Hagelversicherung: 175 Mio. Euro Dürreschäden im Jahr 2015 verzeichnet

Weinberger: Klimawandel ist längst auch in Österreich angekommen.

Wien, 7. Jänner 2016 (aiz.info). - Der Gesamtschaden, der 2015 durch Dürre in der Landwirtschaft bei Herbstkulturen, insbesondere bei Mais, aber auch bei Grünland, Kürbis, Sonnenblumen, Sojabohnen sowie Kartoffeln aufgrund des Rekordsommers zu verzeichnen war, beträgt 175 Mio. Euro. "Es hat sich im abgelaufenen Jahr wieder gezeigt, wie verletzbar die standortgebundene Landwirtschaft ist. Diese Wetterereignisse sind auch ein Hinweis darauf, dass ein Risikomanagement für das wirtschaftliche Überleben in der Landwirtschaft unverzichtbar ist", zieht Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, als Ernteversicherer eine ernüchternde Bilanz über die Dürreschäden in Österreich. "Das Jahr 2015 hat eindeutig gezeigt, dass der Klimawandel auch bei uns angekommen ist und große Herausforderungen für die Bäuerinnen und Bauern bringt", so Weinberger.

"Die Erderwärmung mit all ihren Folgen ist ein globales und somit auch nationales Problem - die Konsequenzen sind auch in unserem Land zu spüren. Der Sommer 2015 war weltweit betrachtet der wärmste - in Österreich der zweitwärmste - in der 248-jährigen Messgeschichte. Zudem gab es in der Alpenrepublik noch nie einen Juli, der heißer war als der im Jahr 2015. Insgesamt wurden 17 'Wüstentage' mit Temperaturen über 35 Grad verzeichnet. Dass diese tropischen Temperaturen, verbunden mit den ausgebliebenen Niederschlägen, auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel haben, ist klar", gibt Weinberger zu bedenken.

Private Public Partnership-Modelle weltweit im Trend

Um die Lebensmittel-Versorgungssicherheit mit regionalen Produkten zu gewährleisten, entwickelt die Versicherungswirtschaft weltweit Instrumente zur Finanzierung von Naturkatastrophen-Versicherungsmodellen. Agrarpolitisch geht die Tendenz immer mehr zu umfassenden Risikomanagement-Instrumenten auf Private Public Partnership-Basis. So beteiligt sich beispielsweise in Amerika der Landwirt mit 35% an der Prämie und der Staat bezahlt den Rest von 65%. "Wir müssen weiterhin auch in Österreich intensiv an Private Public Partnership-Modellen arbeiten. Nur ein stabiler Agrarsektor, der Einkommensausfälle nach Naturkatstrophen bewältigen kann, ist auf Dauer in der Lage, eine immer weiter steigende Weltbevölkerung nachhaltig zu ernähren. Daher wird es künftig nur mit umfassenden Ernteversicherungen möglich sein, die Auswirkungen des Klimawandels für die Landwirte langfristig kalkulierbar zu machen", erklärt der Vorstandsvorsitzende.

Neu und einzigartig: Dürreindex-Versicherung in Österreich

Für viele betroffene Landwirte war die 2015 in Österreich eingeführte und europaweit einzigartige Dürreindex-Versicherung im Grünland eine wichtige wirtschaftliche Absicherung. Ab 2016 wird diese Möglichkeit erstmals auch für Mais angeboten. Bei einer Indexversicherung (Basis ist die Niederschlagsmenge, gemessen an den Messstationen der ZAMG) wird bei sehr großen Ertragsausfällen Entschädigung für die versicherten Flächen geleistet.

Die Österreichische Hagelversicherung ist der Spezialversicherer in der Landwirtschaft und wurde 1947 als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit gegründet. Neben Hagel werden landwirtschaftliche Kulturen auch gegen Dürre, Überschwemmung, Frost und zehn weitere Risiken versichert. Damit bietet sie die umfassendste Produktpalette Europas an und ist zudem Österreichs größter Tierversicherer. Das Unternehmen hat die rascheste sowie modernste Schadenserhebung Europas und arbeitet seit zehn Jahren weitgehend papierlos und damit klimaschonend. Die Hagelversicherung engagiert sich schon sehr lange für mehr Klimaschutz. Sie hat bereits 2001 den ersten österreichweiten Klimaschutzpreis initiiert, wirbt seit vielen Jahren für regionale, klimafreundliche Lebensmittel mit kurzen Transportwegen und versucht Bewusstsein gegen das rasante Zubetonieren Österreichs zu schaffen.