Milchmarkt: Deutscher Raiffeisenverband gegen mengensteuernde Maßnahmen

Nüssel: Milchquoten konnten starke Preisschwankungen nicht verhindern.

Berlin, 18. Februar 2016 (aiz.info). - "Die nationalen und globalen Milchmärkte stehen weiterhin massiv unter Druck. Die Molkereigenossenschaften sind sich der daraus resultierenden wirtschaftlichen Probleme auf den Betrieben ihrer Mitglieder sehr bewusst. Für die bestmögliche Stabilisierung ihrer Auszahlungsleistungen nutzen sie die Chancen am Markt und schöpfen die Potenziale für Kosteneinsparungen in den Unternehmen aus", erklärte der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Manfred Nüssel, gestern in Berlin. Der Forderung nach einer Wiedereinführung von Mengenregulativen erteilte er eine Absage.

"Ursache für das anhaltende Preistief ist ein weltweit hohes Milchangebot, das nach wie vor auf eine schwache Nachfrage trifft. Darunter leidet auch der europäische Markt. Insbesondere auf dem EU-Käsemarkt herrscht ein intensiver Verdrängungs-Wettbewerb. Bei einem Anteil von über 45% an der deutschen Milchverwertung schlagen die sinkenden Käsenotierungen ungebremst auf den nationalen Milchpreis durch", so Nüssel.

Wiederbelebung der Quote unrealistisch

Knapp ein Jahr nach Ende des europäischen Quotensystems gebe es einzelne Forderungen nach einer erneuten politischen Einflussnahme auf das Milchangebot, so Nüssel. Er sprach sich entschieden gegen eine Rückkehr zu mengensteuernden Maßnahmen aus. "Auch die Milchquotenregelung konnte starke Schwankungen der Produkt- und Erzeugerpreise nicht verhindern. Gegen eine Mengensteuerung, auch wenn sie nur zeitweise erfolgen sollte, sprechen die mangelnde Effizienz auf offenen EU-Märkten, eine zu langsame Reaktion und der damit verbundene hohe Bürokratie- und Kontrollaufwand. Eine politische Mehrheit zur Wiederbelebung der Quote ist deshalb auch auf Brüsseler Ebene nicht zu erkennen. So hat in der letzten Woche Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker unmissverständlich erklärt, dass er die GAP-Reform und das definitive Quotenende nicht in Frage stellt", führte Nüssel aus.

Lieferbeziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien in Diskussion

Der Krise auf dem europäischen Milchmarkt habe auch zu Diskussionen über die Lieferbeziehungen zwischen den Milcherzeugern und ihren Molkereien geführt. Dabei stehe speziell die genossenschaftliche Andienungspflicht im Fokus. "Manche Kritiker verkennen völlig, dass gerade in Zeiten großer Volatilität die Vollanlieferungspflicht in Verbindung mit der Vollannahmepflicht beiden Seiten, also den Milch erzeugenden Mitgliedern und den Molkereigenossenschaften, ein hohes Maß an Sicherheit bietet. Dabei entscheiden die Mitglieder selbst über die Ausgestaltung der für sie maßgeblichen Lieferbeziehung in Satzung und Milchlieferungsordnung", unterstrich der DRV-Präsident.

Über die inhaltliche Ausgestaltung der genossenschaftlichen Lieferbeziehung führt der DRV derzeit intensive Gespräche. Es wird geprüft, ob es Möglichkeiten gibt, zwischen den Molkereigenossenschaften und ihren Mitgliedern zu einer höheren gegenseitigen Planungssicherheit bei Mengen und Preisen zu gelangen. "Wenn es Modifikationen in den Lieferbeziehungen geben sollte, sind diese nur eine Antwort auf schwankende Märkte. Die global wirkenden Marktkräfte können damit aber nicht ausgehebelt werden", betonte Nüssel.

Ausbau des Agrarexports hat Priorität

Angesichts des großen Mengen- und Preisdrucks, verschärft durch das russische Importverbot, habe die Erschließung neuer Drittlandmärkte höchste Priorität. Diese Aktivitäten müssten im Hinblick auf alle betroffenen Produktsektoren bundes- sowie europapolitisch vorangetrieben werden, forderte der Präsident.