Neue Studie beleuchtet große Bedeutung des Maisanbaus in Österreich

Diskussion über diese Kultur soll versachlicht werden.

Wien, 27. April 2015 (aiz.info). - Die Kulturpflanze Mais hat nicht nur in Österreich, sondern weltweit eine sehr große Bedeutung. Eine drastische Einschränkung des Maisanbaues hätte starke Verluste an landwirtschaftlicher Produktivität, Wertschöpfung und Beschäftigung zur Folge. Die Einbußen würden nicht nur den Agrarsektor, sondern auch den vor- und nachgelagerten Sektor und die Volkswirtschaft insgesamt treffen. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die heute in Wien vorgestellt wurde. Es handelt sich bei dieser Untersuchung um eine gemeinsame Initiative des Ökosozialen Forums Österreich und der Bundesländer Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark; die Umsetzung erfolgte durch das Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und die Universität für Bodenkultur.

"Der Anbau von Mais wurde in den vergangenen Monaten oft hinterfragt und kritisiert - Stichwort Pflanzenschutz. Die Diskussion verlief dabei oft sehr unsachlich. Wir haben daher in Zusammenarbeit mit dem WIFO und der BOKU die Bedeutung dieser Kulturpflanze in Österreich genauer untersucht", erläuterte Hans Mayrhofer, Generalsekretär des Ökosozialen Forums.

Die Studie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: im ersten geht es um die wirtschaftliche Bedeutung der Maisproduktion für die österreichische Volkswirtschaft. Der zweite Teil der Untersuchung beschreibt die pflanzenbaulichen Maßnahmen zur Minderung der Umweltwirkung durch den Maisanbau.

Hohe Ertragsleistung

"Mais ist als sogenannte C4-Pflanze besonders effizient in der Kohlendioxid-Fixierung. Keine andere Pflanze hat gleichermaßen derart hohe Biomasse-Erträge, eine so große Energieausbeute und eine so vielseitige Verwendbarkeit in der Landwirtschaft sowie in der technischen Verarbeitung wie Mais", betonte Rita Kappert, Studienautorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der BOKU.

"Die Maisanbaudichte ist in einigen österreichischen Regionen sehr hoch, was zu ökologischen Problemen führen kann. Man muss andererseits auch dazusagen, dass Mais vergleichsweise wenig Wasser verbraucht, eher bescheidene Ansprüche an den Boden stellt und eine deutlich positive Humusbilanz aufweist. Diese Kultur bedarf - abgesehen vom Maiswurzelbohrer - nur geringer Pflanzenschutz-Aufwendungen", unterstrich Studienautor Hans-Peter Kaul - er ist an der BOKU für den Bereich Nutzpflanzenwissenschaften zuständig. Ein Problem stelle allerdings der gefährliche Schädling Maiswurzelbohrer dar, weil hier der Befallsdruck in Österreich zunehme. Fruchtfolge sei die wichtigste Maßnahme zur Schadensminimierung. Die Auswahl an chemisch-synthetischen Präparaten sei hier sehr beschränkt, derzeit prüfe man daher auch die Wirksamkeit alternativer Mittel.

Mais werde sehr spät ausgesät, daher sei im Frühjahr der Boden lange nicht bedeckt, was das Risiko für Erosion steigen lasse, so Kaul. Allerdings stehe diese Kultur - neben den Zuckerrüben - im Herbst am längsten am Feld und bedecke so den Boden länger. Darüber hinaus seien im Umweltprogramm ÖPUL verschiedene Maßnahmen vorgesehen, die der Erosionsgefahr entgegenwirken.

