Notierungen an Weizen-Terminmärkten bewegen sich in enger Bandbreite

Heimischer Markt unaufgeregt im Finale - spürbare Nachzahlung aus Poolvermarktung winkt.

Wien, 27. Februar 2015 (aiz.info). - Die Weizen- und Maisnotierungen an den internationalen Warenterminbörsen bewegten sich auch diese Woche in ihren jüngst eingefahrenen Bandbreiten - der März-Weizenkontrakt an der Euronext in Paris etwa um 185 Euro/t. Am kommenden Montag, dem 2. März 2015, geht nach dem Durchlaufen aller behördlichen Genehmigungsverfahren an der Euronext übrigens der neue "Premium-Mahlweizenfuture No.3" mit einer Protein- und Fallzahlgarantie von mindestens 11% beziehungsweise 220 sec. für den September 2015 als ersten Liefertermin in den Handel. Die Weizennotierungen an der Euronext werden weiterhin vom schwunghaften Export aus der EU gestützt, in der abgelaufenen Woche wurden Lizenzen für 923.000 t Weichweizen gezogen, womit die EU 2014/15 schon bei 20,8 Mio. t Weichweizenausfuhren hält. Das bearishe Sentiment für den an der CBoT in Chicago gehandelten Soft Red Winter wird dagegen nach wie vor von den schwachen Exportzahlen der USA - 328.000 t Weizen in der letzten Woche - genährt. Der Sojakomplex und auch heimische Ölsaaten wie Raps profitierten jüngst trotz aller Erwartungen von Rekordernten von Ernteverzögerungen und Logistikproblemen - in Brasilien streiken etwa die LKW-Fahrer - in Südamerika. Der heimische Kassamarkt biegt unaufgeregt in die Zielgerade. Die Weizenernte 2014 ist weitgehend durchgehandelt und, so ein Händler, "das Vermarktungsprogramm wunderbar abgearbeitet". Dem Vernehmen nach winken den Landwirten aus der Poolvermarktung der Lagerhäuser im Frühjahr spürbare Nachzahlungen.

Damit wendet sich der Fokus immer mehr der neuen Ernte zu. Hier werfen Meldungen aus der Ukraine über Verluste von Winterkulturen auf landesweit etwa 1,2 Mio. ha, was fast 15% der gesamten Aussaatfläche entspricht, ihre Schatten. Die mehrjährige durchschnittliche Nachsaatquote in dem Schwarzmeerland liege nämlich nur bei 7%. Laut agrarzeitung.de lässt aggressiver Gelbrostbefall Großbritannien um 25% seiner Weizenerträge aus der Ernte 2015 bangen. Der internationale Getreiderat IGC in London veröffentlichte am Donnerstag mit seinem monatlichen Grain Market Report (GMR) erste globale Ernteprognosen für 2015/16. Demnach sollen etwas weniger Weizen und Mais eingefahren werden, die Versorgung aber dennoch komfortabel bleiben.

IGC revidiert Erntezahlen 2014/15 neuerlich hinauf - 2015/16 weniger Weizen und Mais

Für die laufende Saison 2014/15 revidiert der IGC gegenüber dem Jänner die globalen Ernten von Getreide (Weizen und Futtergetreide) nochmals um 4 Mio. t auf den Rekordwert von 2006 Mio. t hinauf. Praktisch die gesamte Revision soll aber in der Bilanz durch einen ebenfalls höher erwarteten Verbrauch - insbesondere in Verfütterung und industrieller Verarbeitung - wieder kompensiert werden. Diesen Mehrkonsum stimulieren niedrigere Preise. Der Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) des IGC fiel im abgelaufenen Monat um 3%, davon der Subindex von Weizen um 7% und der von Mais um 5,9%, während der von Sojabohnen aufgrund von Ernteverzögerungen und Logistikengpässen in Südamerika trotz der Aussichten auf Rekord-Endbestände um 1,2% anstieg. Ein Schlüsselfaktor seien die Wechselkursrelationen gewesen, wobei am Weltmarkt die Stärke des US-Dollars die Wettbewerbsfähigkeit anderer Herkünfte unterstützt hätte.

