Landwirtschaftliche Einkommen sinken das vierte Jahr in Folge

Durchschnittliches Minus je Arbeitskraft beträgt 2015 real 2,6 %.

Wien, 15. Dezember 2015 (aiz.info). - Nach den Einkommenseinbußen der vergangenen Jahre bringt auch 2015 keine Erholung für die heimische Landwirtschaft. Laut ersten Schätzungen der Statistik Austria im Rahmen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) sank das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft (gemessen als Faktoreinkommen, das heißt als Nettowertschöpfung zu Faktorkosten) im Vorjahresvergleich real um 2,6%, nach einer Abnahme um 5,7% im Jahr 2014 und war damit das vierte Jahr in Folge rückläufig. Hauptverantwortlich für den neuerlichen Rückgang waren der Einbruch der Milch- und Schweinepreise, hitze- und trockenheitsbedingte Ernteeinbußen im Pflanzenbau sowie geringere Direktzahlungen. Abgeschwächt wurde das Einkommensminus durch Einsparungen bei den Produktionskosten.

Wert der landwirtschaftlichen Produktion um 1,8 % gesunken

Der Gesamtproduktionswert der heimischen Landwirtschaft wird für 2015 auf rund 6,8 Mrd. Euro geschätzt und war damit - nach seinem bisherigen Höchststand 2012 - weiter rückläufig (-1,8% gegenüber 2014). Dabei wurden in der tierischen Produktion deutliche wertmäßige Einbußen verzeichnet (-5,9%), während der Wert der pflanzlichen Erzeugung nach Rückgängen in den vergangenen drei Jahren erstmals wieder zunahm (+3,2%).

Weniger Erträge im Pflanzenbau durch höhere Erzeugerpreise kompensiert

Im Pflanzenbau stand ein, infolge der langen Hitze- und Trockenperioden, geringeres Ertragsvolumen einem Preisanstieg gegenüber. Bei den Feldfrüchten waren Herbstkulturen wie Körnermais und Sonnenblumen sowie Hackfrüchte besonders von den trockenheitsbedingten Ernteeinbußen betroffen. Auch im Feldfutterbau und Dauergrünland sowie im Gemüse- und Obstbau gab es Trockenschäden, während im Weinbau die schwache Vorjahresernte sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich übertroffen wurde. Die Erzeugerpreise fielen bei den meisten pflanzlichen Produktgruppen höher als 2014 aus. Im Mittel lagen sie laut vorläufigen Berechnungen um 6,9% über dem Vorjahresniveau.

Milch- und Schweinemarktkrise sowie Wegfall von Prämien ausschlaggebend

Die Entwicklung der tierischen Erzeugung war durch die Krise am Milch- und Schweinemarkt geprägt. Zudem trug auch der Wegfall der Mutterkuh- sowie der Milchkuhprämie mit der neuen Periode der GAP zum Rückgang des tierischen Produktionswerts bei. Der Wert der Milcherzeugung sank - bei einem leicht gestiegenen Produktionsvolumen - im Vorjahresvergleich um 10,7%. In der Schweinehaltung ließen die Preisrückgänge den Produktionswert um 7,6% sinken. Höhere Preise wurden hingegen in der Rinderhaltung erzielt, wertmäßig nahm letztere jedoch aufgrund der Entkoppelung der Mutterkuhprämie ebenfalls ab (-5,2%).

Niedrigere Produktionskosten

Die Vorleistungen der heimischen Landwirtschaft betrugen 2015 laut ersten Schätzungen rund 4,1 Mrd. Euro und sanken somit im Vergleich zum Vorjahr um 2,8%. Zur Kostensenkung trugen vor allem die niedrigeren Aufwendungen für Futtermittel sowie der kräftige Rückgang der Treibstoffpreise bei. Die Abschreibungen für das Anlagevermögen nahmen hingegen leicht zu (+0,9%).

Umstellung bei öffentlichen Zahlungen brachte Minus von 6,7 %

Mit dem Inkrafttreten der neuen GAP-Regeln zu Jahresbeginn 2015 kam es zu Umstellungen bei den öffentlichen Geldern für die Landwirtschaft. Laut vorläufigen Berechnungen betrugen die für die Ermittlung des landwirtschaftlichen Einkommens zu berücksichtigenden Agrarzahlungen ("Gütersubventionen" und "sonstige Subventionen") 2015 rund 1,4 Mrd. Euro, was gegenüber 2014 einem Rückgang um 6,7% entsprach. Dabei fand eine weitere und nunmehr fast gänzliche Umschichtung von den als Teil des Produktionswerts erfassten produktspezifischen Zahlungen ("Gütersubventionen") hin zu den "sonstigen Subventionen" statt. Letztere hatten bereits in der Vergangenheit den Großteil der im Rahmen der LGR-Einkommensberechnung berücksichtigten Förderungen und Leistungsabgeltungen ausgemacht, insbesondere seit Einführung der Betriebsprämie im Jahr 2005.

Rückgang des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens real um 2,6 %

Gemäß den ersten Schätzungen betrug das in der Landwirtschaft insgesamt erwirtschaftete Faktoreinkommen 2015 rund 2,1 Mrd. Euro (-2%). Unter Berücksichtigung des durch den Strukturwandel bedingten weiteren Rückgangs des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes, der für 2015 auf 0,9% geschätzt wurde, fand ein durchschnittlicher nomineller Einkommensrückgang von 1,2% je Arbeitskraft statt. Deflationiert mit dem impliziten Preisindex des BIP ergab sich real eine Abnahme des Faktoreinkommens je Arbeitskraft um 2,6%.
Ausführlichere Informationen zur Einkommensentwicklung der österreichischen Landwirtschaft 2015 werden im Februar 2016 anlässlich der Publikation der zweiten Vorschätzung der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung veröffentlicht.