Österreichische Getreideernte 2015 mit 3,3 Mio. t auf Niveau des Vorjahres

Bei Herbstfrüchten deutlich geringere Erträge erwartet.

Wien, 31. Juli 2015 (aiz.info). - "Rund 90% der österreichischen Getreideflächen sind bereits abgeerntet. Die Erträge fallen im Erntejahr 2015 trotz umfangreicher Witterungsprobleme zufriedenstellend aus. Die erwartete Produktion von rund 3,3 Mio. t - ohne Mais - entspricht dem Niveau des Vorjahres. Mengenmäßig kann von einer guten Ernte gesprochen werden, die Topqualitäten bei Weizen wurden aber nicht erreicht. Bei späteren Kulturen wie Mais, Sojabohne, Zuckerrübe oder Kartoffel ist in manchen Gebieten nach derzeitigem Stand mit deutlich geringeren Erträgen und zum Teil sogar mit einem Totalausfall zu rechnen", teilte heute Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA) bei einem Pressegespräch in Wien mit.

Durchwachsenes Jahr mit herausfordernder Witterung

"2015 war für die heimischen Getreidebauern bis zur Ernte ein sehr durchwachsenes Jahr mit vielen kritischen Phasen. Zahlreiche Unwetter und extreme Witterungsphasen bereiteten Probleme. Letztlich hat sich aber die Situation doch noch entspannt, die Landwirte dürfen mit der Ernte insgesamt zufrieden sein", zog der Vorsitzende des Verwaltungsrates der AMA, Franz Stefan Hautzinger, eine vorläufige Bilanz. Die Tatsache, dass die extremen Trockenphasen von den Kulturen relativ gut bewältigt werden konnten, zeige auch, "dass die landwirtschaftlichen Böden bei uns noch intakt sind", betonte er. Entscheidend für die guten Erträge sei das Wasserhaltevermögen der Böden gewesen.

"Obwohl die Niederschlagsmenge speziell im Juni österreichweit um 25% unter dem vieljährigen Mittel lag, fallen die Erträge insgesamt zufriedenstellend aus. Am trockensten war es in der Osthälfte des Landes mit einem Niederschlagsminus von 50 bis 75%, im östlichen Weinviertel sowie entlang des Leithagebirges bis zum Wechselgebiet waren es sogar über 80%", ergänzte Griesmayr. "Der wochenlange Sonnenschein ließ das Korn in den meisten Anbaugebieten rasch abreifen. Die Mähdrescher starteten bei bestem Erntewetter, die Einbringung verlief großteils rasch und unkompliziert", informierte der Vorstandsvorsitzende.

Gesamtproduktion von 5,1 Mio. t Getreide erwartet

Inklusive der aktuell um gut 20% geringer eingeschätzten Maisernte wird heuer eine Gesamtproduktion von 5,1 Mio. t Getreide erwartet. Diese entspricht dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre und einem Minus von 10% gegenüber dem Rekordwert von 2014. Mit diesen Produktionsaussichten und einem Inlandsverbrauch von 5,8 Mio. t Getreide werden Exporte von 1,4 Mio. t prognostiziert. Damit steigt gleichzeitig der Importbedarf auf 2,1 Mio. t an.

"Österreich ist damit Nettoimporteur und in einer Win-Win-Situation. Eine Tonne exportiertes Getreide erzielt eine um 50% höhere Wertschöpfung als die gleiche Menge an importiertem Korn. Trotz der etwas geringeren Qualität im heurigen Jahr können wir unsere Exportmärkte weiterhin bedienen. In der Branche herrscht Einigkeit, dass auch künftig die Qualitätsproduktion im Vordergrund stehen soll", so Hautzinger. Bei den Preisen liege man zu Beginn der neuen Vermarktungssaison ungefähr auf Vorjahreshöhe, bei Qualiätsgetreide etwas darüber.

Deutlich weniger Weichweizen und mehr Soja angebaut

Die Getreideanbaufläche wurde österreichweit gegenüber dem Vorjahr um rund 2.500 ha auf insgesamt 579.965 ha reduziert. Entgegen ersten Prognosen hat Weichweizen flächenmäßig stark verloren (-10.633 ha), auch Roggen muss abermals einen großen Verlust (-8.715 ha) hinnehmen. Körnermais hat die Fläche des letzten Jahres ebenfalls nicht halten können und verliert 14.142 ha auf 183.825 ha. Verantwortlich dafür sind primär Fruchtfolgemaßnahmen und das allgemeine Beizverbot. Stark ausgeweitet wurde der Anbau von Hartweizen (+5.009 ha), Wintergerste (+5.585 ha) und Dinkel (+3.791 ha).

