Oberösterreichs Bauern fahren bei Herbstkulturen respektable Ergebnisse ein

Reisecker: Suche nach Alternativen, um betriebliche Wertschöpfung zu erhöhen

Linz, 11. Oktober 2016 (aiz.info). - Extremwitterungsverhältnisse, wie sie in den vergangenen beiden Jahren in Österreich vorherrschten - Hitze und Dürre 2015 sowie überbordende Niederschläge 2016 -, machen den Pflanzenbau zu einer Herausforderung für die heimischen Landwirte. "Diese Entwicklung bereitet Sorge, denn in Wirklichkeit gibt es wenig Vorsorgemöglichkeiten. Das Thema Erosionsschutz wird noch wichtiger, wurde aber in der Vergangenheit schon sehr ernst genommen", erklärte Christian Krumphuber, Leiter der Abteilung Pflanzenproduktion in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, beim heutigen gemeinsamen Bilanzpressegespräch mit LK-Präsident Franz Reisecker über die Herbsternte. Oberösterreichs Ackerbauern haben die Herausforderung ganz gut gemeistert und konnten insbesondere bei Körnermais und Sojabohne, die neben Zuckerrübe zu den Hauptherbstkulturen zählen, deutlich bessere Erträge einfahren.

So wurden auf einer geringfügig kleineren Maisfläche (50.000 ha) Durchschnittserträge von 10,5 t/ha geerntet, was - unter Berücksichtigung der beiden ausgeprägten Trockenjahre 2013 und 2015 - im Fünf-Jahres-Vergleich eine Steigerung von 13% ausmacht. Sehr erfreulich sind die Qualitäten, was auch auf das neue Mykotoxinmonitoring (www.warndienst.at) zurückgeführt wird.

Ähnlich die Situation bei Soja: Es gab zwar gegenüber 2015 einen Flächenrückgang von etwa 10%, mit Hektarerträgen von 3,2 t aber insgesamt ein sehr respektables Ernteergebnis, das sogar 15% über dem Fünf-Jahres-Schnitt liegt. Die Bedeutung der heimischen Sojabohne könnte durch den verstärkten Wunsch nach gentechnikfreier Ware aus Europa noch weiter steigen, glaubt LK-Experte Krumphuber. "Das Anbaupotenzial für diese Kultur ist in Oberösterreich aber schon relativ gut ausgeschöpft, die maximale Anbaufläche liegt nachhaltig bei etwa 16.000 bis 18.000 ha."

Erfreuliche Ergebnisse bei der Zuckerrübe, respektable beim Ölkürbis

Nach dem Trockenjahr 2015 kehrt auch im Rübenanbau wieder Normalität ein. Die diesjährigen Erträge liegen im Schnitt bei 78 t/ha und damit 6% unter dem fünfjährigen Schnitt, werden aber als "erfreulich" eingestuft.

In Oberösterreich wird auf knapp 2.000 ha Ölkürbis kultiviert. "Wir rechnen im Schnitt mit etwa 800 kg Kornertrag/ha. Bedenkt man, dass es für den Großteil der Betriebe Neuland ist, sind die Ernteergebnisse respektabel", so Krumphubers Fazit.

Insgesamt sehr gut verlaufen sei die Grünlandernte, so der Experte weiter. Je nach Gebiet und Schnitthäufigkeit seien die Qualitäten beim ersten und zweiten Schnitt allerdings recht unterschiedlich ausgefallen. Sorge bereiten den Landwirten unverändert der Maikäfer beziehungsweise die Engerlinge, die regional eine echte Herausforderung darstellen. Betroffen seien primär der obere Bezirk Rohrbach sowie der Sauwald. Die Schädlinge würden sich aber bereits auf andere Bezirke ausbreiten.

Etwa ein Zehntel weniger Obst aufgrund von Frostschäden

Die Apfelernte verläuft in Oberösterreich zufriedenstellend. Die warmen Tage und kühlen Nächte begünstigen die Ausbildung der sortentyptischen Aromen und des optimalen Zucker-Säure-Verhältnisses. Zwar gab es in Oberösterreich Frostschäden - allerdings deutlich weniger als etwa in der Steiermark -, betroffen war hier primär das Steinobst mit einem Ausfall von 90 bis 95% (Zwetschke, Marille, Kirsche). Bei Kernobst erwartet die LK - auch bedingt durch die Produktionsausfälle in anderen Gebieten - einen guten Marktverlauf mit positiver Preisentwicklung. "Wir rechnen mit einer Gesamternte von zirka 8.000 bis 10.000 t, das sind 10 bis 15% unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Unsere Obstbauern werden langfristig vom Trend zu regionalen Produkten profitieren, da sie ausschließlich für den Heimmarkt produzieren", ist Krumphuber überzeugt.

Im oberösterreichischen Weinbau hat es auch heuer wieder Schäden durch Blütenfrost gegeben. Bei geringerer Ernte werden aber bedingt durch das zuletzt schöne Herbstwetter gute Qualitäten erwartet.

Zufriedenstellende Saison bei Frischgemüse - Verarbeitungsware mit sehr guter Qualität

Trotz der überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen von April bis Juli verlief die Saison für die wichtigsten Frischgemüsearten im Land (Spargel, Salate, Kohl- und Wurzelgemüse) zufriedenstellend. Temporär auftretende Angebotsüberhänge drückten insbesondere bei Frühkartoffeln, Salaten und Zucchini auf den Erzeugerpreis. Bei Kohl- und Wurzelgemüse war der Schädlings- sowie Krankheitsdruck überdurchschnittlich stark, mit teils gravierenden Ernteausfällen. Die aktuell laufenden Einlagerungsaktionen des Handels laufen bis dato witterungs-, mengen- und auch preismäßig optimal.