An den Weizen- und Maisbilanzen im aktuellen Wirtschaftsjahr nimmt der Februar-Bericht gegenüber dem Vormonat keine signifikanten Änderungen vor. Die Exportzahlen der EU erhöht der Rat neuerlich um 600.000 t auf 30,2 Mio. t Weichweizen, wobei er aber die Ratio von Stock to Use zum Jänner-Report hin nur marginal auf 13% herabsetzt.

Der Sojabohnenwelthandel soll dank des unstillbaren Proteinhungers Chinas 2014/15 um 5% auf den neuen Rekordumfang von 116 Mio. t zulegen. Im Jahresabstand gab der GOI um fast 20% nach. Mit Endlagern von 431 Mio. t oder knapp 22% des Verbrauchs bleibt es bei Getreide und Ölsaaten immer noch bei einem Bestandsaufbau von 29 Mio. t auf den höchsten Wert seit rund 30 Jahren.

Für die kommende Ernte 2015 sieht der Rat eine weitgehend gute Entwicklung der Bestände, wobei die globale Weizenproduktion 2015/16 mit 705 Mio. t um 2% unter der aus der laufenden Saison und die von Mais mit 938 Mio. t um 5% darunter geschätzt wird. Mit den großen Anfangsbeständen, die aus 2014/15 überbleiben, prognostizieren die Londoner Experten aber auch im kommenden Wirtschaftsjahr eine weltweit komfortable Versorgungslage.

Ägypten kaufte doch US-Weizen - Nahrungsmittelinflation in Russland weiter im Galopp

Nachdem ihr Weizenangebot aus den USA bisher zu teuer waren, kaufte die staatliche ägyptische Getreideagentur GASC diese Woche doch noch 290.000 t US-Weizen aus der von Washington gewährten Kreditlinie über 100 Mio. USD (88,26 Mio. Euro). Als Durchschnittspreis wurden laut Agenturmeldungen 273,11 USD/t (241,33 Euro) cif kolportiert. Damit kauften die Ägypter aber immer noch um rund 30 USD/t (26,51 Euro) teurer als in der Woche zuvor in Frankreich und Rumänien. Der Ägypten-Exportdeal konnte aber die Stimmung an der CBoT nicht nachhaltig heben.

Indes beginnt die von Moskau ab Februar erhobene Exportsteuer zwar wie gewünscht die Getreideausfuhren aus Russland, nicht aber die galoppierende Inflation der Nahrungsmittelpreise im Inland zu bremsen. Im Jänner erreichte die Preissteigerung von Lebensmitteln in Russland gegenüber dem ersten Monat des Jahres 2014 20,7%. Schuld daran gab man neben dem Verfall des Rubels - dieser büßte im Vergleich zum US-Dollar bis Jahresbeginn 2015 gegenüber Anfang 2014 rund die Hälfte seines Wertes ein - der starken Nachfrage und attraktiven Preisen am Markt für Getreide zu Exportzwecken. In der Ukraine zeigt sich die Lage ähnlich, wenn nicht noch dramatischer: Die Landeswährung Hrywnja verfiel im selben Zeitraum um mehr als 70% und die Lebensmittelpreise kletterten um 30,1% in die Höhe.

Markt ist gespannt auf Start des neuen Pariser Weizenfutures

Am kommenden Montag, dem 2. März 2015, startet die Euronext in Paris nach dem Durchlaufen aller behördlichen Genehmigungsverfahren den Handel des neuen "Premium-Mahlweizenfutures No.3". Erster handelbarer Liefertermin ist der September 2015. Im Gegensatz zum bisher gehandelten europäischen Mahlweizenfutures No.2, dessen Spezifikation keine Fallzahl- und Proteingarantien vorschreibt, enthält der neue solche: nämlich mindestens 11% Protein und 220 sec. Fallzahl. Weiters sind 76 kg Hektolitergewicht, maximal 15% Feuchtigkeit, 4% Bruchkorn und 2% Besatz definiert. Liefermonate sind wie beim No.2 September, Dezember, März und Mai. Zusätzlich kann die physische Erfüllung des neuen Futures mit Mahlweizen beliebiger EU-Herkunft neben den altbekannten Silos in Rouen (Socomac und Senalia) und Dünkirchen auch in zusätzlichen Lagern in Rouen (Lecureur), Nantes und Bordeaux (jeweils InVivo) erfolgen. Es stehen insgesamt 1,8 Mio. t Lagerkapazität zur Verfügung.

