LK Österreich: Durch Mengenreduktion zu besserem Erzeugermilchpreis

Finanzieller Anreiz für einzelbetriebliche Maßnahmen geschaffen.

Wien, 18. August 2016 (aiz.info). - Eine spürbare Steigerung der Erzeugerpreise am europäischen Milchmarkt wird nur erreichbar sein, wenn die Milchanlieferung auf EU- Ebene verringert wird, darüber sind sich die Experten einig. Dies erfordert auch Maßnahmen auf einzelbetrieblicher Ebene. Die LK Österreich hat dazu die wichtigsten aktuellen Informationen zusammengefasst.

Beschluss im EU-Agrarministerrat ist die Grundlage

Beim Agrarrat am 18. Juli 2016 wurden von der EU-Kommission Hilfsmaßnahmen für die milchproduzierenden Landwirte (500 Mio. Euro-Paket, Verlängerung der öffentlichen Intervention und privaten Lagerhaltung für Magermilchpulver sowie die Möglichkeit der vorzeitigen Auszahlungen der Direktzahlungen) vorgestellt. Das EU-Hilfspaket enthält zwei Maßnahmen: Die "Milchreduktionsbeihilfe" auf Unionsebene (150 Mio. Euro beziehungsweise 0,14 Euro/kg nicht angelieferter Milch) und die "außergewöhnliche Anpassungsbeihilfe" (350 Mio. Euro für alle EU-Mitgliedstaaten).

Aus den 150 Mio. Euro ergibt sich in etwa ein Reduktionsvolumen von 1,1 Mio. t Milch. Die Zuteilung soll im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens erfolgen. Überschreiten die Anträge die verfügbare Reduktionsmenge, erfolgt eine Kürzung der einzelbetrieblichen Anträge durch einen von der Kommission zu verlautbarenden Zuteilungskoeffizienten, damit die Teilnehmer eine planbare einzelbetriebliche Menge kennen. Die außergewöhnliche Anpassungsbeihilfe (für Österreich 5,86 Mio. Euro; ebenfalls 0,14 Euro/kg nicht angelieferter Milch) soll hierzulande ebenfalls als Beihilfe bei der Reduktion der Milchproduktion verwendet werden.

Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen

Ziel der Maßnahmen ist es, das Milchangebot an die Nachfrage heranzuführen und so die Grundlage für bessere Erzeugerpreise zu schaffen. In Österreich bewirkt jeder Cent/kg höherer Milchpreis rund 30 Mio. Euro zusätzliche Wertschöpfung für die heimischen Bauern.

Antragstellung notwendig - Bei Details noch Änderungen möglich

Die Details und rechtlichen Grundlagen zur Beantragung und Abwicklung des Reduktionsprogrammes sind derzeit auf EU-Ebene und national noch in Ausarbeitung. Die folgenden Informationen bauen auf dem Entwurf der Verordnung auf, Details können sich noch ändern, betont die Landwirtschaftskammer. Sie wird laufend über den aktuellen Stand informieren.

Es soll jedenfalls im September eine einzelbetriebliche Antragstellung über e-AMA geben (für die Milchreduktionsbeihilfe und außergewöhnliche Anpassungsbeihilfe). Die Milchreduktionsbeihilfe der EU läuft von Oktober bis Dezember 2016. Falls dann aus dem 150 Mio. Euro-Topf der EU noch Geld vorhanden ist, sind in den Folgemonaten weitere Antragstermine vorgesehen, wobei jeder Landwirt nur einmal beantragen kann. Die außergewöhnliche Anpassungsbeihilfe ist geplant von Jänner bis März 2017 mit dem Referenzzeitraum Jänner bis März 2016. Diese kann gemeinsam mit der Milchreduktionsbeihilfe oder gesondert (im Zeitraum 14. November bis 15. Dezember 2016) beantragt werden, sofern von Oktober bis Ende Dezember 2016 Milch an einen Erstankäufer geliefert wurde.

Voraussetzungen zu erfüllen

Bei beiden Maßnahmen ist vom Landwirt die Menge an Milch anzugeben, die der Betrieb beabsichtigt, im entsprechenden Zeitraum zu liefern. Die Zahlen der Referenzperioden werden im e-AMA zur Verfügung gestellt. Die Antragstellung soll selbstständig durch den Landwirt, elektronisch über eine Onlinemeldung auf der e-AMA Plattform erfolgen. Viele Betriebe haben bereits einen Zugang in dieses System. Es handelt sich hier um freiwillige Maßnahmen. Zahlungen erfolgen voraussichtlich jedoch nur für beantragte und tatsächliche reduzierte Produktionsmengen. Die Maßnahmen können auch Betrieben gewährt werden, welche die Milcherzeugung einstellen. Über die genauen Zeitpunkte, wann die Produktion eingestellt werden kann, wird nach Vorliegen der Details informiert. Die Beschlussfassung auf EU-Ebene ist für Ende August 2016 vorgesehen.

