Wintergetreide – Argumente für die Herbizidregulierung im Herbst

Gute Erfolge gegen Problemunkräuter, sichere Wirkung und Entschärfung von Arbeitsspitzen - all das spricht für Herbizidanwendungen im Herbst. Bleibt noch die Frage nach den Kosten.

Aufgehender WinterweizenAufgehender WinterweizenAufgehender Winterweizen[]
© RWA
Die Saat des Wintergetreides steht bereits vor der Tür. Nun beginnen gleichzeitig die Überlegungen, welche Pflanzenschutzmaßnahmen getroffen werden sollen. Die Antwort auf die Frage, ob  Herbizide bei Wintergetreide besser im Herbst oder im Frühjahr eingesetzt werden soll, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Für eine Herbstbehandlung sprechen
  • die oftmals bessere Bekämpfung von Klettenlabkraut, Windhalm, Ackerfuchsschwanzgras oder Raygräsern und
  • die Entschärfung von Arbeitsspitzen im Frühjahr, wenn bereits eine erfolgreiche Herbizidspritzung durchgeführt wurde.
Mit einer Herbstanwendung lassen sich zudem die Schwachstellen von Frühjahrsbehandlungen vermeiden, wie beispielsweise verzögerter und damit suboptimaler Anwendungstermin, weil Nässe das rechtzeitige Befahren des Bestands verhindert. Weiters können die Unkräuter mit niedrigen Aufwandmengen im Frühjahr oftmals nicht mehr gut bekämpft werden, und auch die Verträglichkeit der Wirkstoffe kann problematisch werden.

Unentschieden beim Kostenvergleich

Vergleicht man nun die Hektarkosten von Herbst- und Frühjahrsbehandlungen, so lassen sich keine nennenswerten Unterschiede feststellen (Tabelle Kostenvergleich) – also Gründe genug, um insbesondere bei Wintergerste, aber auch bei früh gesätem Winterweizen, Winterroggen und Triticale die Chance einer Ungras- und Unkrautbekämpfung im Herbst zu nutzen. Während sich bei der Wintergerste eine Herbstbehandlung am Entwicklungsstand der Allgemeinverunkrautung orientiert, steht bei den anderen Winterungen die Ungrasbekämpfung im Vordergrund. Haben Windhalm oder Fuchsschwanz bis Ende Oktober das Zweiblattstadium erreicht, so ist eine Behandlung sinnvoll. Bei den Produkten zur Herbstbehandlung sind einige Kombinationspräparate am Markt, die die Anwenderfreundlichkeit erhöhen.

Im Viper Compact (3544) finden sich die Wirkstoffe Florasulam, Penoxsulam und Diflufenican. Das Produkt ist breit wirksam und erfasst z. B. Klettenlabkraut und Kornblume im Jugendstadium gut. Bei den Gräsern ist die Windhalmwirkung hervorzuheben. Da Viper Compact 2 Wirkstoffe aus der Gruppe der ALS-Hemmer enthält, sollte auf Feldern, die bereits im Frühjahr mit einem Wirkstoff aus dieser Gruppe behandelt wurden, eine Tankmischung aus Viper Compact (0,75 lt/ha) und einem IPU-haltigen Produkt (1,5 lt/ha) appliziert werden. Stichwort Resistenzvermeidung – bei Windhalm sind leider schon ALS-Resistenzen feststellbar.

Stomp Perfekt, bestehend aus Stomp Aqua (3107) und Carmina 640 (3085), besitzt ebenfalls ein breites Wirkungsspektrum gegen die wichtigsten Unkräuter im Nachauflauf.

Diflanil 500 SC (3368) ist ein reines Diflufenican-Produkt. In Wintergerste und Winterweichweizen besteht eine Zulassung mit 0,375 lt/ha. In der Praxis wird aber eine Tankmischung mit einem IPU-Produkt empfohlen.

Sind die Ehrenpreis-Arten, Taubnessel und Stiefmütterchen nicht die Leitunkräuter am Feld, dann wäre ein Einsatz der Kombination aus 75 ml/ ha Saracen (3562) mit 2 lt/ha Alon flüssig (2181) überlegenswert. Saracen entspricht dem Primus (2698). Diese Tankmischung ist recht preiswert.

