaftung zeigen sich in Österreich viele unterschiedliche Pflanzengesellschaften mit einer hohen Artenvielfalt. Zumindest 50 % der Grünlandflächen (etwa 800.000 ha) werden in Österreich extensiv bewirtschaftet. Hier wird die Bewirtschaftung mit einem geringen Tierbesatz (weniger als 1 Kuh/ha) im Kreislauf der Natur vom Bauern durchgeführt. Die Erträge und Futterqualitäten sind dabei nicht großartig, aber die Pflege der Kulturlandschaft mit ihren artenreichen Flächen ist wichtig. Damit der Bauer einen Anreiz für diese schwere und wenig Ertrag bringende Arbeit hat, erhält er ein gewisses Entgelt für die erbrachten Leistungen, die er derzeit über Milch und Fleisch nicht abgegolten bekommt.

Grünland besteht aus 3.300 Arten

Die Artenvielfalt auf den Grünlandflächen Österreichs liegt bei 3.300 Arten. Auf einzelnen Wiesen, Weiden und Almen kommen auf 100 m2 20 bis 100 Arten je nach Nutzung, Düngung und Pflege vor. Der vielseitige Bewuchs bringt eine hohe Wurzelmasse mit sich, die den Boden hält (keine Erosion) und die das Wasser auf dem Weg zum Grundwasser filtert. Das bewirtschaftete Grünland (Düngung und Nutzung) liefert über das gesamte Jahr bestes Trinkwasser (ein Brachfallen der Wiesen und Äcker reduziert den durchwurzelten Körper im Boden und führt zu schlechteren Trinkwasserqualitäten).

In den Berglagen bei guten Niederschlägen führt eine Einstellung der Nutzung zur Verwaldung und zur Einengung des Lebensraumes für Mensch und Wildtier. Die Artenvielfalt fällt dadurch gewaltig ab. Der alte Grünlandboden weist durch die langjährige umbruchlose Bewirtschaftung bei Zufuhr von organischer Masse (Wurzelneubildung, Wirtschaftsdünger) höhere Humusgehalte auf. Der Humuskomplex speichert nicht nur Wasser und Nährstoffe, sondern auch Kohlendioxid (CO2). Das Grünland gilt als große Kohlenstoffsenke und ist daher in Bezug auf Klimaveränderung positiv unterwegs, wenn auch die gleichsam geringen Methanausscheidungen der Wiederkäuer überproportional bei der öffentlichen Diskussion ins Treffen geführt werden.

Ökologisch produktiver Kreislauf

Die Grünlandflächen liefern für raufutterverzehrende Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde) nahezu 80 % der Futtergrundlage, nur 20 % des Futters stammen aus dem Ackerland. Dabei wird die Ressource Grünland in einer vorbildlichen Kreislaufwirtschaft (Boden – Pflanze –Tiere – Ausscheidungen – Bodentiere – Pflanze …) umweltschonend geführt (siehe Mittelspalte). 95 % der heimischen Grünlandbauern düngen keinen mineralischen Stickstoff. Herbizide (keineswegs Pestizide oder Fungizide) werden äußerst selten, und wenn, gezielt auf die unerwünschten Kräuter (giftig, dominant, grasnarbenzerstörend) appliziert. In Biobetrieben und bei geringem Vorkommen auch in konventionellen Betrieben werden diese „Unkräuter“ auch händisch ausgegraben und entfernt. Zu diesem Kreislauf mit einer Kuh im Zentrum werden rund 60 bis 80 kg Stickstoff/ha über die Vegetationszeit vom Bauern möglichst verlustarm ausgebracht. Manche tierhaltenden Betriebe halten aber mehr als eine Kuh pro Hektar, jedoch sieht die EU-Nitratrichtlinie, das strenge Wasserrechtsgesetz in Österreich und die Richtlinie für die sachgerechte Düngung als Grundlage für die ÖPUL-Förderung eine Stickstoffoberbilanz von 170 kg aus dem Wirtschaftsdünger (Gülle, Stallmist, Jauche, Kompost) vor. Diese ökologischen Vorgaben werden in Österreich von Bauern eingehalten. Österreich hat hier mit den Bewirtschaftern ein sauberes System zur Sicherung der Lebensmittelproduktion und Umwelt aufgebaut; das Bewusstsein der Bauern ist in Österreich extrem gut, auch wenn es manchmal zu Fehlhandlungen von Einzelnen kommt.

Lebensmittel aus der Natur

Über die Gräser, Kräuter und Kleearten im Grünland werden pro Hektar Energie, Eiweiß, Fettsäuren, Vitamine sowie Mengen- und Spurenelemente für 7.000 kg Milch und 300 kg Fleisch bereitgestellt. Nur über Wiederkäuer sind diese Flächen auch für den Menschen nutzbar. Würden wir über 50 % der landwirtschaftlichen Flächen nicht über den Wiederkäuer zu Milch und Fleisch veredeln lassen, so müsste die Weltbevölkerung drastisch abnehmen. Im Übrigen: Je höher der Grünlandanteil in der Milchviehfütterung, desto höher auch die wertvollen ungesättigten Fettsäuren und das Beta-Carotin in Milch und Fleisch.

Kreislauf: Kuh im Zentrum

Durchschnittlich wird in Österreich pro Hektar eine Kuh gehalten. Diese scheidet pro Tag 25 kg Kot und 20 l Harn aus, was pro Jahr mit zusätzlich Waschwasser im Stall etwa 20 m3 bzw. t bedeutet. In diesen 20 t Gülle bzw. 12 t Stallmist (Kot plus Stroh) befinden sich alle Nährstoffe, die die Bodentiere für ihre Ernährung brauchen. Die meisten Pflanzennährstoffe gehen durch den „Magen“ der Bodentiere und werden erst dann für die Wurzeln aufnahmefähig.

Wir wollen bäuerliche Landwirtschaft

Auch wenn in Österreich manche Höfe in der letzten Zeit aus Konkurrenzdruck aufgestockt haben und mehr Tiere als bisher halten, so gibt es in den Grünlandregionen keine Massentierhaltung und ausschließlich bäuerliche Betriebe mit einem starken Bezug zu „Erde, Pflanze, Tier, Umwelt und Mensch“. Die industrielle Landwirtschaft, die global mit anderen Zielsetzungen heranwächst und auch einen massiven Druck auf die bäuerliche Landwirtschaft bei uns ausübt, kann und soll auch nicht die bäuerliche Landwirtschaft in Österreich ersetzen.

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Autor:
Univ. Doz. Dr. Karl Buchgraber, HBLFA Raumberg-Gumpenstein