Bereits jetzt mit der Planung zur Teilnahme beginnen

Die erste Frist für eine Teilnahme an der Milchreduktionsbeihilfe beziehungsweise an der außergewöhnlichen Anpassungsbeihilfe ist der 26. September 2016. Daher ergibt sich bereits jetzt die Notwendigkeit für Vorbereitungen und Planungen am Betrieb, in welchem Umfang an diesen Maßnahmen teilgenommen werden kann.

Die möglichen reduzierbaren Mengen und die damit einhergehende Meldung der geplanten Anlieferungsmengen sind einzelbetrieblich zu überlegen und zu prüfen. Je nach betrieblicher Situation und Ausrichtung gibt es mehr oder weniger Möglichkeit, die anlieferbare Menge zu beeinflussen und so an den Maßnahmen teilzunehmen.

Verschiedene Maßnahmen zur Mengenreduktion möglich

Eine schnelle und relativ einfache Maßnahme ist die Reduktion der Kuhzahl. Aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen können Tiere aus dem Bestand genommen werden. Die Beurteilung soll im Rahmen des Tiergesundheitsdienstes erfolgen. Eine weitere mögliche Überlegung ist, Stallplätze für die Ausmast von weiblichen Tieren zu nutzen. Verschiedene Qualitätsprogramme bieten hier attraktive Vermarktungspreise beispielsweise in der Kalbinnenmast.

Kälberfütterung

Ein Potenzial für Mengenänderungen birgt auch die Vertränkung von Milch an Kälber. Hierbei ist zu überlegen, ob eine Ausmast als Milchmastkälber sinnvoll ist und ein entsprechender Verwertungserlös erzielt werden kann. Dazu sollte aber auf jeden Fall vorher mit dem Abnehmer der Tiere abgeklärt werden, auf welches Gewicht die Kälber aufgemästet werden sollen, damit sie den Anforderungen des Marktes entsprechen und Abzüge wegen nicht erreichter Qualitätskriterien vermieden werden.

Im Fall des Einsatzes von Milchaustauschern ist zu überlegen, die betriebseigene Milch einzusetzen, auch wenn der Einsatz von Austauschern rechnerisch attraktiv erscheint. Nicht vertränkt werden sollte Milch von Kühen mit hohen Zellzahlen, da sich hier Nachfolgeprobleme ergeben können. Bei diesen Tieren ist das Merzen zu überlegen, so die Experten. Sehr gute Erfahrung haben einige Betriebe mit dem Einsatz einer Ad-Libitum-Tränke bei Aufzuchtkälbern gemacht.

Rationsgestaltung überarbeiten

Ein weiterer Ansatz liegt in der Fütterung: Grundfutter sollte in bester Qualität vorgelegt werden und laufend für die Kühe verfügbar sein. Zu überdenken ist aber der Kraftfuttereinsatz. Dies bringt möglicherweise auch Einsparungen auf der Kostenseite. Gerade bei altmelkenden Kühen lässt sich oft eine Überversorgung feststellen mit Nachfolgeproblemen in der Trockenstehphase, bei der Geburt und in der darauffolgenden Laktation. Eine Analyse der Rationsgestaltung ist Grundlage für die optimale Versorgung.

Auswirkungen auf die Kostenstruktur beachten

Bei allen genannten Möglichkeiten ist die betriebsindividuelle Situation genau zu analysieren. Auch Auswirkungen auf das Management und die Arbeitsabläufe sind in die Überlegungen einzubeziehen. Weiters ist abzuwägen, welche Konsequenzen die eine oder andere Maßnahme auf die Kosten (fixe und variable) hat und ob allenfalls entgangene Leistungen höher sind als der Effekt der Mengenreduktion. Hier ist der Gesamterlös aus dem Milchverkauf unter Berücksichtigung möglicher Zu- oder Abschläge, von Preisklassen und der Auswirkung der Reduktionsbeihilfe gegenüberzustellen.

"Mit den Maßnahmen seitens der EU und Österreichs wurde ein finanzieller Anreiz geschaffen, der eine einzelbetriebliche Mengenreduktion wirtschaftlich interessant machen kann. Nur wenn diese auf einzelbetrieblicher Ebene umgesetzt werden, kann eine Reduktion der Anlieferungsmenge bewirkt und damit ein besserer Erzeugerpreis erreicht werden. Der Erfolg hängt von der Teilnahme der Milcherzeuger ab", stellt die LK Österreich fest.