Kirschessigfliege im Anflug

Bei der Weinlese 2014 hatte man in Deutschland mit teilweise hohem Befall der Kirschessig-Fliege zu kämpfen. In Österreich gab es (noch) wenige Probleme – die Unsicherheit bei den Winzern ist dennoch groß.

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Bei den Winzern in Deutschland und der Schweiz ist die Kirschessigfliege bereits ein gefürchteter Schädling © Kwizda
Spätestens seit der letzten Saison gibt es in der Branche zahlreiche Diskussionen rund um die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Sorgte sie doch in den Nachbarländern im Jahr 2014 für punktuell hohe Ernteausfälle. Auch wenn sich die Schäden in Österreich bis jetzt in Grenzen gehalten haben, stellt die Kirschessigfliege für die heimischen Winzer dennoch eine potenzielle Gefahr dar.

„Im Gegensatz zu den heimischen Arten, die vorgeschädigte Früchte bevorzugen, befällt die Kirschessigfliege in der Regel intakte Früchte“, erklärt Michael Breuer, Referatsleiter Ökologie vom staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg (D). Der Experte gab beim Preziso Weinbau-Symposium der Raiffeisen Lagerhäuser wertvolle Informationen zur Kirschessigfliege.

Gefahr für weichschalige Früchte

Die Kirschessigfliege kommt ursprünglich aus Asien und ist mit der in Europa heimischen Essigfliege verwandt. Seit 2011 gibt es sie auch in Österreich. Der Schädling befällt weichschalige Früchte im Beeren-, Obst- und Weinbau. Besonders Brombeere, Himbeere, Holunder und Kirsche stehen auf dem Speiseplan ganz oben. Die Kirschessigfliege befällt aber auch reifende Kelter- und Tafeltrauben.

Auch wenn das Milieu der Weinbeere nicht optimal für die Entwicklung ist und es deshalb schwer ist, große Populationen aufzubauen, stellt der Schädling eine große Gefahr dar. Es schlüpfen nur 10 Prozent der abgelegten Eier. Das Tier hat aber einen außerordentlich schnellen Lebenszyklus (vom Ei bis zur fertigen Fliege vergehen etwa 14 Tage) und ein Weibchen kann bis zu 600 Eier ablegen, schildert der Experte. Bei zunehmender Reife steigt das Befallsrisiko. Dabei ritzt sie die Haut der Frucht an und schiebt das Ei darunter. Es kommt zu einem Saftaustritt und in weiterer Folge zur gefürchteten Essigfäule. Milde Winter und moderate Temperaturen und Regen im Sommer begünstigen den Populationsaufbau.

Drosophila suzukii ähnelt von Größe und Gestalt den heimischen Arten. Das auffallendste Unterscheidungsmerkmal sind schwarze Punkte auf den Flügeln der männlichen Tiere. Die Puppen besitzen bei der Kirschessigfliege, im Gegensatz zu den europäischen Verwandten, sternförmige Anhänge. Die Larven sind hingegen nicht zu unterscheiden.

Zum überwiegenden Teil Rotwein betroffen

Die Kirschessigfliege befällt hauptsächlich Rotweinsorten, Weißwein wird nicht so gerne befallen (nur bei Vorschädigungen werden Eier abgelegt). „Es gibt Indizien, dass sich das Insekt nach der Farbe orientiert. Sicher ist, dass der Befall nichts mit dem Säuregehalt oder der Hautdicke der Früchte zu tun hat“, erklärt Breuer. Untersuchungen haben ergeben, dass die Kirschessigfliegen im Bereich der Traubenzone sitzen. Da der Schädling eine schattige und kühle Umgebung bevorzugt, ist eine Entblätterung der Traubenzone zu empfehlen.

Es gibt Faktoren, die das Vorkommen der Kirschessigfliege begünstigen. Das sind beispielsweise die Nähe zu Früchten (z.B. Beeren- oder Obstkulturen) bzw. Wildfrüchten, oder ein schlechter weinbaulicher Zustand der Rebanlage.

Einen stärkeren Befall haben die Experten auch bei Vorschädigungen (Wespen-, Vogel- oder Mäusefraß) oder bei vermehrter Fäulnis in der Anlage (z.B. aufgrund der Witterung) festgestellt. „Das Wichtigste sind aber gut gepflegte Rebanlagen“, so Breuer.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Kirschessigfliege

Da der Schädling die Früchte erst kurz vor der Ernte befällt, ist er sehr schwer zu bekämpfen. Und: Insektizide alleine reichen nicht, um den Schädling in den Griff zu bekommen.
  • Derzeit gibt es wenig wirksame Spritzmittel die gegen die Kirschessigfliege eingesetzt werden können. Die Behandlung mit SpinTor / Pfl.Reg.Nr. 3296/0 zeigt die beste Wirkung (auf die Wartefrist achten!).
  • Experten empfehlen eine sorgfältige Beobachtung ab Reifebeginn.
  • Außerdem werden fäulnisvermeidende Maßnahmen angeraten.
  • Es ist auf einen guten Pflegezustand der Rebanlagen zu achten (eventuell Blätter wegschneiden und Begrünung kurz halten).
  • Am Boden liegende Trauben sollte man rasch mulchen.
  • Netze können laut Experten auch einen gewissen Erfolg bringen.
  • In manchen Situationen ist eine vorgezogene Lese sinnvoll.
Autor:
Schindlbacher Reinhard