Steigendes Ertragspotenzial

"Mais hat ein höheres und stärker steigendes Ertragspotenzial als etwa Weizen. Auch in den kommenden Jahren werden weiter zunehmende Erträge erwartet. Dennoch wird derzeit in Österreich nicht mehr Mais angebaut als vor 30 Jahren. Der Anteil dieser Kultur am Ackerland ist jedoch heute höher als früher", stellte Franz Sinabell, Agrarexperte des WIFO, fest. Beim Maisanbau seien einerseits deutlich höhere variable Kosten als bei anderen Kulturen zu verzeichnen, allerdings sei auch der Deckungsbeitrag deutlich größer. Der Umstand, dass ein Fünftel der in der heimischen Tierproduktion verwendeten Futtermenge vom Mais stammt, unterstreiche die Bedeutung dieser Pflanze für die österreichische Nutztierhaltung. Mais sei außerdem eine bedeutende Energiepflanze und steuere rund 20% zur Biomasseproduktion der heimischen Landwirtschaft bei.

Maisanbau hat hohen Stellenwert in der Saatzucht

Um die volkswirtschaftliche Bedeutung des Maisanbaues abschätzen zu können, wurde in der Studie mithilfe einer so genannten Input-Output-Analyse eine fiktive Situation konstruiert. "Wir haben ein Extrem-Szenario modelliert, in dem kein Körner- und Silomais mehr in Österreich angebaut wird, sondern stattdessen ausschließlich Weizen und Grassilage. Die Folgen wären umfangreich: Der Output im Agrarsektor würde um rund 900 Mio. Euro sinken, gleichzeitig wird durch die veränderte Technologie, die zur Bodenbewirtschaftung eingesetzt wird, die Nachfrage nach Vorleistungen im Inland reduziert. Die Wertschöpfung würde um bis zu 400 Mio. Euro verringert und die Zahl der Beschäftigten im vor- und nachgelagerten Bereich dürften um 8.000 bis 15.000 Personen abnehmen", erläuterte Sinabell. Die Zahlen für dieses rein hypothetische Szenario seien konservativ gerechnet, denn eigentlich müsse man auch berücksichtigen, dass ohne Mais der Schweinemast die wichtigste Futtergrundlage entzogen werde und speziell auch der österreichischen Saatzucht eine sehr bedeutende Kultur fehlen würde.

Hiegelsberger: Diskussion soll auf wissenschaftlichen Fakten basieren

"Oberösterreich ist bundesweit führend in der Tierproduktion, für uns ist Mais eine besonders wichtige Pflanze. Daher haben wir im Jahr 2013 diese Studie initiiert", berichtete Agrarlandesrat Max Hiegelsberger. Es sei ihm darum gegangen, der zum Teil sehr unsachlichen, emotionalen Diskussion über den Maisanbau wissenschaftliche Fakten gegenüberzustellen. So habe die Maisanbaufläche in seinem Bundesland nur einen Anteil von 12% an der Ackerfläche und auch der Wasserbedarf sei vergleichsweise gering. Hierzulande entfielen 7% des Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft, weltweit seien es 70%, gab Hiegelsberger zu bedenken.

Der burgenländische Agrarlandesrat Andreas Liegenfeld wies auf den Stellenwert der Maispflanze für die Bauern in seinem Bundesland hin und sprach sich ebenfalls für eine faktenbasierte Diskussion über dieses Thema aus. Mit dem Umweltprogramm ÖPUL habe man schon einen wichtigen Schritt im Sinne des nachhaltigen Maisanbaus gesetzt. Was die anhaltende Kritik an Biogasanlagen betreffe, so würden diese im Burgenland nicht mehr gefördert, wenn sie von der Rohstoffseite her einen großen Maisanteil aufweisen, so Liegenfeld. Er hob abschließend die herausragende Rolle dieser Kultur in der heimischen Saatzucht und speziell für das Unternehmen Pioneer in Parndorf hervor.

Anmerkung: Eine Kurzfassung der Studie "Maisanbau in Österreich - Zahlen & Fakten" kann auf www.oekosozial.at oder auf www.aiz.info im Anschluss an diesen Beitrag als pdf-Dokument heruntergeladen werden.

Downloads zum Thema