Heimische Geflügelmäster stehen vor enormen Herausforderungen

Gesetzliche Bestimmungen untergraben wettbewerbsfähige Produktion.

Wien, 5. Februar 2015 (aiz.info). - Die österreichische Geflügelwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Nachdem Ende 2014 der Versuch gescheitert ist, mit dem "All in one"-Programm den durch das vor knapp zehn Jahren verabschiedete Bundestierschutzgesetz entstandenen Wettbewerbsnachteil abzuschwächen, muss die gesetzlich festgelegte Belegung von den heimischen Hühner- und Putenmästern streng eingehalten werden, mit all seinen Konsequenzen. Und diese reichen von drastisch sinkenden Marktanteilen bis zu deutlich höheren Verbraucherpreisen, was den Konsumenten in den kommenden Wochen durch verstärkte Marketingaktivitäten veranschaulicht werden soll, wie der Obmann der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG), Robert Wieser, gestern vor Journalisten erläuterte.

Keine "Verschlechterung" des Tierschutzes, dafür höhere Preise für Konsumenten

Ausgangspunkt ist das Österreichische Bundestierschutzgesetz, das den Masthühnerhaltern eine maximale Besatzdichte von 30 kg Lebendvieh pro m2 erlaubt, während die EU-Richtlinie höchstens 42 kg/m2 vorgibt. "Da alle übrigen Mitgliedstaaten diese Richtlinie mit 36 bis 42 kg/m2 umgesetzt haben, Gesundheitsministerin Oberhauser jedoch unser 'All in One'-Programm am 4. Dezember 2014 mit dem Hinweis 'eine Verschlechterung des Tierschutzes kommt nicht in Frage' abgelehnt hat, müssen wir mit diesem enormen Wettbewerbsnachteil leben", so Wieser, denn "was zwar für den Tierschutz gut sein mag, bedeutet Nachteile für die Erzeuger wie höhere Produktionskosten und damit auch steigende Konsumentenpreise und den Verlust weiterer Marktanteile". Bereits in den vergangenen Jahren sei der Marktanteil um 7% zurückgegangen, aktuell betrage er 85%, heuer werde die Inlandsversorgung voraussichtlich weiter auf 70 bis 75% zurückgehen", vermutet der Obmann.

Putenmäster können heimischen Markt nicht ausreichend beliefern

Noch dramatischer stellt sich die Situation in der Putenmast dar, wo es seitens der EU keine gesetzliche Regelung für die Besatzdichte gibt, Deutschland eine freiwillige Vereinbarung anbietet (weibliche Tiere max. 52 kg/m2, männliche 58 kg) und Österreich als einziger Mitgliedstaat maximal 40 kg/m2 gesetzlich festgelegt hat. "Auch die Schweiz hat eine rechtliche Beschränkung eingeführt, mit dem Effekt, dass die Putenmast mittlerweile vollkommen aufgegeben wurde", verwies Wieser auf das auch Österreich drohende Szenario, zumal bei den östlichen Nachbarländern Besatzdichten zwischen 60 und 70 kg üblich sind.

Die Folgen sind eindeutig: die Inlandsversorgung liegt aktuell bei unter 40%, durch die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben wird diese weiter sinken. "Bereits jetzt können wir die heimischen Handelsketten nicht mehr ausreichend mit Ware beliefern. Den anonymen Bereich - also die Gastronomie und die Großküchen - haben wir bereits als Abnehmer zur Gänze an den Import verloren", erläuterte der ZAG-Obmann.

Werben um das Verständnis und die Treue der Kunden

Wie sich die Lage weiterentwickeln wird, ist noch nicht klar abzusehen. Die Landwirte warten auf die Ergebnisse der Preisverhandlungen. Wieser: "Zur Abdeckung seiner Produktionskosten benötigt ein Putenmäster pro kg Lebendgewicht einen Erzeugerpreis von 18 Cent. Umgelegt auf 1 kg Putenfleisch im Handel sind das für den Verbraucher 1,50 Euro mehr. Da müssen wir um das Verständnis unserer Kunden werben."

Konkret sind daher in nächster Zeit verstärkte Marketingaktivitäten geplant, um den Konsumenten die Zusammenhänge zwischen dem höheren Preis für heimische Ware und den EU-weit strengsten heimischen Auflagen zu veranschaulichen. "Es gibt keinen anderen Weg, ihnen die Situation zu erklären und zu hoffen, dass ihnen der hierzulande auferlegte Tierschutz die Mehrausgaben wert ist und sie nicht zum billigen Importprodukt greifen, weil bei der Preisfrage eben oft der Tierschutzgedanke zur Nebensache wird", so Wieser. Bei dieser Aufgabe sieht er alle in der Produktionskette in der Pflicht, auch die NGOs.

Herkunftskennzeichnung ab April

Konsumenten, die heimischem Geflügelfleisch den Vorzug geben, können dieses ab April in den Handelstheken leichter von Importware unterscheiden, denn ab diesem Zeitpunkt muss bei Frisch- und Tiefkühlfleisch das Herkunftsland verpflichtend angegeben werden. Alle österreichischen Geflügelbetriebe werden dann auch nach den Kriterien des AMA-Gütesiegels produzieren, womit sich der Kunde der heimischen Herkunft, tiergerechter Haltung und Aufzucht sowie höchster Produktqualität sicher sein kann.