Bei den Ölsaaten geht der Trend des letzten Jahres weiter, die Sojabohne legt weiter zu und erreicht bereits eine Fläche von 56.867 ha. Ausschlaggebend dafür dürften vor allem die attraktiven Preise sein. Die größten Verluste haben erwartungsgemäß den Raps getroffen, welcher aufgrund des Beizverbotes, der niedrigen Preise im vorigen Jahr und neuer Richtlinien im ÖPUL (Raps zählt nicht mehr als Winterbegrünung) einen Rückgang auf 37.493 ha (-15.266 ha) verzeichnete. Auch bei den Ackerbohnen ist eine Ausweitung um fast 40% auf 10.822 ha zu verzeichnen.

Weichweizen-Ertrag etwas geringer als im Vorjahr

Die Getreideerträge sind im Erntejahr 2015 insgesamt zufriedenstellend ausgefallen. Bei Weichweizen - der wichtigsten heimischen Getreideart werden voraussichtlich 1,7 Mio. t geerntet, das sind um 3,7% weniger als im Vorjahr. Bundesweit wird die Qualitätsverteilung derzeit auf 15% Premiumweizen, 30% Qualitätsweizen und 55% Mahl- und Futterweizen geschätzt. Winterhartweizen (Winterdurum) zeichnet sich heuer durch hervorragende Qualitäten und Erträge aus. Sommerdurum erreicht ebenfalls diese Güte, bleibt aber bei den Erträgen zurück.

Sehr erfreulich verlief die Entwicklung bei der Gerste, insbesondere bei der Wintergerste. Hohe Erträge, gepaart mit sehr guten Qualitäten, sorgen für gute Stimmung bei den Landwirten. Die Sommergerste erreichte trotz der Hitzewelle im Juni gute Werte und überraschte mit guten Siebungsergebnissen. Die gesamte Gerstenproduktion wird von der AMA mit rund 880.000 t beziffert.

Roggen, nach Weizen das zweitwichtigste Brotgetreide in Österreich, lieferte heuer zufriedenstellende Erträge und Qualitäten, wobei die Ernte im Hauptanbaugebiet Waldviertel noch aussteht. Die Menge wird voraussichtlich knapp unter 180.000 t liegen. Raps war mit schwachen Hektarerträgen von 2 bis 3 t und einer drastisch gekürzten Anbaufläche einer der Verlierer in diesem Jahr. Durchschnittliche Erträge hat dieses Jahr auch die Körnererbse mit rund 3 t je ha erreicht. Es zeigt sich generell, dass das Wintergetreide besser abschneidet als Sommerkulturen.

EU: Ernteprognose auf 301,7 Mio. t reduziert

"In der EU wurden die Ernteschätzungen aufgrund der Hitzeperiode zuletzt deutlich reduziert. Die Versorgungsbilanz für den weltweit zweitgrößten Getreideexporteur mit einem Marktanteil von 12,8% weist ein deutlich verändertes Bild auf, trotzdem zeigt die neueste Schätzung des internationalen Getreiderates (IGC) weiterhin eine komfortable weltweite Versorgungslage", berichtete Christian Gessl, zuständiger Abteilungsleiter der AMA.

Die EU-Anbaufläche für Getreide ist 2015 mit 57,3 Mio. ha gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben. Die Ölsaatenfläche wurde - trotz Ausweitung der Anbaufläche für Sojabohne - um 2,6% verringert. Ein Grund dafür ist der verringerte Anbau von Raps. Die jüngste Ernteschätzung der Europäischen Kommission beläuft sich auf eine Gesamtproduktion von 301,7 Mio. t. Die Menge liegt somit um 27 Mio. t unter dem Vorjahr, sie übertrifft jedoch den Schnitt der letzten fünf Jahre um 2,5%. Die Rückgänge fallen der Prognose zufolge vor allem bei Weichweizen (-9,4 Mio. t) und Mais (-12,3 Mio. t) deutlich aus. Die Ölsaatenproduktion liegt um 8,5% unter dem Vorjahreswert, wobei vor allem bei Raps ein Minus in Höhe von gut 10% verzeichnet wird.

"Die Getreideversorgungsbilanz der EU-28 wird sich heuer verändern. Die hohen Lagerbestände zu Beginn des Wirtschaftsjahres kompensieren teilweise die geringere Ernte. Die deutlich reduzierte Produktionsmenge erfordert aber höhere Importe, gleichzeitig wird das hohe Exportvolumen des Vorjahres nicht erreicht. Die Getreidelager zum Ende des Wirtschaftsjahres 2015/2016 werden deutlich reduziert", erläuterte Gessl.