Hektarkosten verschiedener Herbst- und Frühjahrsbehandlungen von Wintergetreide

Produkte (mit Windhalmwirkung) Gebinde (l, kg) reicht für (ha) Aufwandmenge (l, kg/ha) Kosten (Euro/ha) 1
Herbstanwendung
Bacara Forte 5 l 2 6,25 0,8 46,34
Bacara Forte 5 l 2 5,00 1,0 57,92
Stomp Perfekt 15 l 5,00 3,0 43,50
Trinity 10 l 5,00 2,0 40,90
Viper Compact 5 l 2 5,00 1,0 41,04
Frühjahrsanwendung
Arrat+Dash+Protugan 4, 8 l 3 4,00 3,2 40,60
Artist + Sekator OD 4,6 kg 5,00 0,92 42,80
Biathlon 4D + Protugan 5,35 l 3 5,00 3,07 48,75
Husar OD 500 ml 3 5,00 0,1 51,50
1) Preise in Euro/ha auf Basis unverb. empfohlener Verkaufspreise, exkl. MwSt. 2) auch 1 l-Gebinde verfügbar 3) auch größere Gebinde verfügbar

Saatbett sollte feinkrümelig sein

Auch alle anderen Herbstprodukte haben sich bei den letzten Anwendungen gut bewährt. Gleich, ob es sich um die arrivierten Kombinationen mit Stomp Aqua (3107), um Bacara Forte (3090) oder auch dem in den letzten Jahren vermehrt eingesetzten Trinity (3209) gehandelt hat – alle diese Mittel haben eine gute Wirkung und ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis. Bei Bodenherbiziden (Stomp, Bacara, ...) sind für eine optimale Wirkung ausreichende Niederschläge und ein feinkrümmeliges Saatbett unbedingt erforderlich. Auch das Saatgut muss mit ausreichend Erde bedeckt sein.

Blattlausbefall kontrollieren

Die vergilbten Gerstenflächen in vielen Regionen Österreichs im Vorjahr sind bei den meisten noch in bester Erinnerung. Schlechterer Wuchs im Frühjahr, reduzierte Erträge bis zum Totalumbruch waren die Folgen. Grund war ein verstärktes Auftreten von Blattläusen, die die viröse Gelbverzwergung (BYD V, Barley yellow dwarf virus) übertragen haben. Im Gegensatz zum Gelbverzwergungsvirus der Gerste wird der Verzweigungsvirus des Weizens durch Zikaden übertragen. Durch den milden und langen Herbst 2014 wurde die Blattlausvermehrung zusätzlich begünstigt. Wer im Vorjahr verstärkten Befall in seinen Beständen hatte, sollte heue r besonders aufmerksam kontrollieren. Neben gebeiztem Saatgut und einer späteren Saat ist die Bekämpfung des Ausfallgetreides zur Vermeidung der Blattlausvermehrung empfehlenswert.

Pyrethroid plus Netzmittel anwenden

Bei der Insektizidbehandlung stehen zahlreiche Pyrethroide zur Verfügung. Bulldock (2927), Decis (2987), Decis forte (3554), Fury 10 EW (2895), Kaiso Sorbie (3551), Karate Zeon (3061), Mavrik Citro Pack (3214), Pirimor Granulat (3238) und Sumi Alpha (2421). Als einziges Neonicotinoid kann Biscaya (2995) eingesetzt werden. Die Zugabe von einem hochwertigen Netzmittel wie Optiwett CS-7 ist empfehlenswert. Die Wirkungsdauer selbst hängt von zahlreichen Faktoren ab. Bei wärmerer Witterung liegt die Wirkungsdauer nur bei einigen Tagen, bei gemäßigten Temperaturen verlängert sich die Wirkungsdauer. Generell kann man sagen, dass bei systemisch wirkenden Insektiziden (Biscaya) die Wirkungsdauer länger ist als bei den Pyrethroiden (Kontaktwirkung). Systemische Mittel sind die bessere, jedoch kostenintensivere Variante. Kostengünstigste Möglichkeiten bieten Sumi-Alpha (2421) mit einer Aufwandmenge von 150 ml/ha sowie Kaiso Sorbie (3551) mit einer Aufwandmenge von 150 g/ha als nicht systemisches Mittel.

Die Schadschwelle ist bei 10 % Befall erreicht

Die Schadschwelle zur direkten Bekämpfung der Blattläuse liegt bei einem Anteil von 10 % befallenen Pflanzen. Bei stärkerem Zuflug kann eine zweite Behandlung notwendig sein. Wichtig ist eine intensive Kontrolle der Bestände vor allem in den warmen Nachmittagsstunden. Die Blattläuse befinden sich oft an der Blattunterseite und können sich auch in der Blattscheide verstecken. Die Insektizidbehandlung kann mit einer Herbizidanwendung kombiniert werden.

Das detaillierte Wirkungsspektrum der beschriebenen Produkte ist im Herbstspritzplan für Wintergetreide ersichtlich. Besuchen Sie Ihr Lagerhaus und fragen Sie unsere Agrarexperten nach passende Produkte für den Pflanzenschutz.

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Autor:
Michael Glösmann, Horst R. Kirchmayr und Kurt Graf, RWA AG