Hiegelsberger und Reisecker: Hitze und Dürre belasten Landwirtschaft enorm

Maßnahmenpaket in Arbeit - Freigabe von Bracheflächen für Futterzwecke.

Linz, 14. August 2015 (aiz.info). - Die Hitze und Dürre der letzten Wochen belastet die heimische Landwirtschaft enorm und führt gerade in Oberösterreich zu erheblichen Ertrags- und Einnahmenausfällen. Verschärft wird die wirtschaftliche Situation der Bauern durch den anhaltenden Preisdruck bei Milch und Schweinen. "Auf Initiative des Landes OÖ und der Landwirtschaftskammer wurden vom Lebensministerium erste Schritte zur Unterstützung der von der Dürre hauptbetroffenen Betriebe gesetzt. Zur wirksamen wirtschaftlichen Unterstützung und Entlastung der unter einem erheblichen Druck stehenden bäuerlichen Familienbetriebe arbeiten wir derzeit an einem umfassenden Maßnahmenpaket, um die drohenden Ertragseinbußen zumindest teilweise abfedern zu können", teilten heute Landesrat Max Hiegelsberger und LK-Präsident Franz Reisecker mit.

Die seit Mitte Juni aufgetretenen Niederschlagsdefizite betreffen vor allem die Bundesländer Ober- und Niederösterreich sowie das Burgenland. Während aber in Ostösterreich aufgrund der sehr getreidebetonten Fruchtfolgen etwa 80% der Ackerkulturen bereits geerntet wurden, stehen in Oberösterreich insbesondere durch den intensiven Anbau von Mais, Sojabohne und Ackerfutterkulturen noch etwa 50% der Kulturen am Feld. Dazu kommt in diesem Bundesland der hohe Anteil des nicht alpinen Grünlandes, das insbesondere im Inn- und Mühlviertel ebenfalls massiv von der Dürre betroffen ist. Eine erste Bilanz zeigt, dass die Schäden vor allem bei Mais, Sojabohnen, Zuckerrübe, Kürbis und Kartoffeln sowie dem Grünland zum Teil dramatisch sind. Zudem ist die Dürreverträglichkeit dieser Kulturen stark von der Beschaffenheit der jeweiligen Böden abhängig, sodass die Dürreschäden kleinregional oft sehr unterschiedlich sind. "Die Probleme ziehen sich quer durch das Bundesland und aktuell entkommt keine Sparte der landwirtschaftlichen Produktion der anhaltenden Hitze- und Dürrewelle", so Reisecker.

Erstmaßnahmen des Landwirtschaftsministeriums

In Absprache mit Hiegelsberger als Vorsitzendem der Landesagrarräte-Konferenz und mit Reisecker als stellvertretendem Vorsitzenden der LK Österreich hat das Landwirtschaftsministerium bereits in den vergangenen Tagen eine entsprechende Anpassung von Förderkriterien und Nutzungsbestimmungen im Bereich der Direktzahlungen sowie des Umweltprogrammes ÖPUL erlassen. So dürfen in Oberösterreich die im Rahmen der Direktzahlungen als ökologische Vorrangflächen angemeldeten Bracheflächen ab sofort für Futter- und Weidezwecke genützt werden. Die Nutzung des Bewuchses kann sowohl inner- als auch überbetrieblich erfolgen.

Die im Rahmen des ÖPUL angelegten Acker-Biodiversitätsflächen können durch eine Änderung des Mehrfachantrages bei der Bezirksbauernkammer zu "Klee" oder "Sonstiges Ackerfeldfutter" umgewandelt und damit ebenfalls genutzt werden. Die notwendige Änderung des Mehrfachantrages Flächen hat vor der Nutzung dieser Flächen zu erfolgen. Damit stehen in Oberösterreich zirka 6.400 ha zusätzlich für die Futternutzung zur Verfügung, auch wenn dürrebedingt auf diesen Flächen die verfügbaren Futtermengen ebenfalls begrenzt sind. Im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme "Ackerflächen-System Immergrün" wird der Zeitraum von maximal 50 Tagen zwischen der Ernte der ersten Hauptfrucht und dem Anbau der nächsten Hauptfrucht von 50 auf nunmehr 70 Tage verlängert. Damit entfällt die Verpflichtung zur Aussaat von Begrünungen, die aufgrund der Trockensituation ohnehin keinen Aufwuchs erwarten lassen.

Klimawandel trifft Landwirtschaft - Bauern nicht alleine lassen

"Die Bauernvertretung fordert von Bund und Land die Umsetzung weiterer unbürokratischer Hilfsmaßnahmen, um die aufgetretenen wirtschaftlichen Schäden zumindest teilweise abfedern zu können. Dazu werden rasch konkrete politische Entscheidungen für entsprechende Hilfen angestrebt, denn wer rasch hilft, hilft doppelt", betonen Hiegelsberger und Reisecker. "Für die Zukunft fordern wir eine öffentliche Bezuschussung von Dürreversicherungen in der Landwirtschaft. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Bauern in immer rascherer Abfolge mit Dürren konfrontiert sind. Die Landwirtschaft ist damit der hauptbetroffene Sektor des Klimawandels. Unsere Bäuerinnen und Bauern dürfen bei der wirtschaftlichen Bewältigung dieser neuen enormen Herausforderung auch in den nächsten Jahren nicht alleine gelassen werden", so die beiden Agrarpolitiker.