ÖBf starten umfangreiches Maßnahmenpaket zur Borkenkäfer-Früherkennung

12.000 Fangbäume ausgelegt - 3 Mio. Euro in Käfervorsorge investiert.

Wien/Purkersdorf, 18. Mai 2016 (aiz.info). - Warme Witterungsverhältnisse und milde Winter in Kombination mit Schadereignissen wie Windwurf oder Schneebruch lassen den Wald zum Borkenkäfer-Paradies werden. Mit Beginn der warmen Jahreszeit startet auch wieder die Saison dieses Schädlings. Der Buchdrucker aus der Familie der Borkenkäfer gilt als wichtigster Waldschädling in Österreich, da er die Hauptbaumart, die Fichte, befällt. "Bei guten Bedingungen breiten sich die nur wenige Millimeter großen Tiere in Windeseile aus und bringen Bäume in kürzester Zeit zum Absterben", erklärt Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf, www.bundesforste.at). "Die warme Witterung der letzten Monate und der milde Winter begünstigen seine Verbreitung, daher müssen wir heuer besonders auf der Hut sein und eine Ausbreitung mit allen Mitteln verhindern." Dazu haben die Bundesforste ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Früherkennung entwickelt. Allein in den Käferschutz werden heuer 3 Mio. Euro investiert.

Frühwarnaktion: 12.000 Fangbäume ausgelegt

Derzeit kontrollieren die ÖBf ihre Wälder besonders genau auf Käferbefall. Für ganz Österreich wurde ein Monitoring-Netz entwickelt, das hilft, den Zeitpunkt des Schwärmfluges der Käfer zu erkennen. Dazu werden in über 100 Forstrevieren mit Lockstoffen bestückte Fallen (Schlitzfallen) aufgestellt, mit denen Schwärmflug und Populationsentwicklung beobachtet werden können. "Zusätzlich wurden heuer rund 12.000 Fangbäume in ganz Österreich ausgelegt, um die ersten schwärmenden Käfer zu fangen", so Freidhager. Erste untrügliche Anzeichen für einen Borkenkäferbefall - auch an stehenden Bäumen - sind frisches Bohrmehl und Bohrlöcher. In fortgeschrittenem Stadium sind befallene Bäume an ihrer abfallenden Rinde, braunen Kronen und Nadelfall zu erkennen. Neben Fangbäumen kommen weitere Methoden wie so genannte Netzfallen oder Nasslager zum Einsatz. Dabei wird geerntetes Holz unter ständiger Beregnung gelagert und so vor Borkenkäferbefall geschützt. Auch modernste Drohnen-Technologie wird erstmals zur Käferbekämpfung herangezogen.

Drohneneinsatz zur Früherkennung

In einem Pilotprojekt testen die ÖBf erstmals den Einsatz von Drohnen zur Borkenkäferprävention. "In steilen, schwer zugänglichen Gebieten bietet diese Form von Früherkennung unschätzbare Vorteile", sieht Freidhager Chancen in der neuen Technologie. "Vor allem relativ große Flächen könnten damit in kurzer Zeit erforscht werden." Durch das Verfahren können Bäume vorzeitig erkannt und bei Bedarf aus dem Wald entfernt werden.

Schadgebiete besonders gefährdet

Derzeit werden vor allem jene Waldgebiete beobachtet, die von Schadereignissen betroffen waren, da diese Schäden dem Borkenkäfer viel Brutmaterial bieten und bereits geschädigte Bäume besonders anfällig für einen Befall sind. Gesunde Bäume schützen sich mit baumeigenem Harz gegen das Eindringen der Borkenkäfer. Um das Aufkommen des Schädlings möglichst gering zu halten wären aus Sicht der Forstwirtschaft ein feuchtes Frühjahr und ein nasser, verregneter Sommer ideal. "Mit Hitzewellen und extremen Trockenperioden wie im Vorjahr könnte es schwierig werden", so Freidhager, der aufgrund der bisherigen Entwicklung und Witterungsverhältnisse zuversichtlich ist, die Situation gut in den Griff zu bekommen.