IGC setzt Ernte- und Verbrauchsprognosen für 2015/16 hinauf

El Nino noch nicht auf den Märkten angekommen - Ruhige Restvermarktung in Österreich.

Wien, 29. Mai 2015 (aiz.info). - Das Interesse an den Getreidemärkten richtet sich praktisch nur mehr auf die auf der Nordhalbkugel kurz bevorstehende neue Ernte 2015/16. Das Auf und Ab der Preise spiegelt typisch die Stimmung von "Wettermärkten" wider. Die Kassamärkte bleiben in unseren Breiten mit Geschäften aus der neuen Ernte abwartend, Exporteure am Schwarzen Meer preisen die neue Ernte dagegen aggressiv aus. In den vergangenen Wochen kam es an den internationalen Terminbörsen - teilweise auch durch Shortcovering von Fonds - zu einer leichten Befestigung der Weizenkurse, die sich zuletzt aber wieder etwas abschwächte. Am Freitag gegen Mittag hielt der Weizenkontrakt zur Lieferung im September an der Euronext in Paris bei 178 Euro/t. Mais und der Sojabereich standen tendenziell unter Druck. Der Internationale Getreideerat IGC mit Sitz in London revidierte am Donnerstag in seinem Monatsbericht zu den globalen Versorgungsbilanzen gegenüber dem April die Prognose für 2015/16 über die Produktion und den Verbrauch von Getreide allgemein sowie von Weizen und Mais nach oben.

Vor allem auf der Nordhalbkugel seien die Ertragsaussichten weiterhin sehr gut, wenngleich gewisse Unsicherheiten in Russland und den USA bestünden.

El Nino noch nicht auf Märkten angekommen - Trockenheit in Russland bestimmte zuletzt

Das einsetzende Wetterphänomen El Nino findet seinen Niederschlag bisher nur in Medienberichten von Hitze und Dürre in Südasien sowie Hurricanes und Überschwemmungen in den USA, hat aber die Märkte noch nicht erreicht. Sorgen um Wetteranomalien mit Folgen für die Landwirtschaft werden aktuell aus Russland geäußert, wo es zu trocken sein soll. Sonst sehen die Bedingungen auf der Nordhalbkugel gut aus - nach den jüngsten Regenfällen und mit Ausnahme lokaler Hagelschäden auch hierzulande. Trockenheit moniert im EU-Raum Süddeutschland, wohingegen Frankreich auf Rekorderträge zusteuern soll.

IGC: Leichter Abbau der Getreideendlager 2015/16

Die Londoner Experten des IGC erwarten nun eine gegenüber dem Vormonat um 21 Mio. t größere Gesamtgetreideernte auf der Welt, das sind um 2% weniger als der Rekord 2014/15. Aber auch den Verbrauch setzen sie um 11 Mio. t höher an. Damit kommt es kommende Saison zu einem Abbau der Endlager, aber in einem geringeren Ausmaß als bisher angenommen und auf ein nach wie vor komfortables Niveau von 21,5% des Konsums. Der Lagerabbau soll vor allem Mais in den USA, Weizen und Gerste in Russland sowie ebenfalls Mais in der Ukraine betreffen.

Verbrauchszuwächse setzt der IGC korrespondierend mit dem Bevölkerungswachstum bei der Ernährung mit plus 1,1% und dem industriellen Verbrauch (vor allem für Stärke- und Malzerzeugung) mit 1,2% an, während die Verfütterung mit minus 0,5% knapp das aktuelle hohe Niveau verfehlen soll.

2015/16 ausgeglichene Weizenbilanz bei komfortabler Versorgung

Die nunmehr mit 715 Mio. t um 10 Mio. t gegenüber April größer angenommene Weizenernte und ein auf ebenso 715 Mio. t hinauf revidierter Verbrauch ergeben 2015/16 eine ausgeglichene Bilanz, wobei aber die Endlager mit nunmehr 200 Mio. t wegen der ebenfalls größer angenommenen Überlager aus der laufenden Saison auch um 6 Mio. t größer erwartet werden als vor einem Monat. Mit fast 28% Anteil der Endlager am Verbrauch bleibt die Ratio von stock to use sehr komfortabel.

Ähnlich angepasst hat der Rat seine Maisschätzung, wobei hier die Endlager im kommenden Wirtschaftsjahr doch um 13 Mio. t (Vormonatsprognose: 23 Mio. t) abschmelzen sollen.

Rekordendlager bei Sojabohnen - aber deutlich engere Rapsbilanz

Wenngleich der Sojahunger Chinas weiter wachsen, das Welthandelsvolumen auf 123 Mio. t steigen und die Produktion mit 316 Mio. t nicht ganz an den diesjährigen Rekord herankommen sollen, prognostiziert der IGC aufgrund der Überlager aus 2014/15 in der neuen Saison eine Kumulierung der Endbestände im Jahresabstand um 9% auf den Rekord von 52 Mio. t. Deutlich enger nimmt der Rat aber die Rapsbilanz 2015/16 gegenüber der laufenden Saison an. Eine kleinere Ernte soll die Endbestände im Jahresvergleich um 26% reduzieren.

