Landwirtschaft und Gewerbe wollen Wertschöpfung durch Kooperation steigern

Gemeinsame Veranstaltung von Netzwerk Zukunftsraum Land, LKÖ und WKO

Wien, 3. Mai 2017 (aiz.info). - Mehr Wertschöpfung am Land durch den Schulterschluss von Landwirtschaft und Gewerbe - mit diesem Motto fasst der Leiter des LE-Netzwerks Zukunftsraum Land, Georg Keuschnigg, das Ergebnis einer gemeinsamen Veranstaltung von Netzwerk, LK Österreich und WKO, die vorige Woche in Wien stattfand, zusammen. Agrarische und gewerbliche Kleinstbetriebe bräuchten allerdings Rahmenbedingungen, die einerseits der spezifischen Situation der Höfe und andererseits den personellen Ressourcen von Mikrobetrieben entsprechen, wurde von den Teilnehmern betont.

Kostendruck als Auslöser für neue Strategien

Vier Beispiele, die eingangs vorgestellt wurden, demonstrieren die Vielfalt der Entwicklungen an der Schnittstelle von Landwirtschaft und Gewerbe. Meist ist der finanzielle Druck der Auslöser für neue Strategien auf den Höfen. Die Kosten auf einem landwirtschaftlichen Betrieb steigen jährlich um zirka 900 Euro, informierte Bernhard Brait vom LK-Unternehmerservice der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. In zehn Jahren ist das eine entscheidende finanzielle Größe. "Wenn bäuerliche Familien Chancen verwirklichen wollen, begleiten wir sie aktiv beim Einstieg ins Gewerbe", so Brait.

Die mangelnde Zukunftsperspektive des kleinen Hofes war auch der Anstoß zur Gründung der Whisky-Erlebniswelt J. Haider im Waldviertel, die mittlerweile 65.000 Besucher jährlich zählt und gerade neue Exportmärkte aufbaut. Jasmin Haider-Stadler betonte, dass das Wachstum nur mit dem Wechsel ins Gewerbe möglich war. Der Rohstoff für den Whisky kommt ausschließlich von österreichischen Bauern.

Gemeinsame Produktprämierungen

In Oberösterreich haben sich Fleischerinnung und Landwirtschaftskammer auf gemeinsame Produktprämierungen für gewerbliche Betriebe und Direktvermarkter (Culinarix) verständigt. Im Verein der Troadbäcker arbeiten 90 Bauern, drei Mühlen wie auch vier Bäcker zusammen und halten damit die Wertschöpfung in der Region. 350 aktive ALMO-Bauern haben in der Steiermark seit 1988 eine Qualitätspartnerschaft vor allem mit dem Verarbeitungs- und Vermarktungsbetrieb Schirnhofer aufgebaut.

Bei dieser Veranstaltung wurde in den Vorträgen, Interviews und Diskussionsbeiträgen vor allem auch der Nutzen einer engeren Zusammenarbeit analysiert. Im Lebensmittelbereich vermarkten das Handwerk und die bäuerliche Direktvermarktung zusammen nur mehr einen Anteil von rund 10%. Der Vorteil der Kooperation könnte in der besseren Nutzung von Investitionen und in der Bündelung der qualitativ hochwertigen sowie effizienten Urproduktion einerseits und dem Know-how in der Herstellung von Lebensmitteln durch das spezialisierte Handwerk andererseits liegen. Die höheren Produktionsauflagen der österreichischen Landwirtschaft und die anerkannte Qualität des Handwerks schaffen ein Alleinstellungsmerkmal, das im Marketing gut umgesetzt werden könne, wurde betont.

Maßgeschneidertes LK-Beratungsangebot

Aufgrund des starken Veränderungsdrucks können viele bäuerliche Betriebe das erforderliche Betriebs- und Umsatzwachstum nur schaffen, wenn sie den Schritt ins Gewerbe wagen. Das Unternehmerservice der LK Oberösterreich bietet daher interessierten Betrieben Einstiegsveranstaltungen an. Auch das Beratungsangebot der Wirtschaftskammer steht allen Interessierten zur Verfügung. Petra Haslinger vom Gründerservice der WKO betonte, dass beim Einstieg ins Gewerbe schon viel Bürokratieabbau stattgefunden habe. Vor allem bei der jüngeren Generation sind aufgrund der gediegenen Ausbildung und einer realistischen Beurteilung der Möglichkeiten die Vorbehalte sowie Schwellenängste merkbar gesunken, ergab die abschließende Diskussion.