Neue Hofübergabe/Hofübernahme-Broschüre der Landjugend Österreich

Auch Änderungen zum Erbrecht und Steuerrecht werden behandelt.

Wien, 29. Februar 2016 (aiz.info). - Mit der aktualisierten Auflage ihrer Hofübergabe/Hofübernahme-Broschüre setzt die Landjugend Österreich einen wichtigen Schritt und stellt Bäuerinnen und Bauern einen überaus informativen, zeitgemäßen und praxisnahen Leitfaden zur Verfügung, der ihnen für eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben einer bäuerlichen Familie eine wertvolle Unterstützung und eine fundierte Basis bietet. Die Broschüre behandelt die bedeutendsten Vertragspunkte des Übergabevertrages, alle Neuerungen zum Erbrecht und Steuerrecht sowie die wesentlichsten Fakten zu Hofübergabe und Bauernpension. Die Hofübergabe/Hofübernahme-Broschüre ist kostenlos in allen Landjugendreferaten der Bundesländer sowie im Referat der Landjugend Österreich erhältlich. Zusätzlich steht sie unter www.landjugend.at als Download zur Verfügung.

Landjugend unterstützt Mitglieder bei Hofübernahme

"Die Landjugend Österreich möchte ihre Rolle als Anlaufstelle für agrarische Themen weiter stärken - immerhin stammt ein großer Anteil unserer insgesamt rund 90.000 Mitglieder von einem landwirtschaftlichen Betrieb ab und wird früher oder später mit dem Thema Hofübergabe/Hofübernahme konfrontiert. Es ist uns ein Anliegen, hierbei durch die Broschüre eine möglichst konkrete Hilfestellung zu leisten", erklärt Bundesleiter Martin Stieglbauer. Die Inhalte der Fachbroschüre wurden von der Landjugend in Zusammenarbeit mit Bereichsexperten der Landwirtschaftskammern und der Sozialversicherungsanstalt der Bauern erstellt.

Wichtige steuerliche Änderungen

Die Steuerreform 2015/16 bringt zahlreiche Neuerungen. Im Bereich Hofübergabe/Hofübernahme sind besonders Änderungen in der Grunderwerbsteuer ab 01.01.2016 zu beachten. Der Grunderwerbsteuer unterliegen alle entgeltlichen und unentgeltlichen Erwerbe von Grundstücken. Grundsätzlich ist der Wert der Gegenleistung (z.B. Kaufpreis) die Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer.

Aufgrund der Steuerreform 2015/16 sind die Familienangehörigen beziehungsweise Verwandten im Grunderwerbsteuerrecht hinsichtlich Bemessungsgrundlage nicht mehr wie bisher begünstigt. Auch bei unentgeltlichen Übertragungen zwischen nahen Angehörigen ist die Grunderwerbsteuer ab 2016 vom Wert der Gegenleistung, mindestens aber vom neu eingeführten Grundstückswert, zu berechnen. Der Grundstückswert ist zwar nicht vom gemeinen Wert abzuleiten, er wird aber annäherungsweise dem gemeinen Wert entsprechen. Der Grundstückswert ist dabei entweder vom hochgerechneten dreifachen Bodenwert und dem Gebäudewert zu berechnen oder von einem geeigneten Immobilienpreisspiegel (mit Abschlägen) oder alternativ von einem Schätzgutachten abzuleiten.

Bei land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken ist die Steuer im Familienverband weiterhin vom einfachen Einheitswert zu berechnen. Dies gilt sowohl für unentgeltliche (Schenkung, Erbschaft) als auch für entgeltliche Erwerbe (Kauf, Tausch). Der Steuersatz beträgt in diesen Fällen 2%.

Zum begünstigten Personenkreis zählen neben den Ehegatten eingetragene Partner, Lebensgefährten, Verwandte und Verschwägerte in gerader Linie, Stief-, Wahl- und Pflegekinder sowie deren Kinder, Ehegatten oder eingetragene Partner, ab 2016 auch Geschwister, Nichten und Neffen des Überträgers.

Bei Übertragungen von land- und forstwirtschaftlichen Vermögen außerhalb des begünstigten Personenkreises oder von nicht land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitz (z.B. Wohnhaus) ist für den Steuersatz grundsätzlich zu beurteilen, ob der Erwerb entgeltlich oder unentgeltlich erfolgt.

Erwerbe unter Lebenden innerhalb des begünstigten Personenkreises gelten stets als unentgeltlich. Beim unentgeltlichen Erwerb von Grundstücken gilt ein begünstigter Stufentarif: Für die ersten 250.000 Euro sind es 0,5%, für die nächsten 150.000 Euro beträgt der Tarif 2%, darüber hinaus sind es 3,5%. Bei entgeltlichen Erwerben gilt der Steuersatz von 3,5%.

Emotionales Thema

Neben rechtlichen und steuerlichen Aspekten wird in der neuen Broschüre die Hofübergabe/Hofübernahme auch vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet. Für die Eltern, die den Betrieb über Jahre hinweg verantwortungsvoll und nachhaltig bewirtschaftet haben, heißt es, loszulassen und die Hauptverantwortung in jüngere Hände zu legen. Für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt, zeitgleich ist es auch für Hofübernehmerinnen und -übernehmer der Beginn einer neuen Ära. Die neue Fachbroschüre bietet allen Interessierten einen Wegweiser für eine optimale Hofübergabe/Hofübernahme.