Der bisherige europäische Weizenfutures No.2 stand ja im Geruch, mangels Protein- und Fallzahlgarantie bisweilen - etwa in Jahren mit schlechter Weizenqualität wie 2014 - lediglich den Wert von Futterweizen abzubilden. Der Markt erwartet nun mit einiger Spannung, wie der neue Futures angenommen wird. Um dem neuen Futures vom Fleck zu helfen, sieht die Euronext für einen sechsmonatigen Zeitraum eine sogenannte EFF-Funktionalität vor, binnen dem Marktteilnehmer ihre Positionen zwischen altem und neuem Kontrakt hin- und herswitchen können.

Heimischer Markt unaufgeregt im Finale - spürbare Nachzahlung aus Poolvermarktung winkt

Der österreichische Kassamarkt steuert unaufgeregt ins Finale der Saison 2014/15. Bei einem gemächlichen Geschäftsverlauf stünden dem Restbedarf der Verarbeiter auch auf Angebotsseite nur mehr Restmengen an Weizen gegenüber und seien gute Qualitäten nach wie vor gesucht. "Das Vermarktungsprogramm ist wunderbar abgearbeitet, die alte Ernte ist ziemlich gelaufen und für die neue Ernte 2015 ist der Überdruck möglicher Lagerraumengpässe draußen", so ein Händler. Aus dem Genossenschaftssektor heißt es denn auch, Landwirte, die ihren Weizen über den Pool der Lagerhäuser vermarktet haben, könnten im Frühjahr mit spürbaren Nachzahlungen rechnen.

Auch in Österreich hatten zuletzt die Preise für Brotweizen nur geringen Bewegungsspielraum. An der Wiener Produktenbörse ging es diesmal am Mittwoch dieser Woche also mit den am Kursblatt verbliebenen Qualitäts- und Mahlweizennotierungen wieder einen Tick nach oben. Qualitätsweizen legte um 0,50 Euro auf 203 Euro/t zu und Mahlweizen um 1 Euro auf 177,50 Euro/t.

Etwas abgeschwächt, aber ohne Anzeichen für ein wirkliches Einknicken, hätten sich zuletzt die Futtergetreidepreise. Dagegen zeigt sich Raps ziemlich fest und notierte diese Woche in Wien mit 337,50 Euro/t um 12,50 Euro höher als zuletzt Mitte Jänner. Marktteilnehmer begründen dies damit, dass ein wegen der riesigen in Südamerika heraufkommenden Ölsaatenernten erwarteter internationaler Preisverfall bis jetzt ausgeblieben sei, weil diese Mengen wegen Ernte- und Logistikunterbrechungen nicht auf den Markt gelangen könnten.

Davon profitiert auch heimischer, GVO-freier Sojaschrot. Dessen Notierung zog diese Woche überproportional zur Befestigung der Importpreise um 25 Euro auf 470 Euro/t an, während deklarationspflichtige, also GVO-hältige Importware nur um 5 Euro pro Tonne zulegte. Es heißt aber, dass der inländische Sojaschrot im Vergleich zu Einfuhren zuletzt "sehr wettbewerbsfähig" gewesen und ohnehin schon sehr weit durchgehandelt, also nur mehr schwer zu bekommen sei. Jedenfalls zeige der Vermarktungserfolg, dass die Programme zur Etablierung einer gentechnikfreien Sojaversorgung von diversen Fütterungsprogrammen aus inländischem Anbau griffen.