Preise im Mai deutlich unter Vorjahresniveau

Die Aussicht auf eine anhaltend reichliche Versorgung ließen den Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) des IGC im abgelaufenen Monat um 2,6% (minus 27,7% im Jahresabstand) sinken, wobei alle Subindizes, am meisten jedoch Sojabohnen (minus 4%) und Weizen (minus 4,9%), nachgaben.

Russland wieder als Exporteur am Weizenweltmarkt zurück - EU-Kampagne läuft aus

Nach der Beseitigung der Exportzölle auf Weizenausfuhren ist Russland wieder am Weizenweltmarkt zurück. Dieser Tage bedienten sie mit Zuschlägen über 180.000 t den Großteil eines Weizentenders Ägyptens über insgesamt 240.000 t. Der Rest von 60.000 t entfällt auf Rumänien. Ägypten soll dabei erstmalig seit Längerem wieder um einen Preis von unter 200 USD/t (183,55 Euro/t) an Weizen herangekommen sein.

Der Exportmotor der EU lief bis zuletzt auf Hochtouren, nun erst zeichnet sich allmählich ein Auslaufen der Exportkampagne ab. In der Woche bis 27. Mai vergab die EU-Kommission Exportlizenzen für nur mehr 228.000 t Weichweizen. Das ist der niedrigste Wert seit sieben Wochen. Dennoch summieren sich die Weizenausfuhren der Union in der seit 1. Juli 2014 laufenden Saison auf den Rekordwert von 29,3 Mio. t (Vergleichszeitraum 2013/14: 26,4 Mio. t). Auch die Gerstenexporte (8,4 Mio. t nach 5,3 Mio. t) und die von Mais (3,2 Mio. t nach 2,5 Mio. t) übertreffen im aktuellen Wirtschaftsjahr die aus dem vorigen.

Exportsteuern in Russland noch nicht vom Tapet - 2015/16 weniger Weizen

Allerdings scheint das Thema Exportsteuern in Russland noch nicht völlig vom Tapet zu sein. Denn das unter neuer Führung stehende Landwirtschaftsministerium soll nun für 2015/16 über Ideen für eine variable Abgabenregelung brüten. Im Gespräch sei laut Agenturmeldungen ein Zoll in Höhe der Hälfte des Weizenpreises, der eine Freigrenze von 5.500 Rubel/t (95,34 Euro/t) überschreitet, wenn die russischen Inlandspreise für Weizen über einer Auslöseschwelle von 11.000 Rubel/t (190,68 Euro/t) zu liegen kommen.

Während das Moskauer Agrarressort noch optimistische Ernteprognosen hinausposaunt, meinet der Chef der russischen Getreideunuion am Donnerstag, Russlands Landwirte hätten für die Ernte 2015 nur eine Fläche von 9,3 Mio, t nach 10,4 Mio. t im Vorjahr bestellen können. Ursache dafür seien die wegen des Rubelverfalls gestiegenen Produktionskosten. Damit prognostiziert die Union heuer einen Weizenertrag von höchstens 55 Mio. t nach den 60 Mio. t aus dem Jahr 2014.

Ukraine rechnet heuer mit etwa 59 Mio. t Getreide

Das ukrainische Landwirtschaftsministerium rechnet mit einer Getreideernte 2015 in Höhe von etwa 59 Mio. t. Die bisherige Erwartung belief sich auf 55 bis 62 Mio. t. Sollte die aktualisierte Prognose aufgehen, wäre es das drittbeste Ernteergebnis im Land, welches den rekordwert des Vorjahres um 8% unterschreiten würde. Nach Schätzung des Ressorts dürfte die Ukraine davon zwischen 34 und 37 Mio. t Getreide in 2015/16 exportieren können.

Ruhiges Auslaufen der Saison in Österreich - Restdeckung bei Qualitätsweizen

Völlig saisontypisch kurz vor der neuen Ernte läuft das Geschäft mit Getreide am österreichischen Kassamarkt mit nur mehr kleinen Abschlüssen da und dort aus. Dass die Notierungen für den Weizen an der Euronext in Paris zuletzt angezogen haben, wird weniger neuen fundamentalen Marktdaten - die kommende Ernte verspricht wieder sehr groß zu werden - als börsentechnischen Umständen, wie dem Shortcovering durch Fonds, zugeschrieben. Dennoch hätte dieses Anziehen der Preise psychologisch noch eine leichte Belebung der Nachfrage nach höheren Weizenqualitäten ausgelöst, weil sich manche Verarbeiter noch etwas an Qualitätsreserven zu den alten Preisen auf die Seite legen beziehungsweise ihre Restdeckung abschließen wollten, heißt es.

Die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien setzte demnach am Mittwoch dieser Woche die obere Notierung von Qualitätsweizen um 2 Euro auf 197 Euro/t (192 bis 197 Euro/t) hinauf, während Mahlweizen unverändert mit 165 bis 168 Euro/t bewertet blieb. Leicht im Minus - ohne aber laut Händlern damit einen Trend auszudrücken - notierten Futtergerste (durchschnittlich 131,50 Euro/t) und Industriemais (durchschnittlich 130 Euro/t). Nach Monaten brachte die offensichtliche Vermarktung noch übriggebliebener Restbestände auch wieder Futterweizen mit 150 Euro/t auf das Kursblatt. Im Plus notierten auch die Sojaschrote.

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