Bei den wichtigsten Gemüsearten für die Verarbeitung (Einlegegurken, Sauerkraut und Rote Rüben) können trotz schwieriger Produktionsbedingungen durch die vielen Niederschläge die geplanten Vertragsmengen bei überwiegend sehr guter Fruchtqualität erreicht werden. Besonders dazu beigetragen haben die trockenen Erntebedingungen ab Mitte August.

Für Oberösterreichs Hopfenbauern war es ein erfreuliches Jahr. Sie haben auf ihren 155 ha eine gute Durchschnittsernte erzielt. Nach der sehr schwierigen Zeit nach dem EU-Beitritt hat sich der Sektor zuletzt gut entwickelt. Die heimische Brauwirtschaft setzt einem Trend folgend vermehrt auf heimische Rohstoffe.

Vierte Rekordernte in Folge weltweit

In den für die Weltversorgung wichtigsten Gebieten gab es heuer wieder gute Ernten. Vor allem die US-Farmer werden bei Mais und Sojabohne Rekordernten einbringen. In der Schwarzmeerregion sind die Erträge ebenfalls sehr gut. In der EU ist die Situation etwas differenziert: Insgesamt gibt es eine gute Ernte, allerdings mit Ausnahme Frankreich, das als größter Getreide- und Maisproduzent der Union eine historisch schlechte Ernte einfahren wird. Da es bei den beiden wichtigsten Getreidekulturen Weizen und Mais in den vergangenen drei Jahren sehr hohe, stabile Ernten gegeben hat, werden momentan, trotz des global steigenden Verbrauchs, wieder Lagerbestände aufgebaut.

Differenzierte Auswirkungen der Fusionswelle in der Saatgut- und Pflanzenschutzbranche

Sorgen bereitet den oberösterreichischen Landwirten die Fusionswelle in der Pflanzenschutz- und Saatgutindustrie auf globaler Ebene. So kamen heuer einige "Megadeals" zustande, wie jener des neuen Branchenprimus Bayer-Monsanto, die nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer "zwingend zu marktbeherrschenden Unternehmen führen werden". Bedrohlich werden könnte das Szenario langfristig im Pflanzenschutz. "Die Konzerne denken in globalen Dimensionen, da wird es für regionale Probleme beziehungsweise für Kulturen mit geringerer Flächenbedeutung immer schwieriger werden, Lösungen für Pflanzenschutzprobleme zu finden. Nicht zu unterschätzen sind auch die technologischen Möglichkeiten dieser Firmen. Sie verfügen über enorme Forschungsetats und manche haben Tendenzen, die gesamte Produktionskette vom Anbau über Betriebsmittel bis hin zu Ernte und Verarbeitung zu bedienen. Das würde zu einer extremen Marktmacht führen", betont Reisecker.

Etwas entspannter wird die Situation im Saatgutbereich gesehen. Hier gebe es durchaus Chancen für regional verankerte Züchtungsunternehmen. Zwar müssten auch diese eine gewisse Größe aufweisen und sich international positionieren, aber ein Unternehmen wie die Saatbau Linz habe Potenzial für die Zukunft, heißt es.

Landwirte suchen nach Alternativen

Die Bäuerinnen und Bauern stehen aber unter einem enormen Preisdruck. Sie versuchen - teilweise durchaus mit Erfolg - in Produktionsalternativen einzusteigen, um die betriebliche Wertschöpfung zu erhöhen. Dazu zählen auch Saatmais- und Ölkürbiserzeugung. "Die Möglichkeit der Saatmaisproduktion steht und fällt mit den Züchtungserfolgen der Saatbau Linz. Hier ist Oberösterreich, mit einer Maissaatgutfläche von 400.000 ha, auch im internationalen Vergleich durchaus erfolgreich. Die Anbaubedingungen vor Ort sind sehr gut, zudem hat die Saatbau in eine moderne Aufbereitungsanlage investiert. Unser Maissaatgut wird überwiegend exportiert", erläutert Reisecker.

Bei Ölkürbis hat es in den vergangenen Jahren ein sehr starkes Wachstum gegeben. Dies gilt für Kernöl ebenso wie für den Bedarf an Kürbiskernen für Brotmischungen oder andere Produkte wie Snacks. Mittlerweile gibt es bundesweit gleich viele Ölkürbis- wie Rapsflächen. Die LK OÖ ist jedenfalls mit der aktuellen Ernte zufrieden. Abzuwarten sei, wie sich der Markt entwickle, aber Kürbis wäre in Oberösterreich noch ausweitbar, so der LK-Präsident. "Die Empfehlung ist allerdings, strikt im Rahmen von Kontraktproduktionen mit Preis- und Absatzsicherheit zu produzieren."

Klimawandel: Versicherungsangebot wird verbreitert

In den Papieren zur Klimawandelanpassung wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig und vordringlich Versicherungssysteme wären. Nach der Dürreversicherung Grünland beziehungsweise Mais wird ab 2017 das Angebot auf Weizen und Zuckerrübe ausgeweitet. Damit wären schon fast zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Österreichs gegen Dürreschäden versicherbar. Darüber hinaus soll das Versicherungsangebot gegen Frostschäden bei Obstkulturen erweitert werden. Die Prämien werden zu je 25% durch Bund und Länder subventioniert. "Damit werden die absehbaren Schäden durch den Klimawandel nicht geringer, aber sie werden berechenbarer und bedrohen die bäuerlichen Betriebe nicht mehr so existenziell wie bisher. Wir sehen dies als klaren Fortschritt und Österreich ist hier auch im internationalen Vergleich auf einem sehr guten Weg", so Reisecker abschließend.